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Schmuckstück an der Ostsee

Mit Ziegeln rekonstruiert

Poroton, Baustoffe, Mauerwerksbau

Die Villa "Großfürstin Marie – Perle" in Heiligendamm erstrahlt in neuem Glanz. Die im 19. Jahrhundert gebaute Residenz an der mecklenburgischen Ostseeküste, die später für die Zarenhochzeit erweitert wurde, musste aufgrund maroder Bausubstanz abgerissen werden und wurde 2012 im historischen Stil wieder aufgebaut. Sie ist Teil der Perlenkette, einem Ensemble von sieben Strandvillen, die nach und nach saniert oder wieder errichtet werden sollen.

Heiligendamm (ABZ). – Die Perlenkette in Heiligendamm, ein Ensemble aus sieben Strandvillen mit spektakulärem Meerblick, zählte einst zu den prachtvollen architektonischen Schmuckstücken an der mecklenburgischen Ostseeküste – und sie soll es wieder werden.

Die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) hat es sich zum Ziel gesetzt, die historischen Bauten wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die Sommerresidenzen, 1854 bis 1861 für den europäischen Hochadel gebaut, haben eine bewegte Geschichte: Sturmhochwasser, Soldatenunterkünfte im Zweiten Weltkrieg, Umbau in der DDR. Bei der Bestandsaufnahme 1997 stand fest: Einige Gebäude wiesen von ihrer architektonischen Ursprünglichkeit nichts mehr auf und hatten irreparable Schäden an Dachstuhl sowie Mauerwerk. ECH beschloss, alle Villen nach den historischen Architekturvorbildern wieder zu errichten bzw. zu sanieren. 2010 begannen die Arbeiten zum detailgetreuen Wiederaufbau des ersten Gebäudes, der Villa "Großfürstin Marie – Perle", kurz Villa Perle.

Ziel war es, die kulturhistorische Bausubstanz nach dem Erscheinungsbild von 1920 wieder herzustellen – eine Hochzeit der Bäderarchitektur. Dafür mussten Anforderungen des Ensembledenkmalschutzes erfüllt werden: dunkle Dacheindeckung, entsprechende Farb- und Fensterkonzepte, detailgetreue und hochwertige Stuckarbeiten. Zur Rekonstruktion entschied sich Architekt Klaus Klingler von ECH aus Überzeugung für ein System aus Poroton-Ziegeln und Poroton-Ergänzungsprodukten, sowohl für die Außen- als auch die Innenwände: "Der Ziegel hat die besten Feuchte regulierenden Eigenschaften aller Baustoffe. Aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften ist er ein Garant für Wohngesundheit und Werthaltigkeit."

Für die Außenwand kam der Perlit verfüllte Poroton-S11-P in den Stärken 30 und 36,5 cm zum Einsatz. Mit der Druckfestigkeitsklasse 10 bietet der Wandbildner sichere statische Eigenschaften für den Geschosswohnungsbau. Durch die geringe Wärmeleitfähigkeit des S11-P von 0,11 W/mK erreicht die Außenwand einen niedrigen U-Wert von 0,28 W/(m²K). Der Poroton-Ziegel reguliert damit das Wohnklima ganzjährig: Im Sommer schützt er vor Hitze, im Winter hält er die behagliche Wärme im Gebäude. Ergänzende Ziegelprodukte wie wärmegedämmte U-Schalen und Stürze sowie Deckenrandschalen optimieren Wärmebrücken und schaffen einen einheitlichen Putzgrund für die hochwertige Stuckfassade. Anschlussdetails über Tür- und Fensteröffnungen konnten so monolithisch sicher ausgeführt werden. Der handangerührte, mineralische Putz für die Fassade sowie die weiße Silikatfarbe unterstreichen den Qualitätsanspruch an die verwendeten Baustoffe.

Für die Wohnungstrennwände riet Margitta Zielecke, Wienerberger Projektmanagement, zum Einbau spezieller Poroton-Schallschutzziegel, die mit ihrer hohen Rohdichte sehr gute Schallschutzwerte bieten: "Gerade bei einem Gebäude dieser Güteklasse erwarten die Wohnungsbesitzer Ruhe in den eigenen vier Wänden. Schallschutzziegel harmonieren außerdem bauphysikalisch bestens mit den Poroton-Ziegeln für die Außenwand." Die Innenwände des Gebäudes sind klassisch mit Gips verputzt, im Keller kam wegen seiner Feuchte regulierenden Eigenschaften Kalziumsilikat-Putz zum Einsatz. Beton wurde in der Villa Perle nur in Decken, Treppenhäusern und Aufzugsschächten sowie als tragende Konstruktion für das Dach verwendet. Auf diese ließ der Architekt ein hinterlüftetes Sparrendach setzen, das mit anthrazitfarbenem Zinkblech verkleidet ist. Gegründet ist das Haus auf einer druckwasserdichten Weißen Wanne. Aber nicht, wie man meinen könnte, um dem Meerwasser, sondern dem vom Land herkommenden Schichtenwasser standzuhalten.

Das seit 2012 neu erstrahlende Logierhaus im klassizistischen Stil verfügt auf drei Etagen über acht Eigentumswohnungen – allesamt mit Blick auf die Ostsee und mit Wohnflächen von ca. 109 bis 220 m². Teilweise wurde der Innenausbau der Wohnungen abgeschlossen, teilweise blieb den Käufern viel Freiraum für die Grundrissplanung.

Entsprechend dem historischen Vorbild erhielt die Villa "Großfürstin Marie – Perle" verzierte und verspielte Balkone und Loggien, Veranden, Freisitze, eine begehbare Dachterrasse mit Turm, Fassadenschmuckwerke und umlaufende Gesimse sowie horizontale Bänderungen und Fensterfaschen. Aufwendig war die Anfertigung des Fassadenschmucks und der Stuckaturen: Um traditionelle Mörtelmischungen und Techniken mit dem modernen Baustoff Poroton kombinieren zu können, musste das Abscheren des Mörtels von der planen Poroton-Wand verhindert werden. Man griff auf eine Technik des 19. Jahrhunderts zurück. Über Rabitzkonstruktionen – vor Ort hergestellte Drahtkörbe, die mechanisch mit den Ziegeln verbunden sind – konnten die teils weit ausladenden Profile unter Verwendung klassischer Mörtelmischungen mit der Schablone gezogen werden. "Mit der Villa Perle ist das erste Schmuckstück dieses einzigartigen Gebäudeensembles wiedererstanden", freut sich Architekt Klingler. Stolz ergänzt er: "Was wir hier an Aufwand betrieben haben, um möglichst nahe am Original zu sein, ist außergewöhnlich."

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 25/2016.

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