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Straßen- und Tiefbau

InfraTech soll eine Fachmesse in Bewegung bleiben

Von Martina Monsees

Das Publikum der InfraTech 2018 erfuhr, welche Verfahren bzw. Materialien sich einsetzen lassen, um Herausforderungen des innerstädtischen Tiefbaus zu meistern.

Essen. – Die InfraTech hat sich nach Angaben des Veranstalters Rotterdam Ahoy als feste Größe in der deutschen Messelandschaft etabliert: 7397 Besucher kamen zur InfraTech 2018 nach Essen – das bedeutet eine Steigerung von 20 % im Vergleich zur Edition von 2016. Die kürzlich beendete dritte Ausgabe der Messe für Straßen- und Tiefbau konnte auch bei Ausstellerzahlen zulegen. Mit den vier InfraTech-Schwerpunkten "Tiefbau, Straßenbau und Wasserbau", "Öffentliche Raumgestaltung", "Verkehr und Mobilität" sowie "Ver- und Entsorgung" sei die gesamte Breite der Infrastruktur abgedeckt worden. Zur Eröffnung der Messe erklärte Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, dass dem Bundesland bis zum Jahr 2030 rd. 20 Mrd. Euro an Bundesmitteln für Infrastrukturprojekte zur Verfügung stehen werden. Somit könnten Ingenieure eingestellt werden und ließen sich auch Mittel für externe Planer erhöhen. Wüst kündigte eine Beschleunigung der Planungen an.

Von 218 Ausstellern, die ihre Produkte und Dienstleistungen präsentierten, waren Informationen von Rotterdam Ahoy zufolge 100 bereits zum zweiten oder dritten Mal vertreten. "Wir freuen uns sehr, dass sie uns die Treue gehalten haben", sagte Johan Teunisse, Senior Accountmanager bei Rotterdam Ahoy, und fügte hinzu: "Stolz sind wir aber auch auf die Teilnahme von 118 neuen Ausstellern. Dies zeigt, dass die InfraTech eine Messe in Bewegung ist." 218 Aussteller entsprächen einer Steigerung von 20 %. Zudem habe die InfraTech ihren Ruf, eine Messe der Entscheider zu sein, untermauert.

Fritzmeier Umwelttechnik lenkte die Aufmerksamkeit der Fachbesucher u. a. auf "coalsi"-Straßenkanal-Filter, die das Unternehmen für verschiedene Schachtabdeckungen und Wandungen anbietet. Helmut Kiertscher, Sales Manager coalsi bei der Fritzmeier Umwelttechnik GmbH (r.), erläuterte, wie diese eine Zurückhaltung geruchsintensiver Gase erlauben.

Bernd Bathke, Leiter Werbung/Messen/Veranstaltungen bei der ACO Tiefbau Vertrieb GmbH, lobte die hohe Qualität der Fachbesucher. Karlheinz Petri, Geschäftsführer der Instamak GmbH, pflichtete ihm mit der Aussage, exakt die geschätzten Zielgruppen getroffen zu haben, bei. Für das finnische Unternehmen Witta sei die Premiere erfolgreich verlaufen: Geschäftsführer Wille Vittanen bezeichnete die InfraTech als den richtigen Ort, um das Unternehmen in Deutschland bekannt zu machen. Inzwischen hätten 56 % der Besucher die Befugnis, bei neuen Ankäufen zu entscheiden – das seien 7% mehr als im Jahr 2016.

Am InfraTech-Eröffnungstag ist auch der vom Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) ausgelobte InfraTech-Innovationspreis 2018 verliehen worden. Als Preisträgerin ging die Gelsenwasser AG mit ihrer Schirmspülung bzw. einem Reinigungsverfahren für Trinkwasser-Rohrnetze der Gelsenwasser AG aus dem Wettbewerb hervor. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband, bezeichnete Innovation als Voraussetzung für gesellschaftlichen Wandel und monierte in seiner Laudatio, dass Innovation im technischen Bereich in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt wird. Daher besitze der InfraTech-Innovationspreis Signalwirkung. Die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung nahm Rüdiger Szymczak, Mikrobiologe bei Gelsenwasser und Entwickler der inzwischen patentierten Schirmspülung, entgegen. Er hatte die Schirmspülung aus Unzufriedenheit mit bisherigen Spülmöglichkeiten für Trinkwasserrohre entwickelt. Für das praxiserprobte System gebe es mittlerweile zahlreiche Anfragen von Kunden und aus der Industrie. Dr. Sissis Kamarianakis, Leiter Weiterbildung beim IKT und Präsident der Innovationspreis-Jury, bezeichnete den Siegerbeitrag als "einfach und genial". Den erstmals verliehenen Nachwuchspreis für Studierende erhielt Philipp Hensel für seinen Beitrag "Nachbehandlung im Anschluss an die Spurenstoffelimination durch Oxidation mit Ozon".

