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Städteboom

(R)Evolution am Bau

Von Jens Günther

Doka, Architektur,  Stadtplanung und Stadtentwicklung, Stadtentwicklung, Digitalisierung im Bauwesen DIB

Jens Günther: „Für die kommenden Generationen wird es bereits völlig selbstverständlich sein, dass Bauroboter und 3DDrucker das Bild auf der Baustelle prägen."

Amstetten/Österreich. – Die zunehmende Urbanisierung ist einer der Megatrends unserer Zeit und als solcher bei uns längst angekommen. Ob völlig überteuerte Mieten in den Innenstädten oder verstopfte Straßen, die längst nicht mehr nur zur Rushhour stauen – wir alle spüren die Auswirkungen von Migration und Landflucht. Der Run auf die Städte scheint ungebrochen und wird sich fortsetzen. Aktuell leben etwa fünf von zehn Menschen im urbanen Raum, 2050 werden es nach Prognosen der UN sieben von zehn sein. Damit wird die Nachfrage an Wohnraum weiter steigen. In fast allen Megacitys dieser Welt findet genau diese Entwicklung statt, die nicht nur Städteplaner und Wissenschaftler vor große Herausforderungen stellt – sondern auch die gesamte Baubranche. Noch sind die Antworten auf die Frage nach leistbarem Wohnen in Großstädten nur punktuell gefunden. Von sozialgesellschaftlich verträglichen, flächendeckenden Lösungen sind wir noch weit entfernt. Das ist auch nicht verwunderlich, sind die Herausforderungen doch recht unterschiedlich gelagert.

Während wir uns in Europa und Nordamerika mit neuartigen Konzepten für moderne Lebensformen im urbanen Raum beschäftigen, heißt es in großen Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas, der "Slumisierung" rund um die Großstädte Herr zu werden. Ganze Völker auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger verschärfen diese Entwicklung aktuell. Wenn auch die Voraussetzungen nicht unterschiedlicher sein könnten, das Grundproblem bleibt hier wie dort dasselbe: die Schaffung von sozialem Wohnraum in Ballungszentren. Schnell und kosteneffizient. Es braucht daher mutige Menschen und visionäre Unternehmen, die neue, kreative Ideen und Konzepte gemeinsam vorantreiben und damit Städte weltweit nachhaltig lebenswert gestalten. Vorzeigeprojekte mit neuartigen Architektur- und Stadtplanungskonzepten wurden bereits verwirklicht. Diese fordern auch den Einsatz von innovativen Technologien. Revolutionäre Entwicklungen, wie der 3D-Druck oder der Roboter am Bau, befinden sich noch ganz am Anfang, sind aber bereits weit mehr als nur Vision. BIM (Building Information Modeling) hingegen hat schon im Baualltag Einzug gehalten. Immer mehr Unternehmer, allen voran institutionelle Bauherren und Projektentwickler, setzen auf diese Methode, die mit Hilfe von Software den gesamten Prozess von der Planung und Ausschreibung über die Projektausführung bis hin zur laufenden Instandhaltung optimiert, transparent und nachvollziehbar macht. Laut Studien sind bis zu 57 % der Arbeiten im Bauprozess nicht wertschöpfend, verursacht durch Fehler und Mängel, Warte- und Suchzeiten, unabgestimmte Bauprozesse und mangelnde Kommunikation. Die Baubranche hinkt hier anderen Bereichen, etwa der stationären Industrie, deren Anteil nur bei 12 % liegt, deutlich hinterher. Enormes Potenzial also – wenn wir die richtigen Wege beschreiten. Und uns mit neuen Technologien und Prozessen auseinandersetzen.

Wir stehen in der Baubranche gerade am Anfang einer digitalen Revolution. Bereits jetzt sind auf der Baustelle Laptop und Tablet ständige Begleiter. Materiallisten, Pläne, Liefertermine und Informationen zum Baufortschritt sind nur einen Klick entfernt. Wichtige Daten, wie etwa der Aushärtungsgrad von Beton werden dem Bauleiter und Polier heute per SMS in Echtzeit aufs Handy übermittelt. Das alles ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern gelebter Baualltag bei vielen unserer Projekte. Dennoch gibt es sowohl in puncto Digitalisierung, als auch in Sachen Produktivität und Effizienz Aufholbedarf und noch viel Luft nach oben. Nehmen wir die Herausforderung gerne an und sehen wir sie als das, was sie ist: eine große Chance für die gesamte Baubranche.

Der Autor ist designierter Vorsitzender der Geschäftsführung der Doka Group.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 42/2016.

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