Spart Geld und schützt die Gesundheit

Staubfreies Arbeiten bildet eine wichtige Grundlage für die Baustellenplanung

von: Jan Binder
Taunusstein. – Staubfrei arbeiten: Auf Baustellen und im Handwerk ist das längst nicht mehr nur Kür sondern Pflicht. Handwerksunternehmen, die aktiv Maßnahmen zum Staubschutz und zum Schutz des Kundeneigentums ergreifen, werden inzwischen in der Auftragsvergabe bevorzugt.
Baustelleneinrichtung
Jan Binder. Foto: Team Direkt

Bei öffentlichen Ausschreibungen ist die staubarme Baustelle bereits verbindlich einzuhalten. Und dennoch greifen gerade kleinere Handwerksunternehmen gern zum Besen, statt für rund 500 Euro in einen Baustaubsauger zu investieren. Und das, obwohl trocken Kehren seit Jahren verboten ist und das nötige Equipment für staubfreies Arbeiten nicht nur mit kräftigen Zuschüssen gefördert wird, sondern die Arbeit mit der modernen Technik obendrein auch noch schneller bei weniger Gesundheitsgefahr erledigt ist.

Blick in die Gesetzestexte

Aus Gründen des Arbeitsschutzes ist staubarmes Arbeiten seit vielen Jahren in der Gefahrstoffverordnung sowie den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) verbindlich vorgeschrieben. Damit ist Staubminimierung für Handwerksbetriebe, Beschäftige und Bewohner oder Nutzer von Gebäuden ein zentrales Thema. Hinzu kommt die Herausforderung des erheblich abgesenkten Arbeitsplatzgrenzwertes für A-Staub. Seit Januar 2019 liegt dieser bei 1,25 mg/m² – nicht zu verwechseln mit dem Beurteilungsmaßstab für die Belastung am Arbeitsplatz für Quarzstaub, der mit 0,05 mg/m² noch einmal deutlich niedriger liegt als bei anderen Stäuben. Diese Regelungen machen intensive und effiziente Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit aller am Bau beteiligten Personen erforderlich.

Bei der Bearbeitung aller sandhaltigen Bauteile, beispielsweise Mörtel, Zementestrich, Klinker und Fliesen, wird Quarzstaub freigesetzt. Eingeatmet wird er zum Problem: Quarzstaubpartikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge, bis in die Alveolen (Lungenbläschen), vordringen. Deshalb spricht man bei Quarzstaub auch von Alveolengängigen Staub (A-Staub). Quarzstaub kann nicht vom Körper abgebaut werden. Aufgrund seiner kristallinen Struktur versagt nicht nur einfach der Reinigungsprozess – vielmehr schneiden die scharfkantigen Partikel die Lungenbläschen, wie ein Stück Glas, einfach auf. Über die Jahre hinweg vernarbt das Gewebe und es entsteht in der Folge eine Quarzstaublunge (Silikose), deren Symptome Husten, Atemnot und eine Neigung zu Atemwegsinfekten häufig erst nach Jahrzehnten auftreten. Eine Heilung ist nicht möglich. Nicht unterschätzt werden darf aber, dass jeder Staub bei hohen Belastungen zu Erkrankungen der Atemwege führen kann. Es hängt davon ab, wie lange Beschäftigte Staub ausgesetzt und wie groß die Staubpartikel sind, die eingeatmet werden.

Den Staubgrenzwert zu ignorieren, dürfte fatale Folgen haben: Die Einhaltung wird bei Baustellenkontrollen, vorzugsweise durch die BG Bau, streng kontrolliert. Baustellen, die ohne staubmindernde Maßnahmen angetroffen werden, dürfen sofort geschlossen werden. Zusätzlich darf – und wird – die Berufsgenossenschaft die Ergreifung entsprechender Maßnahmen einfordern und bis zu deren Umsetzung die Baustelle geschlossen halten. Unternehmer, die sich nicht an die Vorgabe halten, können zudem mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro belangt werden.

Zuschüsse und Amortisation

Die Kosten, die eine geschlossene Baustelle verursacht, die daraus möglicherweise resultierenden Vertragsstrafen bei nicht fristgerechter Fertigstellung oder Bußgelder wegen Verstöße gegen das Arbeitsschutzgesetz: Das alles rechtfertigt wohl kaum die fehlende Investition in Maßnahmen im staubfreien Arbeiten. Schon seit Jahren sind zahlreiche Produkte auf dem Markt, die die Ausbreitung von Staub und Schmutz verhindern. Fachbetriebe wie die in Halle (Saale) ansässige Team Direkt haben sich auf Beratung und Vertrieb an Handwerksunternehmen spezialisiert. In Online-Seminaren wie im Präsenzunterricht bilden sie Handwerker aller Gewerke weiter und geben auch wichtige Finanzierungs-Tipps sowie Kalkulationshilfen. Ausgehend von der Empfehlung der BG Bau, eine Kombination aus Staubschutzwand oder -tür, Entstauber (Baustaubsauger) und Bauluftreiniger, zu verwenden, sollten mittelständische Betriebe zwischen 3000 und 5000 Euro für eine Grundausstattung veranschlagen. Das mag zunächst nach viel Geld klingen, die BG Bau gewährt ihren Mitgliedsunternehmen aber finanzielle Anreize für die Anschaffung von Bau-Entstaubern, Vorabscheider für Bau-Entstauber, Absaug-Bohrer, Staubschutzwände sowie Bauluftreiniger von bis zu 25 % des Kaufpreises. Außerdem spricht nichts dagegen, Staubschutz-Maßnahmen als extra Posten in das Angebot aufzunehmen.

