Stahlgewölbe

Station Odenplan in Stockholm erhält Bogenkonstruktion

Nach der Fertigstellung schließt die 700 m lange Felskaverne über eingleisige Tunnel nördlich und südlich an die zweigleisigen Streckentunnel an.

Stockholm/Schweden (ABZ). –  Herzstück des Neubauprojekts "Citybanan" ist der 6 km lange Eisenbahntunnel unter der Stockholmer Innenstadt. Als wichtiger Knotenpunkt im öffentlichen Nahverkehr entsteht im Rahmen des Großprojekts auch der unterirdische Bahnhof Odenplan, der künftig das zweitgrößte Passagieraufkommen aller schwedischen U-Bahnhöfe bewältigen wird. Die 700 m lange Felskaverne wird über eingleisige Tunnel nördlich und südlich an die zweigleisigen Streckentunnel angeschlossen. Die Station Odenplan liegt zudem unterhalb eines bereits bestehenden U-Bahnhofs.

Die aufwändigen Stahlkonstruktionen, die den Bahnhof überspannen, stammen von Freyler Stahlbau. Neben dem Engineering übernahm der Stahlbauspezialist auch die Fertigung, Lieferung und Montage des Stahlgewölbes und des Stahltragwerks des südlichen Zugangsbereichs.

Im Januar 2009 wurde mit dem Bau der Citybahn in Stockholm begonnen, die Fertigstellung ist für 2017 geplant, die Kosten liegen bei ca. 2,2 Mrd. Euro. Finanziert wird das Projekt durch den Staat, die Stadt Stockholm und den Landtag der Provinz Stockholm. Die Ausbrucharbeiten der Tunnel, Kavernen und Querschläge erfolgen im Sprengvortrieb in den Stockholmer Granit. Die Station Odenplan entsteht unter dem Stadtteil Vasastaden. Sie erhält einen Mittelbahnsteig mit zwei Gleisen, eine spätere Erweiterung auf zwei Bahnsteige und vier Gleise ist möglich.

Die Plattform und den Gleisbereich im U-Bahnhof überspannt ein riesiges Stahlgewölbe von Freyler Stahlbau, das oberhalb der Bahnsteige den Abschluss zum Gestein hin bildet. Etwa 420 t Stahl wurden allein dort verarbeitet. Die Bogenträger des Gewölbes sind seitlich in bauseitigen Betonfundamenten fixiert, ihr Abstand beträgt jeweils 9,6 m. Darunter hat Freyler die Fachwerke montiert, in denen später die Installationen verlaufen. Die Bogenträger haben jeweils Spannweiten von 23 m und ein Einzelgewicht von 6 t. Die gesamte Bogenkonstruktion erstreckt sich über eine Läge von 180 m.

Der Tunnel war nur einseitig zugänglich: Nur über diese Seite konnten Bauteile und Geräte hinein und hinaus transportiert werden.

Für präzise Passgenauigkeit der Konstruktion in die Fundamente hat Freyler Stahlbau zunächst einen detaillierten Konstruktionsplan erarbeitet mit den entsprechenden Anschlusspunkten. Obendrein war Freyler erneut vor Ort, nachdem die gesamten Fundamente und Balken mit den Anschlussteilen betoniert waren.

Hierbei wurden die ca. 900 Anschlusspunkte im Baufeld nochmals exakt 3-dimensional ausgemessen. Auf dieser Grundlage ließen sich die Bautoleranzen noch in die Fertigung der Stahlkonstruktion im Freyler-Werk einarbeiten. Bei Abweichungen zu den Soll-Maßen wurde dies im Stahlbau korrigiert, sodass die Konstruktion schließlich perfekt passte. Sämtliche Stahlteile wurden in der Freyler-Produktionsstätte im süddeutschen Kenzingen vorgefertigt. Die Feuerverzinkung der Bauteile erfolgte durch Wiegel in Stuttgart. Dank vorausschauender Planung entsprachen die Einzelteile in ihren Maßen einer Größe, die auf normale beplante Lkw passte, so konnten auch die Transportkosten minimiert werden. Insgesamt wurden rund 40 Lkw auf dem Weg nach Schweden geschickt. Eine Herausforderung bei dem Projekt war die Logistik. Sämtliche Bauteile und Geräte konnten nur von einer Seite in den Tunnel hinein und hinaus transportiert werden, es gab keinen Durchgangsweg – und mit jedem Transport wurde wiederum der Bauablauf gestört.

Ebenfalls eher ungewöhnlich für den Stahlbau war das Heben der schweren Stahlteile: In der Regel hebt ein Kran die Bauteile von oben ein. Hier hat Freyler mit hydraulischen Hubgeräten gearbeitet, die die Teile nach oben drückten. Anschließend wurden die Bauteile von den Monteuren vor Ort verschraubt. Neben der Bogenkonstruktion in der Kaverne hat Freyler Stahlbau auch das Stahl-Tragwerk für den SMP-Bereich geplant, gefertigt und montiert: Die SMP (Södra Mellanplanet) ist der südliche Zugangsbereich zu den Plattformen, welche die Fahrgäste via Rolltreppen und Lifte von den darüber liegenden Bahnhöfen erreichen.

Für eine 2800 m² große Zwischendecke hat Freyler dort nochmals 160 t Stahl verbaut, einschließlich der Fachwerke für die Installationen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 08/2017.

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