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Sicheres Arbeiten in Krisenzeiten

Gute Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Artur Stala ist Health & Safety-Manager bei ISG für Deutschland, Luxemburg und die Schweiz.

Trotz Corona-Pandemie kann auf den meisten Baustellen im Land nahezu ungehindert weitergearbeitet werden. Damit das funktioniert, braucht es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept, weiß Artur Stala, Health & Safety-Manager bei ISG für Deutschland, Luxemburg und die Schweiz. Im Interview mit ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann erklärt er, wie das Unternehmen seine Mitarbeiter und Nachunternehmer bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen ins Boot holt.

ABZ: Herr Stala, als Health & Safety-Manager sind Sie bei ISG für die körperliche Unversehrtheit der Mitarbeiter zuständig. Wie genau dürfen wir uns das vorstellen?

Stala: Bei ISG legen wir sehr großen Wert auf Qualität. Dazu gehört für uns insbesondere auch die Sicherheit und Gesundheit aller Personen, die sich auf unseren Baustellen bewegen. In diesem Rahmen bin ich für die Umsetzung und Einhaltung unserer firmeneigenen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen zuständig. Diese setzen sich zu etwa 80 Prozent aus den gesetzlichen Vorgaben der jeweiligen Länder zusammen und zu 20 Prozent aus den Standards, die wir als ISG darüber hinausgehend für uns gesetzt haben. Daraus ergibt sich ein komplexes Health & Safety-Management. Eine meiner zentralen Aufgaben besteht darin, dieses für die Mitarbeiter in der Umsetzung so einfach und zugleich effizient wie möglich zu machen.

ABZ: Angesichts zahlreicher Baustellen, die ISG in verschiedenen Ländern betreibt, ist das sicherlich keine einfache Aufgabe . . .

Stala: Aus diesem Grund ist es wichtig, die Beteiligten auf den Baustellen frühzeitig zu sensibilisieren. Wir binden unser Health & Safety-Management deshalb immer von Anfang an mit ein – sowohl bei der Planung unserer Projekte, als auch beispielsweise bei der Aufnahme von Geschäftsbeziehungen mit neuen Kunden oder Subunternehmen. Wenn wir eine Baustelle beginnen, weiß von der Bauleitung bis zur Reinigungskraft jeder von Tag eins an, wie diese aussehen wird.

ABZ: Das klingt, als ginge es nicht nur um Vorgaben zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz, sondern um Prozessabläufe insgesamt?

Stala: Richtig. Wir sind auf den Baustellen heute vielfach mit Arbeitern konfrontiert, deren technische Kenntnisse zum Teil sehr unterschiedlich sind. Deshalb machen wir sehr klare Vorgaben, wie und mit welchen Mitteln die Arbeiten auf unseren Baustellen sicher auszuführen sind.

Das Thema Arbeitssicherheit hat für ISG seit jeher einen hohen Stellenwert. Das gilt auch für das Einhalten der Corona-bedingten Hygiene- und Abstandsregelungen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf der Baustelle, wo dies erforderlich ist.

ABZ: Wie stellen Sie sicher, dass die Vorgaben von allen auch angenommen werden – insbesondere von den Nachunternehmern?

Stala: Indem wir früh und umfassend mit allen Beteiligten sprechen und ihnen verständlich machen, wofür die Maßnahmen gut sind. Beim Thema ,Health & Safety' geht es uns nicht nur um Vorgaben zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz, sondern insbesondere auch um soziale Aspekte. Die Regeln und Standards, die wir setzen, sollen dazu beitragen, dass sich jeder, der auf unsere Baustellen kommt, wohlfühlt.

Dafür bekommen wir in der Regel sehr positive Rückmeldungen. Auch, weil jeder, der mit uns arbeitet, schnell merkt, dass sich sicheres Arbeiten und effizientes Arbeiten nicht ausschließen. Mit unseren Vorgaben hindern wir also beispielsweise unsere Nachunternehmer nicht daran, Geld zu verdienen. Ganz im Gegenteil: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Qualität und Quantität in unserer Branche nur über eine sichere Arbeitsweise erreichen können.

