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Temporäre Maßnahme

Aufblasbare Lärmschutzwände aufgebaut

Bahnbau, Baustellen, Baustelleneinrichtung

Die Ceno-Walls bestehen aus einer zweischaligen textilen Membranhülle, die erst vor Ort mit Luft gefüllt wird. Sie sind leicht, einfach zu montieren und erzielen eine mit Betonwänden vergleichbare Wirkung.

Rangsdorf (ABZ). – Zur Dämmung von Baustellenlärm setzt die Deutsche Bahn auf Textilien aus dem Münsterland. Im Rahmen eines Pilotprojekts schützten aufblasbare Lärmschutzwände des Grevener Unternehmens Ceno Membrane Technology bei der Neugestaltung des Bahnhofs Rangsdorf (Brandenburg) die Anwohner vor einem zu hohen Geräuschpegel.

Die mobilen und hochflexiblen Kunststoffwände entwickelte Ceno in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik und der Universität Stuttgart. Sie sind leicht, einfach zu montieren und erzielen eine mit Betonwänden vergleichbare Wirkung. Großbaustellen, auf denen schweres Gerät zum Einsatz kommt, verursachen viel Lärm. Der belastet vor allem die Anwohner. Da dauerhafte Lärmschutzwände meist erst zum Abschluss der Arbeiten aufgestellt werden können, müssen Betreiber von Baustellen temporäre Maßnahmen zur Minderung des Baulärms ergreifen. Dabei gilt es, die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten. Um den Lärm zu vermindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. "In der Vergangenheit haben wir unter anderem Bretterzäune genutzt. Diese müssen jedoch tief verankert werden, sind windanfällig und schwer. Sie zu versetzen, ist äußerst aufwendig", sagt Michael Neudeck, Regelwerkautor Lärmschutzwände der DB Netz AG. Darum setzte die Deutsche Bahn auf eine innovative Lösung der Firma Ceno: Aufblasbare Lärmschutzwände vom Typ Ceno-Wall.

Erstes Einsatzgebiet der Ceno-Walls bei der Deutschen Bahn war die komplette Neugestaltung des Bahnhofsbereichs im brandenburgischen Rangsdorf. Auf 2 km Länge riss die Bahn das alte Empfangsgebäude sowie eine Fußgängerbrücke ab und errichtete zwei neue Regionalbahnsteige. Vor Ort stellte sie die flexiblen Lärmschutzwände entlang der Baustelle auf, um die dahinterliegenden Wohngebäude abzuschirmen. An kritischen Stellen montierte die Deutsche Bahn mit Hilfe von Adapterelementen zwei Wände übereinander, um eine noch größere Schutzwirkung zu erzielen. Die Anforderungen an das Produkt von Ceno waren hoch: "Neben guten Schalldämmwerten legen wir Wert auf eine einfach Montage und Instandhaltung des Systems", sagt Michael Neudeck. 32 Ceno-Walls mit einer Gesamtlänge von rund 134 m wurden zum Schutz der Anwohner aufgestellt und erfüllten sämtliche Anforderungen. Während der gesamten Bauphase haben unabhängige Baulärmverantwortliche Messungen vorgenommen – die zulässigen Grenzwerte wurden dank der Ceno-Walls stets eingehalten.

Die Wirkung der Ceno-Wall entspricht laut Hersteller fast der einer Betonwand, aber sie ist wesentlich leichter und flexibler. Sie besteht aus einer zweischaligen textilen Membranhülle, die erst vor Ort mit Luft gefüllt wird. Im flachen Zustand ist so ein unkomplizierter und platzsparender Transport möglich. Ein 4,2 m breites und 3,3 m hohes Element wiegt lediglich 40 kg und kann problemlos von zwei Personen getragen und aufgebaut werden. Die witterungsbeständige Textilmembran besteht aus sogenanntem Abstandsgewebe. Zwischen der äußeren biegeweichen Schale liegen elastische Verbindungsstege. Sie stellen Form und Stabilität der Kissenkonstruktion im aufgeblasenen Zustand sicher. Die Lärmschutzwand aus Stoff wurde modular entwickelt. Mehrere Wandmodule lassen sich darum sowohl neben- als auch übereinander verbinden. Spezielle Metallständer sorgen für die nötige Stabilität bis Windstärke acht. Ceno-Walls können beliebig oft wiederverwendet werden. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik bescheinigt den Lärmschutzwänden in seinen Tests eine Schallminderung von 20 dB. In Verbindung mit der leichten Bauweise ergeben sich daraus zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Lösungen. Die Deutsche Bahn will nach der Komplettauswertung des Pilotprojekts in Rangsdorf über weitere Kooperationen mit den Grevenern entscheiden. "Die Zusammenarbeit mit Ceno verlief reibungslos. Wir gehen bereits jetzt davon aus, dass wir auch in Zukunft auf die mobilen Lärmschutzwände setzen werden", betont Neudeck, den viele zusätzliche Anfragen bezüglich der Ceno-Walls erreichen, die er direkt an das Grevener Unternehmen weiterleitet.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 18/2016.

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