Strukturelle Veränderung als Chance

Was bringt die Digitalisierung für die Baumaschinenmiete?

Von Christian Holzapfel

Christian Holzapfel beschäftigt sich beim digitalen Baumaschinenvermieter klarx täglich mit den Herausforderungen bei der Vermietung von Baumaschinen.

München. – Die Miete von Baumaschinen hat sich mittlerweile fest in der Baubranche etabliert. Wo früher nur in Notsituationen und absoluten Auftragsspitzen angemietet wurde, gehören Mietmaschinen heute bei vielen Bauunternehmen zur täglichen Praxis. Entsprechend gut ist auch die Marktentwicklung der Baumaschinenmiete. Der Branchenverband bbi rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum von 3 %. Somit könnte man relativ gelassen in die Zukunft blicken. Die Herausforderungen, die die digitale Transformation an die Akteure stellt, bringen jedoch Unsicherheiten mit sich und dämpfen die Stimmung einiger Vermieter. Dieser Beitrag beschreibt daher den Wandel durch die Digitalisierung und skizziert mögliche Zukunftsszenarien für den Markt.

Die Baumaschinenmiete wird zukünftig zunehmend im Internet stattfinden und sich dadurch fundamental verändern. Die Verlagerung auf digitale Kanäle betrifft dabei den gesamten Mietablauf. Sie beinhaltet folglich Marketing, Angebotsanfrage, Bestellung, den eigentlichen Mietvorgang sowie die Rückgabe der Maschine. Besonders die großen Vermieter können sich in Zukunft von den kleinen Unternehmen durch digitale Vertriebskanäle abgrenzen. Denn größere Unternehmen verfügen über die finanziellen Ressourcen und die Kompetenz, die digitalen Kanäle – wie z. B. Website, Online-Marketing und digitale Mietprozesse – zu stärken. Für die kleinen Vermieter gestaltet sich dies schwieriger und kann langfristig existentielle Folgen haben. Es zeigt sich jedoch, dass sowohl kleine wie große Vermieter ihre Probleme mit der ganzheitlichen digitalen Transformation haben und die strategische Umsetzung komplex ist.

Wie können die verschiedenen Akteure diesen Ängsten und Herausforderungen begegnen? Wichtig ist, einen klaren Fokus zu setzen. Vermieter sollten sich weiterhin auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können. Die besteht darin, Maschinenparks mit gutem Gerät aufzubauen, die richtigen Maschinen an ihre Kunden zu vermieten und eine enge Kundenbindung aufzubauen. Denn nur durch qualitativ hochwertige Maschinen und guten Service können Anbieter langfristig am Markt bestehen. Allerdings gilt es nun, diese Dienstleistungen auch online anzubieten. Dabei tritt man auch in den Wettbewerb gegen regionale und überregionale Konkurrenten. Denn auch diese bieten ihre Maschinen im Internet an. Kunden werden online auf Vermie-ter aufmerksam werden, die sie früher nicht wahrgenommen haben. Das war im "Handschlag-Geschäft" der Maschinenvermietung bisher auch nicht notwendig. Zukünftig werden jedoch immer mehr Kunden den bequemen Weg über das Internet gehen. Die größte Herausforderung ist daher für alle Anbieter, eine möglichst große Sichtbarkeit und Reichweite für ihre Maschinen aufzubauen. Doch wie gelingt dies am besten?

Der Blick in andere Branchen zeigt, dass sich zwei Trends abzeichnen. Einerseits gibt es große Anbieter, die eigene digitale Kanäle zur Steigerung der Reichweite aufbauen. Andererseits gibt es in vielen Branchen Plattformen, die kleinere Anbieter beim Aufbau dieser Vertriebskanäle unterstützen. Dadurch werden die Plattformen zum digitalen Marketing- und Vertriebskanal für ihre Mitglieder. Auffällig ist, dass auch viele der großen Anbieter, die ein eigenes digitales Angebot haben, auf Plattformen präsent sind. Eine solche Strategie ist durchaus sinnvoll. Auf den Plattformen werden potenzielle Kunden erreicht, die den Anbieter vielleicht nicht kennen oder keine starke Markenbindung haben. So gewinnen die Vermieter neue Kundengruppen und generieren zusätzlichen Umsatz, ohne den direkten Kontakt mit dem Kunden zu verlieren.

Neben dem Online-Marketing ist es für alle Vermieter wichtig, den eigentlichen Mietprozess digital abzubilden. Kunden möchten Maschinen einfach im Internet finden und schnell ein Angebot erhalten. Dafür werden Systeme benötigt, die verfügbare Maschinen online anbieten und einen digitalen Bestellvorgang möglich machen. Auch hier können Plattformen Unterstützung leisten. Große wie kleine Vermieter können ihre Maschinen einstellen und erhalten die Anfragen von Kunden direkt über die Plattformen. Der gesamte Auftrag inkl. Verlängerungen oder Freimeldungen wird digital abge-bildet. Die Präsenz auf einer Plattform bringt durch die große Reichweite mehr Kunden zu den Maschinen. Auch die Abwicklung der Mieten läuft online und effizient. Als Mietpark kann man sich voll auf das Kerngeschäft konzentrieren. Das Marketing und die Bereitstellung der digitalen Infrastruktur übernimmt die Plattform.

Durch diese Arbeitsteilung entsteht eine Win-Win Situation für Vermieter und Plattformen. Die Erkenntnisse aus anderen Branchen haben gezeigt, dass durch die Plattformökonomie sowohl große wie auch kleine Anbieter profitieren und das Geschäft effizienter wird. Und soviel ist klar: Es gibt in der Baumaschinenmiete noch große Potenziale zur Effizienzsteigerung. Werden diese genutzt, fällt die Verwaltung und Auslastung der Maschinen leichter und Kunden gelangen schneller zum Gerät. Dieses Ziel kann nur mit Hilfe der Digitalisierung erreicht werden – das allein ist Grund genug, ihr positiv gegenüberzustehen.

Christian Holzapfel analysiert mögliche Szenarien für den digitalen Mietmarkt der Zukunft. Weitere interessante Einblicke in die digitale Baumaschinenmiete finden Sie auch im Blog auf www.klarx.de.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 34/2017.

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