Der Zustand eines alten Rohres lässt sich unterirdisch erneuern, weiß Benedikt Stentrup, Geschäftsführer der Sanierungstechnik Dommel GmbH: Durch das angewandte Tight-In-Pipe(TIP)-Verfahren sei das Unternehmen imstande, mit minimalen Erdarbeiten ein neues Rohr in der Trasse des alten Rohres zu liefern.

Darüber hinaus stieß das vom IKT, dem Kirschbaum Verlag und der Kommunal Agentur NRW organisierte Vortragsprogramm zu infrastrukturellen Herausforderungen auf großes Interesse: Dr. Kamarianakis zeigte sich vom Publikumszuspruch begeistert. Beim Symposium "Straßen- und Brückenerhaltung" des Kirschbaum Verlags platzte das Auditorium zeitweilig nahezu aus allen Nähten.

Der VHV Bautag, zu dem die Versicherungsgruppe und die Baugewerblichen Verbände (BGV) im Rahmen der InfraTech eingeladen hatten, diente zudem dem Ziel beider Organisatoren, "den Unternehmern den Rücken freizuhalten, damit sie sich ums Bauen und ums Geldverdienen kümmern können". Auf diese Einleitung von BGV-Hauptgeschäftsführer Lutz Pollmann folgten Vorträge zum aktuellen Baurecht und zur Computersicherheit inkl. einem Live-Hacking. Etwa 150 Teilnehmer wurden auf Fallstricke im juristischen Bereich sowie auf dem IT-Sektor hingewiesen. Rolf Zimmermanns, Justiziar der BGV, sowie sein Rechtsanwalts-Kollege Markus Cossler gingen auf Neuerungen ein, die die Reform des Bauvertragsrechts zum Jahresbeginn gebracht hat: Den klassischen Werkvertrag gebe es seither nur noch für kleinere Reparaturaufträge. Erheblich relevanter seien nun der sog. Bauvertrag, der die Regel darstellen werde, und der Verbraucherbauvertrag, der bei schlüsselfertigen Neu- und größeren Umbauprojekten Anwendung finden wird. 

Die Unternehmer sollten unbedingt im Vorfeld prüfen, welche Vertragsart konkret zutrifft. Gegen Vieles sei man in Unternehmen versichert – kaum indes gegen Schäden nach einem Cyberangriff oder einem Ausfall der EDV: Das monierten VHV-Vertre-ter als Einleitung zur Vorführung von Hacker Mark Semmler, der Gefahren von Cyberkriminalität veranschaulichte, indem er mithilfe frei zugänglicher Werkzeuge Mobilgeräte von Tagungsteilnehmern hackte. Der Referent räumte zwar ein, dass es keine 100 %-ige Sicherheit gebe, stellte jedoch klar, dass aus seiner Sicht "Android-Geräte im geschäftlichen Umfeld nichts zu suchen haben. Es gibt dort keine engmaschigen Updates." Andererseits würden sich Konzerne in ihren Geschäftsbedingungen das Recht einräumen, Daten der Nutzer auszunutzen und an Dritte weiterzugeben. Der Hacker empfahl, für alle Programme permanent Updates vorzunehmen.

Die InfraTech wird im Zweijahres-Turnus ausgerichtet. Die kommende Ausgabe findet vom 14. bis 16. Januar 2020 in der Messe Essen statt.

Ein Jahr zuvor – vom 15. bis 18. Januar 2019 – wird die niederländische Ausgabe der InfraTech in Rotterdam veranstaltet. Weitere Informationen gibt es unter: www.infratech.de.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=335++553&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 03/2018.

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