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Steinbruch im Wandel

Radlader-Quartett bei Muschelkalkabbau in Aktion

Caterpillar, Bagger und Lader, Zeppelin

Die Geschäftsführenden Gesellschafter Matthias und Klaus-Peter Reimold (Vierter u. Fünfter v. li.) mit ihren Mitarbeitern und Zeppelin Verkaufsrepräsentanten Fritz Renz (Mitte), der das Radlader Paket lieferte.

GEMMINGEN (ABZ). - Jede noch so kleine Abweichung im Ablauf der Rohstoffgewinnung zieht weitreichende Folgen nach sich, die gut durchdacht sein müssen. Alleineandere Gerätetechnik kann die Produktionsleistung beeinflussen. Genauso folgenreichbleibt auch, wenn sich Transportwege verändern. Genau das hat die Klaus Reimold GmbH aus Gemmingen vor, welche die Produktion noch wirtschaftlicher ausrichten will. Der Steinbruch, der Muschelkalk gewinnt, wird in absehbarer Zukunft die Aufbereitung des Natursteins für das angrenzende Schotterwerk umstellen, was eine Kette an Investitionen nach sich ziehen wird. Davon waren vier neue Cat Radlader 966M zwar nicht direkt betroffen, die von der Zeppelin Niederlassung Böblingen und ihrem Verkaufsrepräsentanten Fritz Renz geliefert wurden. Sie werden die Auswirkungen aber dann im Nachgang spüren, wenn der Umbau konkrete Formen annimmt.

Fünf Baumaschinenhersteller und deren Lieferanten mussten ihre Radlader gegeneinander antreten lassen, bevor sich der Familienbetrieb festlegte, mit welcher Gerätetechnik in Zukunft eine Vielzahl von Ladetätigkeiten in der Unternehmensgruppe ausgeführt werden sollen. Knapp zwei Wochen lang dauerte der Maschinentest, welcher der Investitionsentscheidung vorausging. Die Fahrer sollten unbeeinflusst ihre Meinung über die Baumaschinen und deren Leistung bilden können.

Geprüft wurde, welche Maschine am besten die Ladeaufgaben bewältigt und zu welchem spezifischen Spritverbrauch. Es ging aber auch um den Fahrerkomfort, wobei das Cat Modell aufgrund der Joysticksteuerung den Nerv der Fahrer traf und auf Begeisterung stieß.

"Wir haben nicht das vermeintlich billigste Angebot gewählt, sondern das nach unserer Überzeugung wirtschaftlichste", machten die beiden Brüder und Geschäftsführenden Gesellschafter Klaus-Peter und Matthias Reimold der dritten Gründergeneration deutlich. Insgesamt standen sechs Maschinen in der 24-t-Klasse zur Disposition. Zwei weitere Vertreter in Form des Cat 966M hat die Unternehmensgruppe an anderer Stelle im Einsatz: Radlader Nummer fünf läuft im Asphaltmischwerk in Sinsheim und Nummer sechs im Kieswerk bei Ubstadt-Weiher. Nicht nur die Rohstoffproduktion hat Maschinenbedarf – an das Schotterwerk angeschlossen ist ein Straßen-, Kanal- und Tiefbauunternehmen, das ebenfalls Baumaschinen benötigt. Dort wird ein Cat Radlader 907H2 eingesetzt.

Die Ausstattungen der verschiedenen Cat 966M unterscheiden sich einsatzbedingt: Die Ladegeräte, die rund um den Steinbruch und das Schotterwerk Ladeaufgaben übernehmen, erhielten eine Felsschaufel mit Zähnen und Felsbereifung. Eine weitere Besonderheit: Das Hydrauliköl basiert auf einem biologisch schnell abbaubarem Öl der Firma Kleenoil Panolin. Das biologisch leicht abbaubare Öl setzt das Unternehmen bei allen Baumaschinen ein – selbst kleine Radlader wie der Cat 907H2 sind davon nicht ausgenommen. Dafür spricht nicht nur die Langlebigkeit und der gute Verschleißschutz des Schmierstoffs, sondern der Steinbruch tangiert mit seinem Abbau auch Grundwasser. Da spielten ökologische Aspekte eine Rolle. "Wir wollen einfach auf der sicheren Seite sein und uns keine Sorgen machen. Immer mal wieder wird es auch bei Ausschreibungen verlangt", so Geschäftsführer Matthias Reimold.