Das zeigt sich auch in unseren Statistiken. Insgesamt verzeichnen wir nur sehr wenige Unfälle auf unseren Baustellen. Dieses Jahr hatten wir beispielsweise nur zwei Vorfälle, die zu einem Zeitverlust geführt haben, einer davon unter sieben Tagen Verzug. Unsere Erhebungen zeigen auch, dass wir in den vergangenen vier Jahren keinen Unfall hatten, der auf organisatorische Fehler zurückzuführen war. Wenn es zu Unfällen auf unseren Baustellen kommt, dann meist aufgrund individueller Missgeschicke. Das ist immer beklagenswert, zeigt uns aber generell, dass unser Konzept die Arbeiter effektiv schützt.

ABZ: Wie schlägt sich Deutschland beim Thema Arbeitssicherheit auf Baustellen im internationalen Vergleich?

Stala: Vorsichtig gesagt, ist da noch viel zu tun. Da gibt es beispielsweise viele ältere Bauleiter, die nach dem Motto agieren: 'Das ist schon immer gut gegangenen. Warum soll ich das jetzt anders machen.'

Ein Beispiel: In Deutschland werden nach wie vor viele Haushaltsleitern auf Baustellen eingesetzt. Wir haben vor zwei Jahren damit begonnen, diese von unseren Baustellen zu verbannen. Mittlerweile ist uns dies in etwa 95 Prozent der Fälle gelungen. Das war ein sehr schwieriger Prozess in Deutschland. Vor allem bei den Nachunternehmern hat es uns viel Arbeit gekostet, sie davon zu überzeugen, dass man mit Gerüsten und Hebebühnen schneller, effizienter und am Ende auch wirtschaftlicher arbeiten kann.

Auf der anderen Seite steht wiederum die jüngere Generation. Diese geht zwar schon anders mit diesen Themen um, jedoch kommt das Thema 'Health & Safety' aus meiner Sicht im Studium viel zu kurz. Deshalb fehlt bei ihnen häufig das Wissen über die technischen Lösungen, die der Markt in diesem Bereich hergibt.

ABZ:Es ist anzunehmen, dass sie spätestens seit März dieses Jahres einen besonders vollen Schreibtisch haben . . .

Stala: Eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert. Wir haben schon zuvor viele Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz auf unseren Baustellen umgesetzt. Durch Covid-19 sind im Grunde lediglich ein paar weitere Maßnahmen dazugekommen.

ABZ: Welche sind das?

Stala: Das sind vor allem Maßnahmen im Sozialbereich und bei der logistischen Organisation der Baustellen. Das betrifft in erster Linie die Bereitstellung von Gemeinschaftsräumen und das Einhalten von Mindestabständen. Weil der Platz auf den Baustellen oft begrenzt ist, war das mitunter schon eine Herausforderung. Das konnten wir lösen, indem wir zusätzliche Container bereitgestellt haben, indem wir einen Einrichtungsverkehr eingeführt, die Zahl der Wegkreuzungen verringert und getaktete Arbeitszeiten eingeführt haben. Für Einsatzsituationen, in denen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes notwendig ist, haben wir darüber hinaus ausreichend Masken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zudem reinigen und desinfizieren wir die Baustellen aktuell täglich und stellen in den Waschräumen Desinfektionsmittel bereit. Nicht zuletzt nehmen wir jeden Morgen kontaktlose Fiebermessungen vor.

Wichtig ist aber nicht nur das Technische. Vor allem geht es darum, alle Beteiligten umfassend zu informieren. Hierfür sind wir kontinuierlich im Gespräch mit unseren Bauleitern, schicken regelmäßig Newsletter zur aktuellen Lage raus und schulen unsere Nachunternehmer.

