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Thüringer Baustofftag

Defizite bei der langfristigen Rohstoffsicherung wurden kritisiert

Mehr als 120 Teilnehmer kamen in das IHK-Bildungszentrum nach Gera.

Gera (ABZ). – Mehr als 120 Teilnehmer waren kürzlich der Einladung des Unternehmerverbandes Mineralische Baustoffe(UVMB) e. V. und seiner Kooperationspartner – der Arbeits-gemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern und des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) – zum Thüringer Baustofftag nach Gera gefolgt. Wirtschaftlich positive Zahlen konnte UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius vorstellen. Die gute Baukonjunktur dokumentiert sich demnach auch in der Menge der in Thüringen gewonnenen Rohstoffe. In den vergangenen zwei Jahren wurden jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen gewonnen. "Die Talsohle ist durchschritten. Seit 2015 werden wieder mehr Rohstoffe nachgefragt. Besonders stark stieg die Nachfrage nach Sanden und Kiesen", so Vulpius. Langfristig prognostiziert würde sich die Rohstoffgewinnung in Thüringen auf einem Niveau zwischen 20 und 23,5 Millionen Tonnen einstellen.

Um diese Mengen der heimischen Wirtschaft zur Verfügung stellen zu können, müssen Rohstoffe vor allem auch langfristig gesichert werden. So nimmt der Landesentwicklungsplan 2025 beispielsweise die notwendige Differenzierung zwischen kurz- und mittelfristiger Sicherung für die Rohstoffgewinnung und langfristiger vorsorgender Rohstoffsicherung vor.

In den Regionalplänen Thüringens, die gegenwärtig fortgeschrieben werden, gebe es insbesondere Defizite bei der langfristigen Rohstoffsicherung. "In vielen Lagerstätten ist der Abbau so weit fortgeschritten, dass der Bedarf besteht, neue Flächen für die kurz- und mittelfristige Rohstoffsicherung auszuweisen." Besonders kritisch müsse man den Regionalplan Nordthüringen bewerten, so Vulpius. Der Kohleausstieg als aktuelle gesellschaftliche und umweltpolitische Entwicklung mit direkter Auswirkung auf die Gipsindustrie finde hier keine Erwähnung und eine ausgewogene Abwägung wirtschaftlicher Belange sei nicht erkennbar. In Kenntnis der Probleme für die Gipsindustrie stelle sich die Frage: Ist Regionalplanung überhaupt in der Lage, das Thema fachgerecht zu bearbeiten oder muss hier die Landesplanung stärker in die Pflicht genommen werden?

In seinem Grußwort als Schirmherr der Veranstaltung war Ministerpräsident Bodo Ramelow auch auf die Gipsgewinnung im Südharz eingegangen und hatte dazu aufgefordert, sich neuen Ideen zu öffnen. Durch den Kohleausstieg stehe Thüringen vor großen Herausforderungen. Der bundesweite Rückgang an REA-Gips von jährlich etwa sechs Millionen Tonnen müsste zumindest teilweise durch Naturgips, aber auch Gipsrecycling ersetzt werden. Ramelow sieht für den Südharz neue Chancen: "Warum können wir nicht in Nordhausen in Verbindung mit der Fachhochschule ein zentrales Forschungszentrum für Gips gründen?"

Dass ein Rohstoffbetrieb Energie produzieren kann, zeigte Philipp Heim von der Heim Kieswerk Nobitz GmbH & Co. KG am Beispiel des eigenen Kieswerkes.

Der ehemalige Amtsleiter und jetzige Abteilungsleiter Geologie und Bergbau Berghauptmann Hartmut Kießling sagte in seinem Vortrag, trotz anfänglicher Bedenken sei die Integration des ehemals eigenständigen Thüringer Landesbergamtes in das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) gelungen. Geholfen habe hier auch das politische Wirken des UVMB, der "gründlich recherchiert, überall präsent war und an entsprechender Stelle auch unangenehme Fragen gestellt hat". So sei es gelungen, die drei Bergbaureferate im neuen TLUBN zu erhalten.

Auf dem Thüringer Baustofftag nahmen die Vorträge von Unternehmen einen breiten Raum ein. Wichtige neue Lösungsansätze für die Gipsindustrie verdeutlichte Andreas Hübner, technischer Geschäftsführer der CASEA GmbH aus Ellrich. Produkte auf Gips- und Anhydritbasis werden nachgefragt und der Bedarf ist hoch. Neben der Gewinnung von Naturgips ist auch das Gipsrecycling ein Geschäftsfeld des Unternehmens. Das Potenzial, das mittelfristig über Recycling erschlossen werden kann, liegt bei etwa 0,2 bis 0,3 Millionen Tonnen. Notwendig ist es aber, etwa sechs Millionen Tonnen REA-Gips zu ersetzen, so Hübner.

Die Verwertung von mineralischen Abfällen, insbesondere von Böden, stellt in der Praxis die Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen. Uwe Meißner von der Adelheid Meißner GmbH berichtete über Lösungsansätze, aber auch von praktischen Umsetzungsproblemen.

Wie ein Rohstoffbetrieb sich selbst autonom mit Energie versorgen und sogar noch Strom abgeben kann, erläuterte Philipp Heim von der Heim Kieswerk Nobitz GmbH & Co. KG. In verschiedenen Niederlassungen der Heim-Gruppe werde dies bereits seit einiger Zeit praktiziert. Die Einspeisung betrage inzwischen das Zehnfache gegenüber der Entnahme aus dem öffentlichen Netz. So sei bereits seit 2006 in Nobitz eine Biogasanlage installiert, die mit mehr als 2000 Kilowatt installierter Leistung Wärme für die Sandtrocknung liefere und alle Gebäude beheize.

Weitere Themen des Baustofftags beschäftigten sich mit der Öffentlichkeitsarbeit der Gesteinsindustrie und Kooperationen zwischen Rohstoffindustrie und Naturschutz. Felix Pokrant von der Natura 2000-Station "Auen, Moore, Feuchtgebiete", und Oliver Fox, Referent für Umwelt und Biodiversität beim UVMB, stellten das landesweite Projekt zum Amphibien- und Reptilienschutz in der Rohstoffindustrie vor, das in den vergangenen zwei Jahren in Thüringen etabliert wurde. Mittlerweile seien fast 30 Standorte in das Projekt einbezogen und der Zuspruch sei weiterhin groß.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 40/2019.

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