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Schwimmende Verlegung

Innovative Vorgehensweise spart 734 Tonnen Kohlendioxid

Im Gegensatz zur traditionellen Methode nutzten die Verantwortlichen auf der Tübinger Baustelle die RSS-Flüssigbodentechnologie. Die Rohre werden dabei nach dem Prinzip der "Schwimmenden Verlegung" in den Graben im Flüssigboden verlegt.

Tübingen/Leipzig (ABZ). – Planer verglichen bei einer Baustelle in Tübingen die RSS-Flüssigbodentechnologie mit der herkömmlichen Bauweise bei Straßen-, Kanal- und Rohrleitungsarbeiten.

Die Breinlinger Ingenieure Tiefbau GmbH und die Stadt Tübingen planen seit November vergangenen Jahres, den Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Europaplatz neu zu gestalten. Auch das Bahnhofsumfeld wird umgestaltet. Auf dem freiwerdenden Baufeld sollen neue Nutzungsflächen entstehen, und die Tübinger Innenstadt soll attraktiver werden. Bei der Baumaßnahme verlegen die Verantwortlichen den Mischwasserkanal entlang des Europaplatzes und die Stromtrassen neu und setzen dazu die RSS-Flüssigbodentechnologie ein. Wie das Forschungsinstitut für Flüssigboden (FiFB) Leipzig mitteilt, entspricht der Flüssigboden den Anforderungen des RAL Gütezeichens 507. Die Fachplanung für diese Methode führte das Ingenieurbüro LOGIC Logistic Engineering GmbH aus Leipzig aus.

Es sollte laut FiFB besonders der CO2-Ausstoß zweier Bauweisen in Betracht gezogen werden. Zum einen das herkömmliche Verfahren – das mit Verdichtung, Bodenaustausch, Wasserhaltung und weiteren Maßnahmen durchgeführt wird – und zum anderen die Anwendung des RSS-Flüssigbodenverfahrens. Grundlage für diesen Vergleich sind die Straßen-, Kanal- und Rohrleitungsarbeiten am Europaplatz. Bei herkömmlichen Bauverfahren hebt ein Bagger zu Beginn einen Graben aus. Der Erdmaterialaushub wird auf Lkw verladen und muss im Regelfall auf die Deponie transportiert werden. Während der Baumaßnahmen haben Experten Teile einer Kernbohrung analysiert.

Dabei sei herausgekommen, dass in Tübingen auch kontaminierter Boden vorliegt. Das bedeutet, dass die Deponierung und Entsorgung kostenintensiv ist und gleichzeitig höhere CO2-Emissionen verursacht, so das FiFB. Daher würde sich bereits dieser Arbeitsschritt als sehr aufwändig gestalten. Außerdem ist in einigen Bereichen des Baugrundes Grundwasser vorhanden. Das müsse bei einer herkömmlichen Bauweise abgesenkt werden. Dafür müssten die Verantwortlichen Wellpoint-Brunnen installieren. In diesem Fall anfallendes, kontaminiertes Grundwasser führt zu komplizierten Entsorgungs- und Reinigungsverfahren. Diese wiederum würden, wie auch beim Bodenaushub, die anfallenden CO2-Emissionen steigern.

Das Umfeld des Bahnhofs in Tübingen wird modernisiert. Dabei verlegen die Verantwortlichen den Mischwasserkanal und die Stromtrassen neu.

Im nächsten Schritt einer herkömmlichen Vorgehensweise bauen Arbeiter Rohre, Kabel und Leitungen in die ausgehobenen Gräben ein. Auch die Produktions- und Lieferverfahren der Materialien werden dabei berücksichtigt, um die CO2-Emissionsmenge im Gesamtverlauf betrachten zu können. Nachdem der Graben verfüllt ist, wird das Material – Sand oder Kies – lagenweise eingebracht und verdichtet und darin die Rohre und Leitungen eingebettet. Darüber verfüllen die Arbeiter den Graben mit Recyclingmaterial aus dem anstehenden Boden. Bereiche, in denen nicht mit Verdichtungstechnik gearbeitet werden kann, werden mit Beton verfüllt – so die übliche Praxis.

Im Gegensatz zur traditionellen Methode nutzten die Verantwortlichen auf der Tübinger Baustelle die RSS-Flüssigbodentechnologie. Die Rohre werden dabei nach dem Prinzip der "Schwimmenden Verlegung" in den Graben im Flüssigboden verlegt. Diese Bauweise sei im Rahmen vorheriger fachplanerischer Leistungen ermittelt und quantifiziert worden, teilt das FiFB mit. Mithilfe dieser Maßnahme konnten in Tübingen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) unter anderem folgende Bauleistungen – gegenüber der herkömmlichen Bauweise – entfallen beziehungsweise stark reduziert werden:

  • Die Deponie- und Transportkosten für die Aushubmassen der Rohr- und Leitungsgräben entfielen, da der ausgehobene Boden wiederverwendet wurde.
  • Auch Austauschmaterial für die Grabenverfüllung musste nicht extra angeliefert werden, da der ausgehobene Boden auch dafür verwendet wurde.
  • Durch die Flüssigbodenbauweise fielen weniger Aushub- und Wiedereinbaumassen an. Die Mitarbeiter konnten die Rohrgrabenbreiten verringern. Verdichtungsbedingt wäre die Arbeitsraumbreite der Gräben sonst höher gewesen.
  • Ebenso waren auch keine Arbeiten zur Wasserhaltung und Grundwasserabsenkung nötig – bei der herkömmlichen Bauweise wären sie erforderlich gewesen.
  • Dies galt ebenso für den wasserdichten Verbau und das Muss eines trockenen Grabens. Verdichtungsarbeiten konnten entfallen – eine einfache Verbaulösung mit schwimmender Verlegung wurde angewendet.
  • Auch die Kosten im Bereich der Bauhilfstechniken, wie beispielsweise Absperrungen, geänderte Verkehrsführung und Miettechnik waren geringer als bei einer herkömmlichen Verlegung, so das FiFB.


Insgesamt sei durch das RSS-Flüssigbodenverfahren der Bau schneller gewesen, erläutert das FiFB. Es sei weniger Personal und weniger technische Ausstattung nötig gewesen als üblich. Das habe sich positiv auf die Kosten der Baumaßnahme ausgewirkt, heißt es von den Verantwortlichen. Ein positiver Nebeneffekt in Tübingen war, dass durch die RSS-Flüssigbodentechnologie 734 t CO2 eingespart wurde.

Das RSS-Flüssigbodenverfahren werde gezielt eingesetzt, um bauliche Risiken zu reduzieren, die Qualität zu erhöhen und Kosten zu verringern. Das Verfahren eignet sich, um verschiedene Bodenarten fließfähig zu machen und sie anschließend (entweder mit den Eigenschaften des Ausgangsbodens oder mit geränderten Eigenschaften, entsprechend der Zielstellung) rückzuverfestigen, so das FiFB. Den ausführlichen Bericht finden Interessierte unter www.fi-fb.de.

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