Das Radlader-Quartett tritt rund um den Steinbruch in Aktion, etwa in der Rückverladung, aber auch beim Materialtransport. Nachdem der Muschelkalk durch Großbohrlochsprengungen gelöst wurde, befördern ihn die Baumaschinen nach dem Prinzip "Load and Carry" in den Vorbrecher. Von dort nimmt der Muschelkalk seinen weiteren Weg Richtung Aufbereitung. Aus mehrfachem Brechen und Sieben entstehen hochwertige Gesteinskörnungen – strikt getrennt voneinander werden verschiedene Produktionslinien gefahren: einmal die Linie für die einfach gebrochenen, nicht güteüberwachten Baustoffe, und die Linie der mehrfach gebrochenen und somit veredelten und güteüberwachten Baustoffe. Diese finden Verwendung im Straßenbau als Korngemische und als Zuschlagstoffe für Asphaltmischwerke, wie bei dem Beteiligungsunternehmen Asphaltmischwerke Kraichgau, sowie bei der Transportbeton Gesellschaft Gemmingen. Dort, im angeschlossenen Transportbetonwerk, warten weitere Ladeaufgaben für Radlader – etwa in der Beschickung.

Der Steinbruch hat sich abbaubedingt seit 1963 im Laufe der Jahre immer weiter ausgedehnt. Er erstreckt sich heute auf drei Ebenen auf einer Länge von 400 m. Gemessen vom Straßenniveau reicht er bis in 65 m Tiefe. Ganz oben befindet sich eine rund 25 m dicke Keuperschicht aus Dolomit-Gestein, dessen Abbau eine untergeordnete Bedeutung hat.

Im Zentrum der Abbauaktivitäten stehen die zwei darunter liegenden Ebenen mit je einer rund 30 m hohen, monumentalen Wand. Erst wird die unterste Etage gesprengt – sie dient als Puffer, damit dann das Material bei der Sprengung der obersten Etage nicht zu tief fällt und durch die Energie des Aufpralls zu stark zerkleinert wird. Das durch die Sprengung anfallende Haufwerk in Höhe von bis zu 10 000 t wird von den Radladern aufgeladen, welche die Etagen frei räumen und das Material zur weiteren Aufbereitung transportieren. Mit dem Fortschreiten des Abbaus ist die Fahrstrecke bis zum Vorbrecher immer größer geworden, sodass ein Gerät alleine nicht mehr ausreicht, um die Aufgabe angemessen zu bewältigen. Für die Distanz von bis zu 400 m wäre dieses viel zu lange unterwegs. In Zukunft soll darum ein raupenmobiler Brecher mit Prallmühle und transportablen Förderbändern in den Einsatz gehen, der versetzt werden kann. Das schafft Flexibilität. "Wir wollen die Transportentfernung auf rund 50 m senken und somit unnötige Leerlaufzeiten vermeiden", so Klaus-Peter Reimold. Die beiden Gesellschafter überlegen derzeit, ob sie nicht einen größeren Radlader einsetzen sollen, der mitunter dann von einem der vier Cat 966M nur noch in Produktionsspitzen Unterstützung erfährt. Das vom Abbau weitgehend entlastete Gerät kann dann mehr Aufgaben in der Rückverladung oder in den Beteiligungsunternehmen übernehmen.

Der mittelständische Firmenverbund, der 170 Mitarbeiter beschäftigt, baut jährlich an die 450 000 t Muschelkalk ab – knapp 40 % davon nimmt der eigene Tief-, Kanal- und Straßenbau als Endprodukt in Form von Schotter sowie Edelsplitt ab. Die Mehrheit wird an Kunden, sofern sie keine Selbstabholer sind, im Umkreis von 50 km bis nach Karlsruhe oder Heidelberg geliefert. 32 Lkw, darunter 13 auf Basis von Euro-6 und 19 auf Basis von Euro 5, übernehmen die Transporte, die ähnlich wie die neuen sechs Radlader, dem neuesten Stand der Technik entsprechen.

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