Schwerpunkt Barrierefreiheit

Aluminiumbrücke erlaubt sichere Benutzung

Brückenbau
Die Brücke hat eine Gesamtlänge von 62,5 m. Der größte, mittlere Teil ist 29,9 m lang mit einem Stich von 611 mm. Die beiden anderen Segmente messen 13,3 m und 20,9 m. Obwohl die Konstruktion vglw. leicht ist, kann sie mit bis zu 7,5 t belastet werden. Foto: PML

Neinstedt (ABZ). – In Neinstedt am Tor zum Naturschutzgebiet Teufelsmauer liegt der ökologisch bewirtschaftete Marienhof, auf dem Menschen mit Behinderung ein Ort zum Leben und Arbeiten geboten wird. Damit Besucher über den Hof aber auch das angrenzende Wanderwegenetz erreichen können, entschied sich der Betreiber – die ansässige Evangelische Stiftung – dazu, einen Brückenbau auszuschreiben, um eine direkte Verbindung zwischen Gemeinde, Hof und Teufelsmauer zu schaffen. Da diese auch für Rollstuhlfahrer befahrbar sein sollte, mussten Rampen mit einer Längsneigung von weniger als 6 % integriert sein und zudem Anpassungen an der Breite und den Handläufen vorgenommen werden. Mit der Konstruktion einer geeigneten Fachwerkbogenbrücke über den Fluss Bode wurde das Singener Unternehmen Peter Maier Leichtbau (PML) beauftragt, welches langjährige Erfahrung mit speziell angefertigten Fußgängerbrücken hat. Die dreiteilige Brücke ist nahezu wartungsfrei: Alle Segmente inkl. der Füllstabgeländer bestehen aus eloxiertem Aluminium und sind somit vor Korrosion und Witterungseinflüssen geschützt. Für den Bau am Standort war die RST Ingenieurbau GmbH Thale zuständig.

"Den Anwohnern und Wanderern war es bisher nicht möglich, direkt vom Ort aus über den Marienhof zum angrenzenden Rad- und Wegenetz zu gelangen. Es blieb nur der Umweg über die Hauptverkehrswege; der Hof war isoliert", erklärt Bauleiter Ulrich Borrmann von der RST Ingenieurbau GmbH Thale, die das Bauvorhaben für den Betreiber umgesetzt haben. "Im Rahmen eines Aktionsplanes der Stiftung sollte nun das Gut als Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Einschränkungen stärker in die Region eingebunden werden, was den Brückenbau notwendig machte." Bei der Standortwahl musste eine direkte Verbindung zwischen dem asphaltierten Weg des Marienhofs und dem Wanderweg hergestellt werden, ohne die bewirtschafteten Flächen oder den Hochwasserschutz zu beeinträchtigen. Da die ursprünglich geplante Stahlkonstruktion schwerer und somit in der Platzierung zu aufwendig und nachteilig war, wurden die erfahrenen Aluminiumbrückenbauer von PML beauftragt, die bereits zahlreiche witterungsbeständige Übergänge in schwierigem Gelände realisieren konnten. Den Montageauftrag führte PML innerhalb weniger Tage aus, wobei Borrmann in enger Abstimmung mit dem Landkreis und der Stiftung vorab eine genaue Inspektion des Baugrunds sowie der Transportstrecke im Zielgebiet vornahm.

Dabei galt es bereits im Vorfeld bestimmte Anforderungen an die Konstruktion zu erfüllen: "Für Fußgängerbrücken mit Radverkehr beträgt die Mindestbreite 2,50 m und auch die Brückengeländer sind nach speziellen Vorgaben zu setzen", erklärt Frank Gross, Managing Director von PML. "Dies wiederum ist mit den speziellen Erfordernissen an die Benutzung für Rollstuhlfahrer in Einklang zu bringen." Gemäß der DIN 18040-1 sind Brücken mit Rampen auszustatten, die ein Längsgefälle von 6 % nicht überschreiten. Zudem müssen in vorgeschriebenen Abständen Ruhezonen integriert sein, sodass beim Überqueren auf diesen Zwischen- und Endpodesten pausiert werden kann. Damit auch der Hochwasserschutz unbeeinträchtigt blieb, errichtete RST die Pfeiler des Hauptfeldes außerhalb des Gewässerbettes der Bode, wobei die Unterkante der Konstruktion mindestens 50 cm über der Wasserspiegellinie des Bemessungshochwassers HQ100 liegt, was einen schadlosen Abfluss ermöglicht.

