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Sondermaschinen von KTEG

"Schweizer Taschenmesser" unter den Baumaschinen

Erstmals präsentierte sich die KTEG auf der bauma 2019 am Stand von Hitachi. Im Rahmen eines Joint Ventures haben die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit noch intensiviert.

München. – Seit 2011 betreibt der Baumaschinenhändler Kiesel eine eigene Fertigung für Sondermaschinen. Mit hoch flexiblen Spezialbaggern in Kleinserien deckt das Unternehmen Kundenanforderungen ab, die mit herkömmlichen Maschinen nicht umgesetzt werden können. Ein Erfolgsmodell, das im Rahmen eines neu gegründeten Joint-Ventures seit Kurzem auch vom Herstellerpartner Hitachi aktiv unterstützt wird. Auf der bauma gaben Geschäftsführer Dominik Erath und Prokurist Wolfgang Gmelin einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der KTEG GmbH. Braucht es wirklich noch einen weiteren Hersteller? Diese Frage drängt sich angesichts der Masse an Anbietern auf dem europäischen Markt geradezu auf. "Ja", findet Dominik Erath, der die Geschäfte bei der KTEG in Baienfurt leitet. Denn trotz der Markenvielfalt gebe es einen großen Bedarf an Sonderlösungen, mit denen sich spezielle Anforderungen bspw. im Abbruch meistern lassen. "Die Idee für KTEG geht auf unseren Gesellschafter Toni Kiesel zurück", erklärt Erath. "Toni Kiesel ist ein Visionär, der die Bedürfnisse der Kunden immer im Blick hat und in Lösungen denkt, nicht im Verkauf von Produkten. Über die Zeit sind von Kundenseite immer mehr Themen aufgekommen, die ein Standardbagger nicht bedienen kann. Das war der Ausgangspunkt für Kiesel, eine eigene Sondermaschinenfertigung ins Leben zu rufen." Keine Maschinen von der Stange also.

Der Unterschied zu regulären Umbaumaßnahmen auf Kundenwunsch, wie sie von den meisten großen Händlern angeboten werden, besteht darin, dass die KTEG aus vermehrt auftretenden Anforderungsprofilen ein modular aufgebautes Kleinserien-Programm entwickelt hat, das einerseits eine schnelle Verfügbarkeit gewährleisten soll und andererseits eine Vielzahl an Sonderwünschen der Kunden abdecken kann. "Alle KTEG-Produkte beruhen auf spezifischen Kundenanfragen", erklärt Wolfgang Gmelin, Prokurist und Technischer Leiter bei der KTEG. "Aus Einzellösungen, die immer wieder angefragt wurden, haben wir schließlich Kleinserien gemacht. Diese Sondermaschinen bauen wir in Stückgrößen von etwa 30 bis 40 pro Jahr."

Welche Kundenwünsche letztlich in den Modulbaukasten der KTEG Eingang finden, entscheiden die Experten der Sondermaschinen-Schmiede auf Basis ihres langjährigen Know-hows. Gmelin: "Wir greifen jede Anregung auf, solange wir das Gefühl haben, dass sich daraus etwas entwickeln könnte. Auch wenn zunächst nur ein Auftrag dahinter steht. Hier hilft uns mittlerweile die Erfahrung, zu erkennen, ob Potenzial vorhanden ist oder nicht." Das prominenteste Produkt und beste Beispiel für das KTEG-Konzept ist der KTEG Multi Carrier (KMC), den das Unternehmen bereits vor 15 Jahren auf der bauma 2004 erstmals vorgestellt hat. Der KMC besteht aus einer Grundmaschine, die mit einem Arm-Schnellwechselsystem ausgerüstet ist. Dieses von Gmelin konstruierte und unter der Bezeichnung Boom Quick Connect (BQC) patentierte System ist das Herzstück des KTEG-Konzepts. Ähnlich wie bei einem Schnellwechselsystem für Anbaugeräte am Ende des Auslegers kann hier der Ausleger selbst vollhydraulisch gewechselt werden, ohne dass der Bediener dafür aus der Maschine steigen muss. "Longfront, Erdbau, Kran, Verstellausleger, Rohrleger etc. – was der Kunde eben benötigt. In Kombination mit einem Schnellwechsler für Anbaugeräte kann der Kunde die Maschinen so max. auslasten", so Gmelin. "Der KMC ist quasi das Schweizer Taschenmesser der Baumaschinen", ergänzt Erath.

Geschäftsführer Dominik Erath erklärte auf der bauma, welche Vorteile die in Kleinserien von KTEG produzierten KMC-Maschinen für Anwender mit speziellen Anforderungen haben.

V. a. im Abbruch habe sich der KMC in den vergangenen Jahren bewährt, erklärt Gmelin: "Hier fängt man meist in großen Höhen an. Kommt man weiter nach unten, ist ein kürzerer Ausleger gefragt, der mit einem schwereren Werkzeug arbeiten kann. Irgendwann kommt der Anwender dann in den Bereich, wo ggf. noch ein Keller rückgebaut werden muss und entsprechendes Erdbau-Gerät erforderlich ist. All das können wir mit dem KMC in einer Maschine anbieten."

Eine weitere Besonderheit ist das von Wolfgang Gmelin entwickelte und patentierte System Tritec. Die Innovation besteht darin, dass je nach Leistungsanforderung mit zwei oder drei Zylindern gearbeitet werden kann. Weiter führt Gmelin aus: "Trotz seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten macht der KMC keine Kompromisse. Wenn ich viel Kraft benötige, arbeitet er mit drei Zylindern. Wenn es hingegen auf Geschwindigkeit ankommt, dann arbeitet das System nur mit zwei Zylindern." Ein gutes Beispiel für die Vorteile des Tritec-Systems sei der Kanalbau. Hier werde vorwiegend im Drei-Zylinder-Modus gearbeitet. Durch die optimale Verteilung des Ölstroms stehe dem Anwender beim millimetergenauen Verlegen von schweren Rohren sowohl die erforderliche Kraft zur Verfügung als auch die gebotene Feinfühligkeit.