Denn sind wir mal ehrlich: Es wird kaum einen Kunden geben, der den feinen Baustaub noch Wochen nach einer Sanierung in den Gardinen oder im Küchenschrank finden möchte. Wer den Nutzen von Staubschutzmaßnahmen für alle Beteiligten seinen Kunden gegenüber klar kommuniziert, hebt sich von Wettbewerb ab und kann durchaus zwischen 200 und 500 Euro für eine mittlere bis größere Baustelle veranschlagen. So haben sich dann auch die Anschaffungskosten in Staubschutz-Technik binnen ein bis zwei Jahren amortisiert.

Schutz von Kundeneigentum

Rasch ist ein Missgeschick geschehen und der versehentlich fallen gelassene Hammer hat einen Kratzer im Marmorfußboden hinterlassen, neu gesetzte Bohrlöcher haben durch Abplatzungen mehrere Fliesen in Mitleidenschaft gezogen und die Werkzeugkiste hat eine kleine, aber doch unübersehbare Delle im Türrahmen hinterlassen. Solch kleine Unachtsamkeiten können allerdings teuer werden und Ärger mit dem Bauherrn ist vorprogrammiert. Das Risiko, bei Handwerksarbeiten einen Schaden am Eigentum anderer anzurichten, ist groß. Ein Versicherungsschutz ist ein Muss, um durch hohe Schadenersatzansprüche nicht um die eigene Existenz fürchten zu müssen. Denn es gilt in der Regel das Verursacherprinzip, das heißt: Derjenige muss für einen Schaden haften, der ihn verursacht hat. Handwerker müssen also nicht nur die vereinbarte Leistung erbringen sondern auch für durch sie verursachte Schäden haften.

Vorbeugen zahlt sich aus

Vorbeugen zahlt sich deshalb aus, denn es muss gar nicht erst zum Schaden kommen, wenn während der Bauphase auf den Schutz des Kundeneigentums genauso viel Wert wie auf die Qualität der Handwerksleistung gelegt wird. Die Vermeidung von Staub und Schmutz auf der Baustelle, sowohl bei Neubau, als auch bei Renovierung oder Modernisierung muss für Handwerker genauso wichtig sein, wie der Schutz von Kundeneigentum vor mechanischen Beschädigungen. Durch den Einsatz der richtigen Schutzprodukte vermeiden Handwerker und Gewerbetreibende Schaden- und Regressansprüche ihrer Kunden und sichern sich zudem ein gutes "Andenken".

Feiner Baustaub kriecht durch jede Ritze und jeden Türspalt. Staubschutztüren und -wände wirken wie ein Schmutzschleuse und eignen sich, wenn ein kompletter Raum oder Teile davon abgegrenzt werden müssen. Staubschutztüren und -wände funktionieren am besten in Kombination mit Bauluftreinigern, die die staubhaltige Luft aus Arbeitsbereichen oder Räumen abführen. Ein von den Geräten im Arbeitsbereich erzeugter Unterdruck verhindert, dass staubige Luft nach außen dringt, während die Profi-Geräte gleichzeitig Frischluft zuführen. Gemäß einer Empfehlung der BG-Bau sollte die Raumluft 15 Mal pro Stunde ausgetauscht werden. Damit ist zu beachten, dass der Bauluftreiniger zur Raumgröße passen sollte. Übrigens: Ein Luftreiniger kann im staubigen Raum selbst oder, bei Platzmangel, davor positioniert werden, solange der Ansaugschlauch des Geräts nahe der Staubaustrittsstelle positioniert wird.

Wenngleich Luftreiniger ein großes Filtrationsspektrum haben und unter anderem Quarzstaub, Holzstaub, Mineralfasern, Farbpartikel, Mehlstaub, Keime und sogar Schimmel aus der Luft filtern, sind sie kein Ersatz für einen Bau-Enstauber. Mit ihren leistungsstarken Filtern erfüllen sie die Voraussetzungen der Staubklasse M, so dass sie bei mineralischem Staub, der beispielsweise bereits beim Bohren entsteht, eingesetzt werden dürfen. Da Bau-Entstauber direkt mit den handgeführten Maschinen verbunden werden können, lässt sich Staub bereits direkt an seiner Entstehungsstelle absaugen und gelangt gar nicht erst in die Umgebungsluft. Es gibt zahlreiche mobile, wendige Geräte, die leicht zu transportieren und simpel in der Handhabung sind, ohne Qualität einzubüßen.

Staub zu reduzieren, beugt Strafen oder Baustellenschließungen vor, schützt die eigene Gesundheit, die der Beschäftigten sowie die der Kunden und spart Reinigungsaufwand und Zeit, in der sich Handwerker bereits neuen Projekten widmen können. Zudem erhöht der Einsatz staubfreier Technik die Lebensdauer der eigenen Handwerksgeräte und Werkzeuge, zumal die Anschaffung staubfreier Technik mit Zuschüssen gefördert wird und sich die Investition schnell amortisiert.

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Der Autor ist Geschäftsführer des Unternehmens Team Direkt.

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