Anzeige

Spektakuläre Stützen-Betonage

HeidelbergCement baut neue Konzernzentrale mit eigenen Baustoffen

Beim Bau der neuen Hauptverwaltung wollte die HeidelbergCement AG auch eigene Baustoffe und deren Leistungsfähigkeit demonstrieren.

Heidelberg (ABZ). – Perfekter Sichtbeton, diese Herausforderung stand beim Bau der neuen Hauptverwaltung der HeidelbergCement AG im Mittelpunkt der betontechnischen Aktivitäten. Dem Baustoffhersteller ging es darum, eigene Baustoffe und deren Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Optimale Schalhaut und schalungstechnisches Know-how der Westag & Getalit AG, unterstützten das Vorhaben bei der Erzielung erstklassiger SB4-Sichtbetonergebnisse. 2017 wurde in Heidelberg der Grundstein der neuen Konzernzentrale gelegt. Die aus drei kubischen, in der Höhe gestaffelten Gebäudeteilen bestehende Zentrale steht auf dem Areal der zuvor zurückgebauten, ehemaligen Hauptverwaltung. Sie war zu klein und entsprach nicht mehr den Nutzungsanforderungen. Vorübergehend sind die ca. 800 Mitarbeiter anderweitig im Stadtgebiet untergebracht. Im November vergangenen Jahres waren die Rohbauarbeiten in der Berliner Straße vollendet. 2020 wird der fünfgeschossige Zweckbau bezugsfertig sein. Den Rohbau erstellte das Unternehmen Diringer & Scheidel aus Mannheim nach den Plänen des Frankfurter Büros AS+P Albert Speer + Partner GmbH, als Generalplaner verantwortlich für Planung, Ausschreibung und Objektüberwachung der neuen Konzernzentrale. Gebaut wird im DGNB-Platin Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Gegründet ist der Bau auf einer biszu 110 cm starken Bodenplatte. Er bietet 50 000 m² Bruttogeschossfläche, der umbaute Raum beträgt 200 000 m³. Die Heidelberger Beton Kurpfalz lieferte insgesamt 32000 m³ Beton (der Klassen SB 2 und SB4), der erforderliche Weißzement kam vom Tochterunternehmen Italcementi, knapp 7000 t Stahl wurden verbaut. Gebietsleiter Michael Hörmann von der Westag & Getalit AG betreute regelmäßig die Baustelle und konnte Oberbauleiter Matthias Schmitt und Bauleiter Timo Weiss bei Detailfragen rund um das Thema Schalung unterstützen. Betoplan Top MF, so Hörmann, erfülle die Vorgaben für alle glatten, fugenarmen Betonoberflächen mit erhöhten Anforderungen nach DIN 18202/3 für SB4-SHK3. Selbst bei hoher Einsatzhäufigkeit liefere sie besonders planebene, matte Betonoberflächen. Die Großflächenschalhaut weist eine Beschichtung von 550/m² je Seite auf, einschließlich des als Puffer wirkenden Faservlies.

Wegen der Kubatur waren Sondermaße erforderlich. Betoplan Top MF kam hier in den Formaten 4 x 2 m, 5,2 x 2 m sowie 5,5 x 2,5 m zum Einsatz, 3800 m² Plattenmaterial insgesamt. Wie Oberbauleiter Matthias Schmitt berichtete, berücksichtigte der mit der Erstellung des Schalungsbaus betraute Hersteller Peri verschiedene, von Westag empfohlene Maßnahmen. Dazu gehörten der Einsatz von speziellem, 3mm-starken Fugenband für eine ausreichende Abdichtung, sowie die Versiegelung der Kanten. Die Schalung wurde stehend und wetterfest gelagert, auch das nicht ohne positiven Effekt. "Bis zu acht Einsätze konnten mit der Betoplan Top MF-Schalhaut erzielt werden, auch dank der gründlichen Vorarbeit des Sichtbetonteams. Und auch das Feinpolieren und Einölen der Schalhaut hatte daran Anteil", ergänzt Matthias Schmitt.

In den wärmeren Monaten erwies sich die Betoplan Top MF unempfindlicher gegen Abplatzungen. Vor den Bewehrungsarbeiten wurde die Schalung der Sichtbetonseite mit Folie gegen Verschmutzungen geschützt. Nach den Bewehrungsarbeiten wird diese dann vor dem Betonieren entfernt. Ein selbstklebend aufgebrachter, spezieller Fließ schützt die Sichtbetonoberflächen. Später werden dann die oberflächennahen Poren mittels Hydrophobierung gegen das Eindringen von Feuchtigkeit imprägniert. Mit der Betoplan Top MF wurden u. a. die strahlenförmigen Unterzüge geschalt. Michael Hörmann: "Die Bewehrungsarbeiten wurden hierzu vorerst auf einer kleinen Holzkonstruktion plus Folie erstellt, damit die Oberfläche der Schalhaut nicht zerkratzt werden konnte. Anschließend hob man die komplette Bewehrung an, entfernte die Holzkonstruktion und ließ die Bewehrung auf die Abstandshalter hinunter. Erst dann erfolgt die Montage der Seitenteile. Alle Unterzüge wurden quasi in einem Guss ohne Stoß betoniert".

Betontechnisches Highlight und Eyecatcher innerhalb des Foyers sind, laut Bauherren-Projektleiter Tobias Walter vom Heidelberger Architekturbüro w+, ineinander verschränkte, 11 m hohe Stützen. Davon gibt es drei. Sie tragen die Last der 1200 t schweren und 700 m² großen Foyerdecke. Ein selbstverdichtender SB4-Feinbeton mit einem Größtkorn von 8 mm kam auch hier zum Einsatz. Der Beton wurde von unten in die Stahlschalung der Stützen gepresst. Ingo Lothmann, Produktmanager und Sichtbetonkoordinator bei Heidelberger Beton ergänzt: "Sowohl die Konstruktion, als auch die Stahlschalung sowie die Technik des Einpresssens in die Form, reizte so ziemlich alles aus, was derzeit in der Betontechnik möglich ist. Über drei, an Schlagschieber angedockte Pumpenschläuche, wurde bis zum Erreichen des max. Schalungsdrucks von 200 KN gepumpt. Die Schalungsdrucküberwachung erfolgte mit neuer Messtechnik, die erstmals in Deutschland zum Einsatz kam.

Grundsätzlich erfordern die extremen Festigkeiten C50/C60 und die Sichtbetonklasse SB4 hohen zeitlichen und technologischen Aufwand. Um mögliche betontechnische Probleme bei Lieferung der Einsatzstoffe, Betonherstellung, Schalung, und Einbringung des Betons zu vermeiden bzw. gegensteuern zu können, installierte man ein Sichtbetonteam. Deren durchgängig gute Arbeit spiegelt sich letztendlich im Erscheinungsbild des Betons wieder. Ein intelligentes Energiekonzept (zum Heizen und Kühlen wird Grundwasser genutzt), die transparente Glasfassade sowie die kühne Betonästhetik werden dem Zweckbau eine besondere Note geben. Optisch wird die neue Hauptverwaltung die beschauliche Architektur Heidelbergs durch ihr markantes Erscheinungsbild bereichern.

ABZ-Stellenmarkt

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=562&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 31/2019.

Anzeige

Weitere Artikel