Mittlerweile wird der KMC in zwei Serien (Performance-Line und Standard-Line) und in sechs Basismaschinengrößen zwischen 30 und 160 t angeboten. "Einzelstücke fertigen wir nur im Bereich der Ausrüstungen", so Erath. "Bei den Basismaschinen handelt es sich immer um Kleinserien. Hier haben wir jetzt mit der Performance-Line und der Standard-Line eine Basisstruktur geschaffen, auf der aufbauend eine große Vielzahl an Anwendungen und Kundenanforderungen realisiert werden können. Mit unseren Modellvarianten vom 40-Tonner bis zum 210-Tonner verfügen wir jetzt über die größte Palette von Abbruchmaschinen im Markt."

V. a. im Abbruch haben sich die hoch flexiblen Leistungsträger von KTEG bewährt. Mittlerweile hat das Unternehmen im Longfront-Bereich in Deutschland einen Marktanteil von 50 %.

Neben dem KMC umfasst das aktuelle Angebot der KTEG noch den sog. KTEG Lift Star (KLS) für besondere Hubanwendungen. Für Anwendungen im Materialumschlag gibt es im Angebot auch eine Variante auf Basis einer Fuchs-Maschine. Max. Flexibilität und schnelle Verfügbarkeit sind laut Erath und Gmelin die großen Vorteile des KTEG-Angebots. "Ein gutes Beispiel für unsere schnellen Reaktionszeiten sind die Maschinen, die wir hier in der Ausstellung haben", erklärt Erath. "Diese beiden Maschinen, den KMC 1200S und den KMC 1600S, haben wir im August letzten Jahres beschlossen zu bauen. bauma-bedingt konnten wir diese Maschinen mit einer sehr kurzen Lieferzeit anbieten. Davon profitiert insbesondere ein belgischer Kunde, der die den KMC1200S bereits ab Mai einsetzen wird. Auch für den KMC1600S gibt es bereits mehrere Projekte. Das lässt sich natürlich nicht für jede Maschine garantieren. Schließlich steckt da auch eine Menge Entwicklungsarbeit drin und letztlich muss sich da Ganze auch wirtschaftlich rechnen. Wenn ein entsprechendes Marktpotenzial da ist, können wir jedoch innerhalb eines halben bis Dreivierteljahres etwas auf die Beine stellen." Auch Kunden, die nicht permanent auf eine solche All-in-one-Maschine angewiesen sind, seien bei KTEG gut aufgehoben, ergänzt Gmelin: "Die Kundenanforderungen sind sehr unterschiedlich. Wenn ein Kunde eine bestimmte Anwendung nur zu einem sehr geringen Teil benötigt, kann er das dafür erforderliche Equipment bei uns auch anmieten, statt direkt zu kaufen."

Das Konzept hinter KTEG scheint aufzugehen. Im Bereich der Longfront-Maschinen komme das Unternehmen laut Erath in Deutschland mittlerweile auf einen Marktanteil von 50 %. Das sei auch bei Hitachi, dem langjährigen Herstellerpartner von Kiesel, nicht unbemerkt geblieben. Im vergangenen Jahr haben Hitachi Japan und KTEG vor diesem Hintergrund ein Joint-Venture namens EAC, European Application Center GmbH, gegründet. Hier bringen beide Partner ihr jeweiliges Know-how und ihre Entwicklungen mit ein. Erath: "Über EAC wickeln wir jetzt den kompletten Sondermaschinenbau für Hitachi auf dem europäischen Markt ab.

Auch das Thema Elektromobilität spielt für KTEG mittlerweile eine Rolle. Zwei Modelle, ein 2-Tonner und ein 8,5-Tonner (im Bild) wurden entwickelt und auf der bauma präsentiert.

D. h., bei EAC findet die Entwicklung statt und bei KTEG werden die Maschinen dann gebaut. Über die Verbindung mit Hitachi steht uns darüber hinaus das komplette Vertriebsnetz der Hitachi-Händler offen. Wir sind damit eine Zweitmarke von Hitachi. Das spiegelt sich künftig auch in der Lackierung wider. Wir sind aber nach wie vor diejenigen, die Maschinen in Umlauf bringen. Die Resonanz ist extrem hoch." "Durch das Joint Venture hat sich die Zusammenarbeit mit Hitachi noch einmal deutlich intensiviert", ergänzt Gmelin. "Wenn wir bspw. einen Oberwagen von Hitachi erwerben, bekommen wir dazu nun auch detaillierte Unterlagen und Informationen zur Konstruktion. Das erleichtert uns die Umbaumaßnahmen natürlich enorm."

Auch das Thema Elektromobilität hat über das Joint-Venture mit Hitachi mittlerweile Eingang in die Produktentwicklung der KTEG gefunden. Zwei vollelektrische Modelle, ein 2-Tonner und ein 8,5-Tonner, wurden bereits entwickelt und auf der bauma präsentiert. Noch sei das ein Zukunftsthema, wie Gmelin erklärt: "Jeder redet aktuell von Elektromobilität und viele entwickeln jetzt in diese Richtung. Der Markt für diese Maschinen ist allerdings noch nicht wirklich da. Die Maschinen sind einerseits noch sehr teuer und zudem erfordern sie eine ganz andere Infrastruktur auf der Baustelle." Dennoch sind sie ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten, die sich aus der engen Verzahnung von KTEG und Hitachi ergeben.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 21/2019.

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