"Aluminiumkonstruktionen eignen sich schon allein aufgrund des Gewichtsunterschieds zu Stahl zum Brückenbau", erklärt Borrmann. "Während ein Überbau aus Stahl 72 t gewogen hätte, erreichen wir mit Aluminium lediglich 18 t, sodass wir die Aufstellung mit einem kleineren Kran bewerkstelligen konnten." Außerdem entfiel mit der leichteren Variante das sonst benötigte Traggerüst in der Bode, welches zusätzliche Vorbereitung durch das Abfischen und Hinzufügen von Stützplatten erfordert hätte. Die Kranstandzeit konnte ebenfalls verkürzt werden.

Weiterhin war der Einsatz eines zweiten Krans auf der anderen Flussseite hinfällig, zumal der Antransport der Brückenelemente von der Nordseite wesentlich schwieriger gewesen wäre. So konnte die Lieferung der drei von PML vormontierten Komponenten direkt an die Kranstelle erfolgen, innerhalb nur eines Tages waren sie vollständig gesetzt sowie verbunden. Anschließend standen lediglich kleinere Nacharbeiten und die Herstellung der Übergänge und die Montage der Geländer an.

"Auch die Bedürfnisse der Hofbewohner wurden berücksichtigt: Neben dem erleichterten Zugang für Rollstuhlfahrer mittels angepasster Rampen gibt es einen weiteren niedrigeren Edelstahlhandlauf, der zusätzlich Halt bietet", resümiert Gross. Damit die Brücke auch in den Morgen- und Abendstunden sicher benutzbar bleibt, wurde sie mit einer Beleuchtung versehen. Damit sich Radfahrer, Fußgänger und Rollstuhlfahrer nicht gegenseitig in die Quere kommen, ist die Breite normgerecht mit 2,50 m bemessen, wobei zusätzliche Ruhezonen Möglichkeiten zum Wenden und Pausieren erlauben. Für eine sichere Überquerung auch bei Regen ist eine rutschfeste mit PU beschichtete R12-Lauffläche integriert.

Die statisch bedingte Fachwerkkonstruktion besticht durch eine elegante und schlanke Bauweise, wobei sich das ungefärbte Aluminium optisch gut in die besondere Landschaft einfügt. Im SL-System entwickelt hat der Übergang eine Gesamtlänge von 62,5 m. Der größte, mittlere Teil ist 29,9 m lang mit einem Stich von 611 mm, die beiden anderen Segmente messen 13,3 m und 20,9 m. Obwohl die Konstruktion vergleichsweise leicht ist, kann sie mit bis zu 7,5 t belastet werden. Da die Brücke verschraubt und eloxiert ist, bleibt sie korrosionsfrei und beständig – eine regelmäßige Wartung ist somit unnötig. "Auf Schweißnähte haben wir weitgehend verzichtet, da sie eine Schwachstelle darstellen, an der es zu versteckten Fehlern wie Einschlüssen, Porenbildung oder Bindefehlern kommen kann", erklärt Gross. "Außerdem kann sich die Konstruktion verziehen und die Schweißwärme innere Spannungen hervorrufen."

Am 11. April 2018 fand die Einweihung im Rahmen eines festlichen Akts statt und wurde für die Öffentlichkeit freigegeben. Das Projekt hat ein Volumen von 700.000 Euro, wobei die Hälfte davon aus Leader-Fördermitteln der Europäischen Union stammt. Sowohl von Anwohnern als auch Auswärtigen wird sie seitdem sehr gut angenommen. "Für viele Radfahrer ist die Brücke eine entspannte, zeitliche Alternative, da der anschließende Weg durch ein ruhiges Schutzgebiet führt und die Überwindung des Berges bei der neu gebauten Straßenbrücke vermieden wird", schlussfolgert Borrmann. "Für Besucher der Gemeinde bietet sich nun außerdem die Möglichkeit, bei ihrem Weg zur Teufelsmauer die Angebote des Marienhofs aus der neuen Bäckerei, der Gärtnerei und dem Hofladen kennenzulernen und sich für den Weg zu stärken."

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