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Stuttgarter Flughafen soll ein Jahr lang ohne S-Bahn auskommen

Stuttgart (dpa). - Im Zuge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 soll die S-Bahn-Verbindung zum Flughafen für ein Jahr komplett gekappt werden. In dieser Zeit würden zwei neue Tunnelstücke für die Anbindung der sogenannten Gäubahn an den Airport-Bahnhof gebaut, erklärte die Projektgesellschaft am Mittwoch. Die Verbindung von Stuttgart in Richtung Bodensee soll ein eigenes Gleis unter den Terminal-Gebäuden bekommen. Bisher gibt es dort zwei für die S-Bahn, künftig sollen es drei sein.

Flughafen und direkt nebenan gelegene Messe wären aber weiterhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, versicherte die Bahn - und ein verkehrswissenschaftliches Gutachten belege, dass das auch möglich sei. Wann die Bauarbeiten und damit auch die Sperrungen beginnen sollen, ist noch offen. Das Vorhaben muss erst noch das Planfeststellungsverfahren durchlaufen.

Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen für die Gäubahn-Anbindung seien die nun zu erwartenden Einschränkungen aber geringer, argumentierte Projektleiter Matthias Breidenstein. Denn eigentlich hätte das dritte Gleis parallel zum laufenden S-Bahn-Betrieb gebaut werden sollen. Allerdings hätte das eine Vielzahl von kürzeren Sperrungen und Umleitungen erfordert, die sich ebenfalls auf mindestens ein Jahr summiert hätten - aber verteilt über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren, erläuterte Breidenstein.

Da sei der neue, jetzt ausgearbeitete Plan "allemal besser" und mit weniger Verunsicherung für die Fahrgäste verbunden. Zudem verkürze sich die Bauzeit für die Gäubahn-Anbindung insgesamt um ein Jahr. Dass der Bau Einschränkungen mit sich bringe, sei bei der 2015 getroffenen Vereinbarung darüber allen Beteiligten klar gewesen.

Ein wesentlicher Pfeiler im Ersatz-Konzept der Bahn ist, neben dem Einsatz von Bussen, der ohnehin geplante Ausbau der Stuttgarter Stadtbahn zum Flughafen. Sollte dieser aber nicht rechtzeitig abgeschlossen sein, müsste ein S-Bahn-Interimsbahnhof etwa 700 bis 800 m vor dem Flughafen-Terminal gebaut werden - eine Lösung, für die sich Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) generell ausspricht. Laut Projektgesellschaft werden die beiden S-Bahnen, die derzeit zum Flughafen fahren, an einem normalen Werktag von rund 34 000 Menschen genutzt. An einem wichtigen Messe-Wochenende liegt die Spitzenbelastung bei 57 000 pro Tag.

Gegner des Bauprojekts kritisierten die Ankündigung der Bahn. Die Schutzgemeinschaft Filder befürchtet ein Verkehrschaos durch den Wegfall der S-Bahn. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 wiederum sprach von einem "Debakel" und forderte von der Regierung, Konsequenzen zu ziehen.

Wie auch die oppositionelle SPD verwiesen die Gegner darauf, dass Hermann die Lösung mit dem dritten Gleis selbst unterstützt habe, die nun die Sperrung erforderlich mache. Hermanns Sprecher entgegnete, das Problem sei nicht das dritte Gleis, sondern das Bauvorhaben am Flughafen an sich. Auch ohne drittes Gleis,  wie es ursprünglich geplant war, hätte es eine S-Bahn-Unterbrechung gegeben.

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