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Sonderkonstruktion überflüssig

Traggerüst als Schildwiege

Layher, Gerüstbau

Das Allround Traggerüst TG 60 wurde als Schildwiege eingesetzt.

Bottrop (ABZ). – Gespannt starren die Zuschauer in die rd. 40 m tiefe Baugrube. Ein tosendes Krachen hallt ihnen entgegen. Dann endlich ist es soweit:Erst bricht das erste, dann schließlich auch das zweite Bohrschild durch den Beton. Der Tunneldurchbruch inOberhausen markiert einen wichtigen Meilenstein beim Bau des Abwasserkanals Emscher (AKE). Nach dem Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet will die Emschergenossenschaft mit dem Milliardenprojekt den AKE von offener zu geschlossener Abwasserableitung umbauen – ein wichtiger Schritt zur Ökologischen Verbesserung der Emscher. Herzstück des Bauvorhabens ist der 73 km lange Abwasserkanal Emscher, der künftig die Abwässer von rund 2,2 Mio. Einwohnern und umfangreiche Abwassermengen von Industrie und Gewerbe aufnehmen und sie der Kläranlage Bottrop und dem Klärwerk Emschermündung zuleiten soll. Die dafür notwendigen Tunnelvortriebsarbeiten sind nach rd. 70 km Länge nun abgeschlossen – der Rest erfolgt in oberflächennaher Bauweise.

"Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt", begleitet vom bekannten Bergmannlied steigen die Tunnelbauer jetzt aus den ca. 8 m über dem Baugrund klaffenden Löchern. Aufgefangen werden sie von der sogenannten Schildwiege, die als Tragkonstruktion für die Tunnelbohrmaschinen errichtet worden ist – aus einem Systemgerüst, wie Roland Hassert berichtet. Der Bauingenieur ist Leiter der Anwendungstechnik Bau bei Layher. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt er Kunden: von der Anwendungs- und Baustellenberatung bis hin zur Ausführungsplanung und Projektbegleitung. "Meist werden Schildwiegen auf Höhe der Schachtsohle benötigt. Dazu kommen in der Regel projektbezogen gefertigte Schlittenkonstruktionen aus Stahl zum Einsatz. In Oberhausen liegt der Durchbruch der Schildmaschinen jedoch ca.8 m über der Sohle der Baugrube. Für die ARGE Emscher BA 40 – Porr Bau GmbH/Porr Deutschland GmbH – sind wir mit unserer temporären Systemgerüstlösung einen anderen Weg gegangen. Gefordert ist eine Konstruktion, die zum Einen die Lasten von 170 t je Bohrmaschine ableiten kann und gleichzeitig als sichere Arbeitsfläche für deren Demontage dient. Die Montage soll dabei so schnell wie möglich erfolgen, um den Zeitplan des Großprojekts nicht zu verzögern. Die Lösung? Das Allround Traggerüst TG 60."

Beim typengeprüften und vom DIBt zugelassenen Allround Traggerüst TG 60 handelt es sich um ein in das AllroundGerüst integriertes System. Als Ergänzungsbauteile sind dazu nur die Allround Traggerüstrahmen TG 60 erforderlich: als Anfangsrahmen, als Standardrahmen sowie als Ausgleichsrahmen. Die vorgefertigten Rahmenelemente mit einem Einzelteilgewicht von maximal 18 kg reduzieren die Anzahl der Einzelteile und lassen sich in Verbindung mit Allround-Systemriegeln und -diagonalen über die schraubenlose Keilschlossverbindung schnell und einfach zu Traggerüsttürmen mit einer Stieltragfähigkeit von bis zu 6 t kombinieren. Da sich Bauteilanzahl und -gewicht maßgeblich auf die Montageschnelligkeit auswirken, sind die Allround Traggerüstrahmen TG 60 deutlich wirtschaftlicher als Konstruktionen aus Allround-Einzelteilen.

Es sei gerade die Kombination mit dem bewährten AllroundGerüst, die auch bei diesem Projekt für eine effiziente Montage sorgt, erklärt Hassert. "Für diese Aufgabe muss eine freistehende Raumkonstruktion mit rd. 20 m Länge, 10 m Breite und 8 m Höhe gebaut werden. Das Koppeln der Traggerüsttürme zur Aussteifung bei großen Unterstützungshöhen erfolgt beim integrierten System TG 60 einfach mit Allround-Systemriegeln und -diagonalen per schraubenloser Keilschlossverbindung. Über die verschiedenen Standardlängen kann das Traggerüst dabei flexibel an die vorgegebene Geometrie und Belastung angepasst werden. Hier kommt es unter den Tunnelbohrmaschinen zu einer Lastkonzentration. Zur Ableitung haben wir in diesem Bereich deshalb je zwei Reihen mit Traggerüsttürmen eingeplant. Für die Kopplung zwischen den beiden Traggerüstabschnitten reicht dagegen ein reguläres Gerüstfeld mit 3 m Breite aus. Dies spart Material und damit auch Montagezeit." Durch den Einsatz von Standardteilen mit vorgegebenem Systemmaß entfiele zudem das Einmessen der einzelnen Traggerüsttürme. Im Gegensatz zu aufwendigen Konstruktionen aus Rohren und Kupplungen bedeute dies eine weitere Reduzierung der Montagezeit.

Anpassungen an die Baustellenanforderungen seien mit dem Allround-Gerüst ebenfalls wirtschaftlich möglich: "Um die Tunnelbohrmaschinen in rd. 8 m Höhe sicher demontieren zu können, ist eine Arbeitsplattform nötig. Mit Layher Serienböden lässt sich eine Arbeitsebene jederzeit in das Traggerüst integrieren. Die hier verwendeten Stahlböden sorgen mit ihrer profilierten Oberfläche selbst bei schlechten Witterungsverhältnissen für ein rutschsicheres Arbeiten. Umlaufende Konsolen aus Allround-Bauteilen – inkl. Seitenschutz – verbreitern das Raumgerüst, ohne dass zusätzliche Turmkonstruktionen montiert werden müssen", ergänzt der Layher Spezialist. Und auch der Aufstieg zur Arbeitsebene könne mit Serienteilen realisiert werden. "Je nach Aufgabe stehen für das Allround-Gerüst passende Ausbauteile zur Verfügung. Der Allround Modultreppenturm aus Allround-Serienteilen und Podesttreppen lässt sich abschnittsweise am Boden vormontieren und per Kran versetzen. Bauunternehmen profitieren auf diese Weise sowohl von schnellem Auf- und Umbau als auch von einer größeren Durchgangshöhe. Bei großen Steighöhen wie bei der Schildwiege stellen Layher Komforttreppen – eine Weiterentwicklung der Podesttreppe – mit ihren 175 mm tiefen, geriffelten Trittstufen ein angenehmes Treppensteigen sicher", so Hassert. Der Steiger – er kann also kommen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 28/2017.

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