Gerade, was das Pandemiegeschehen betrifft, muss man ständig am Ball bleiben, die Entwicklung auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus verfolgen und proaktiv auf diese reagieren. Bislang ist es uns so gelungen, dass wir in Deutschland keine unserer Baustellen wegen Covid-19 schließen mussten.

ABZ: Auf Demonstrationen im ganzen Land kann man derzeit beobachten, dass sich Teile der Bevölkerung mit der Akzeptanz Corona-bedingter Sicherheitsmaßnahmen, gelinde gesagt, eher schwer tun. Solche 'revolutionären' Bestrebungen gibt es auf Ihren Baustellen nicht?

Stala: Was die Akzeptanz angeht, haben wir im Grunde keine Probleme. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Maßnahmen stets umfassend und für alle verständlich kommunizieren. So war das auch mit der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown. Für die Kollegen auf unseren Baustellen war das kein Schock, weil wir sie mit umfassenden Informationen in kleinen Schritten über das Geschehen und die möglichen Konsequenzen auf dem Laufenden gehalten haben. Forderungen nach Lockerungen oder dergleichen, wie sie auf den von Ihnen angesprochenen Demonstrationen laut werden, haben wir auf unseren Baustellen glücklicherweise nicht.

ABZ: Welche Auswirkungen haben die getroffenen Maßnahmen auf die Produktivität im Baustellenbetrieb?

Stala: Die Auswirkungen sind eher gering. Unsere Produktivität lag seit Ausbruch der Pandemie bis zuletzt bei etwa 90 bis 95 Prozent. Mittlerweile sind wir aber wieder nahezu bei 100 Prozent. Vereinzelt gab es natürlich Einbrüche durch unterbrochene Transport- und Lieferketten sowie durch Grenzschließungen in Richtung Osteuropa. Vielfach konnten wir diese Fälle jedoch mit Produktionsverlagerungen sowie mit Arbeitnehmern aus anderen Ländern kompensieren.

ABZ: Die IG Bau hat kürzlich kritisiert, dass die 'Corona-Disziplin' auf Baustellen mehr und mehr nachlasse. Können Sie diese Einschätzung teilen?

Stala: Nein, diese Einschätzung kann ich ganz und gar nicht teilen. Wir haben im Fall der Fleischindustrie gerade in Deutschland erlebt, wie sich Fahrlässigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie auswirken kann. Allein das finanzielle Risiko einer potenziellen Baustellenschließung ist dermaßen groß, dass sicherlich keinem Bauunternehmen daran gelegen sein kann, dieses einzugehen. Insbesondere dann, wenn man wie ISG mit großen, international agierenden Konzernen zusammenarbeitet, die Projekte auf der ganzen Welt haben. Solch einen Kunden wegen fahrlässigen Verhaltens zu verlieren, können wir uns schlichtweg nicht leisten.

ABZ:Gibt es Erkenntnisse, die Sie aus der aktuellen Situation für die Zukunft, also auch über Corona hinaus, mitnehmen?

Stala: Sicherlich, man lernt schließlich nie aus. Die vergangenen Monate haben mir auf jeden Fall vor Augen geführt, wie wichtig eine gute Kommunikation im Health & Safety-Bereich ist. Wenn man gut kommuniziert, dann ziehen die Leute auch mit. Mir ist es dabei immer wichtig, nicht als Polizist auf der Baustelle aufzutreten, der die Einhaltung der Maßnahmen kontrolliert und im Zweifelsfall deren Nicht-Einhaltung sanktioniert. Ich möchte eher als Kollege wahrgenommen werden, der den anderen helfen möchte, anstatt ihnen etwas aufzuzwingen. Wenn meine Mitarbeiter sicher arbeiten möchten, anstatt es aufgezwungen zu bekommen, dann habe ich mein Ziel erreicht.

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