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Spektakuläres Bauprojekt

Fünf norwegische Inseln erhalten Anschluss zum Festland

Das neue Straßensystem wird einen mühelosen Anschluss zum Festland schaffen. Derzeit sind Einwohner und Besucher auf Fähren angewiesen.

Ålesund, Møre og Romsdal/Norwegen (ABZ). – Nordøyvegen ist eines der größten Bauvorhaben in der Geschichte Norwegens. Im Rahmen des laufenden Projekts ist geplant, fünf Inseln in der Gemeinde Ålesund durch ein Netz von Tunneln und Brücken mit dem Festland im Bezirk Møre og Romsdal zu verbinden.

Derzeit sind Einwohner und Besucher auf Fähren angewiesen. Das neue Straßensystem soll einen mühe-losen Anschluss zum Festland schaffen. Im Zuge des Bauvorhabens soll auch ein Teil des bestehenden Straßennetzes auf der Inselgruppe auf den landesüblichen Standard gebracht werden.

Große Straßenbauprojekte können kompliziert sein. Die Bautätigkeiten und ihre Steuerung sind oft sehr schwierig, insbesondere wenn zur Verbindung von Landflächen Gewässer überquert werden müssen. Zu den Merkmalen des Projekts gehört, dass sämtliche Disziplinen des Bauwesens gefordert sind. Skanska erhielt den Zuschlag für das Projekt im Herbst 2018. Das Unternehmen hatte im Ausschreibungsverfahren mithilfe der MAGNET-Software von Topcon den Umfang der Arbeiten detailliert geschätzt und auf dieser Basis das wettbewerbsfähigste Angebot und die überzeugendsten Arbeitspläne vorgelegt. MAGNET trug dazu bei, den digitalen Workflow des Unternehmens zu optimieren und Norwegens spektakulärstes Bauvorhaben auf einen guten Weg zu bringen.

"Nordøyvegen ist ein riesiges Bauprojekt auf Inseln. Und Bauarbeiten auf Inseln sind immer eine Herausforderung", sagt Marianne Nærø, Projektmanagerin bei der norwegischen Straßenverkehrsbehörde. "Die Arbeiten auf den Inseln sind vollständig vom Fährverkehr abhängig und stellen sowohl für uns, als auch für Skanska als Auftragnehmer eine Herausforderung dar."

Im Rahmen des laufenden Projekts ist geplant, fünf Inseln in der Gemeinde Ålesund durch ein Netz von Tunneln und Brücken mit dem Festland im Bezirk Møre og Romsdal zu verbinden.

Einer der Eckpfeiler des Projekts ist der Aushub des Gesteins und die anschließende Verwendung des Materials zur Herstellung von Seeaufschüttungen, die als stabile Basis für die Brücken dienen. Das für Aufschüttungen verwendete Gestein wird aus den Tunneln gewonnen, an denen derzeit gearbeitet wird. Das gesamte Material wird also lokal beschafft. Die größte Herausforderung für Skanska besteht darin, ausreichend Sprenggestein für den Fundamentbau abzubauen und dabei die Terminplanung einzuhalten. Wird dieser Teil des Bau-projekts aufgehalten oder verzögert, hat das gewaltige Auswirkungen auf die nachfolgenden Tätigkeiten. Seeaufschüttungsteam, Gründungsteam und Brückenbauteam werden behindert.

Wenn Straßen Gewässer überqueren müssen, sind stabile Fundamente für den Bauprozess von entscheidender Bedeutung. Deshalb sind Aushub, Produktion und Transport von gesprengtem Gestein wahrscheinlich der wichtigste Schritt im Gesamtprojekt. Dieser Schritt muss reibungslos funktionieren. Außerdem muss Skanska mit einem optimierten digitalen Workflow arbeiten.

An dieser Stelle kommt MAGNET Project von Topcon ins Spiel – eine Software, die zur Verwaltung, Planung und Evaluierung des gesamten Vorhabens eingesetzt wird. MAGNET Project bietet Herstellerangaben zufolge alle Funktionen, die für einen rationalisierten und vollständig digitalen Erdarbeiten-Workflow erforderlich sind. Ausführende Unternehmen können Projekte planen, verwalten und verfolgen, verschiedene Produktionsoptionen und deren Kostenwirkungen bewerten sowie realistische und genaue Pläne für Erdarbeiten erstellen und auf einer Karte visualisieren. Mit Anwendungen wie MAGNET Project könne bei Großprojekten wie Nordøyvegen sehr viel Zeit gespart werden, ist Topcon überzeugt. Die Effizienz von Workflows und Projekten lasse sich drastisch steigern.

Mit MAGNET konnte Skanska sicherstellen, dass Aushub und Transport des Gesteins nahtlos ineinandergreifen. Mit der Software von Topcon ist es dem Team sogar gelungen, das benötigte Material für Seeaufschüttungen zu ermitteln und zu kartographieren und die verfügbaren Gesteinsmengen zu analysieren. Das spart Zeit und Geld und hilft dem Team, die Bautermine präzise zu planen und einzuhalten.

Eine weitere Schwierigkeit, die mithilfe der Software überwunden werden konnte, ist Unternehmensangaben zufolge die große räumliche Ausdehnung des Baugebiets. Mehdi Hosseini, Projektplaner bei Skanska, berichtet: "Einer der Vorteile von MAGNET war es, dass die Gesamtstrategie des Projekts in einem einzigen Schritt visualisiert werden konnte. Bei einem Projekt wie Nordøyvegen, das geografisch weit voneinander entfernt gelegene Standorte umfasst, ist das keine Selbstverständlichkeit."

Durch die Möglichkeit zur Visualisierung des gesamten Produktionsplans auf einer einzigen Seite hatte Skanska einen klaren Überblick darüber, wie das Endergebnis aussehen würde. Mithilfe der Funktion "Line of Balance" konnten alle Beteiligten an einer gemeinsamen Strategie arbeiten und Wege zur Optimierung der verschiedenen Arbeitsphasen finden. In der Software wird auch angegeben, an welche Orte Material geliefert werden muss. Verwechslungen in der Logistik gehören deshalb der Vergangenheit an. Mehdi ergänzt: "Mit MAGNET ist es uns letztlich gelungen, das durch den Tunnelbau verfügbar werdende Material zu kartographieren und die benötigten Massen für die Aufschüttung bestimmter Teile des Meeresbodens zu ermitteln. Auch der Transport des Sprenggesteins konnte mit der Software optimiert werden."

Das für Aufschüttungen verwendete Gestein wird aus den Tunneln gewonnen.

Während die Arbeiten am Gesamtprojekt voranschreiten, bleibt die MAGNET-Software integraler Bestandteil der Strategie von Skanska. Die geplanten Brücken und Tunnel queren stark befahrene Schifffahrtsstraßen, die während der Bauarbeiten nicht für längere Zeit gesperrt werden können. Deshalb ist ein umfassender digitaler Workflow wichtig. Aufgrund der Voraussagen aus MAGNET zum Materialeinsatz vor Ort können Transport und Logistik vollständig aufeinander abgestimmt werden. Verzögerungen wegen ausbleibender Materiallieferungen ließen sich effektiv ausschließen, teilt Topcon mit.

"Ein enormer Vorteil ist die Möglichkeit, alle Daten an einem einzigen Ort im Blick zu haben", ergänzt Grzegorz Gucwa, Produktmanager bei Skanska. "Wir sehen täglich, was auf den verschiedenen Baustellen passiert. Außerdem lässt sich erkennen, wie die verschiedenen Aktivitäten zusammenwirken und vorangehen. Vor allem aber konnten wir schon in einer sehr frühen Phase der Angebotserstellung mit der Projektplanung beginnen. Jetzt, in der Bauphase, hilft uns die Software bei der Umsetzung unserer Strategie. Wir haben die täglichen Abläufe jederzeit im Blick."

Die MAGNET-Software von Topcon hat sich bereits bei vielen großen Infrastrukturprojekten wie Nordøyvegen bewährt. Niclas Törnroos, Senior Consultant bei Digital Construction Works, einem von Topcon und Bentley Systems gegründeten Joint Venture, ist seit acht Jahren als Berater für solche Projekte tätig. Niclas erklärt: "Es ist aufregend, an solchen Projekten beteiligt zu sein und zu verfolgen, wie unsere MAGNET-Softwaresuite dabei hilft, Projekte dieser Größen-ordnung voranzubringen. Wir arbeiten sehr gerne mit Partnern wie Skanska und ihren qualifizierten Mitarbeitern zusammen, insbesondere, wenn wir die Entscheidungsfindung bereits in der Angebotsphase und während des gesamten Bauprozesses unterstützen können. Es ist immer befriedigend, an Bauvorhaben beteiligt zu sein, die das Leben Tausender Menschen verbessern werden. Die Einführung dieser neuen Verkehrsverbindung wird das Leben der Gemeinden vor Ort auf Jahrzehnte prägen."

Marianne Nærø vom norwegischen Straßenverkehrsamt pflichtet bei: "Das Besondere am Nordøyvegen-Projekt ist, dass so viele Inseln an das Festland angeschlossen werden. Es ist eine Ehre, an diesem Projekt arbeiten zu dürfen, denn es erfährt eine sehr große öffentliche Aufmerksamkeit. Die Einheimischen scheinen den neuen Straßen mit großer Begeisterung entgegenzufiebern. Es ist schön, an einem Projekt arbeiten zu können, das von der Gesellschaft geschätzt wird. Darüber hinaus wird Nordøyvegen der lokalen Wirtschaft einen enormen Schub geben und den Einheimischen Kooperationen bei Schule und Gesundheitsversorgung, aber auch in vielen anderen Bereichen der staatlichen Daseinsvorsorge ermöglichen."

Nordøyvegen wird eine Lebensader für die 2700 Bewohner der Inseln sein. Sie werden erstmals ohne Fähren zum norwegischen Festland gelangen können. Das Projekt wird voraussichtlich im Mai 2022 abgeschlossen sein. Die gesamte Bauzeit für dieses Vorhaben wird dann also etwas mehr als drei Jahre betragen haben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 36/2020.

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