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Topcon

Bauindustrie hat technologisch enormen Nachholbedarf

Von Robert Bachmann
Topcon, Baubetrieb, Baustellen, Erdbau und Grundbau, Ausstattung & Zubehör, IT im Bauwesen, Logistik

Im Rhein-Main-Deponiepark konnten die Besucher u. a. einen Blick auf den neuen PC210LCi10 von Komatsu werfen, den ersten Bagger, den der Hersteller mit intelligenter Maschinenkontrolle ausgestattet hat.

FLÖRSHEIM. - Kaum eine andere Branche investiert derart wenig in neue Technologien wie das Bauwesen. Geht es nach den Vermessungsspezialisten von Topcon, so muss sich dieser Umstand dringend ändern. Welchen Herausforderungen sich die Bauindustrie gegenüber sieht und wie ein intelligentes Baustellenmanagement von morgen aussehen kann, war Thema der Topcon Technologietage 2014. Zusammen mit seinen Partnern Komatsu und Schlüter kreierte das Unternehmen im Rhein-Main-Deponiepark, Flörsheim eigens zu Demonstrationszwecken ein komplettes Baustellenszenario.

Drei Tage lang konnte sich Topcon auf dem Gelände des Rhein-Main-Deponieparks – ein Kunde der Schlüter Baumaschinen GmbH – in der Nähe von Flörsheim bei Frankfurt austoben. Abertausende Kubikmeter Erde wurden während der Demonstrationsveranstaltung bewegt, wobei am Ende nahezu jedes Körnchen wieder dort landete, wo es herkam. Die Präzision und Effizienz dieses Vorgangs war natürlich Teil der Show, denn genau hierfür stehen die Topcon-Produkte. Jede Maschine, vom neuen Komatsu-Bagger PC201LCi-10 bis zum HBM-Nobas-Grader, sind mit intelligenter Kontroll- und Steuerungstechnik ausgestattet, die auf Basis zentimetergenauer GPS-Daten für exakte Arbeitsergebnisse sorgt.

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Warum der Schritt in die digitale Vernetzung für die Bauindustrie so wichtig ist, darüber informierte Ulrich Hermanski, Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing bei der Topcon Europe Positioning B. V.

Die eigentliche Vision der Vermessungsspezialisten geht jedoch über die einzelnen Maschinen und ihre Ausstattung hinaus. Sie liegt in deren Vernetzung und Einbindung in ein digitales Baustellenmanagement, welches sämtliche greifbaren Informationen bündelt. Warum der Schritt in die digitale Vernetzung für die Bauindustrie so wichtig ist, darüber informierte Ulrich Hermanski, Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing bei der Topcon Europe Positioning B. V. Ihm zufolge sehen wir uns aktuell einer Zeit drastischer Veränderungen gegenüber – rasantes Bevölkerungswachstum, Klimawandel sowie eine zunehmend maroder werdende Infrastruktur, um nur einige zu nennen. Den dadurch anfallenden Investitionsbedarf in den kommenden Jahrzehnten beziffert Hermanski auf rd. 60 Trillionen US-Dollar. Eine große Chance für die Bauindustrie, die jedoch mit nicht minder großen Herausforderungen verknüpft sei. Denn, so der Geschäftsführer, während die technologische Entwicklung analog zur gesellschaftlichen rasant voranschreite, trete das Bauwesen in diesem Punkt nahezu auf der Stelle. So sei die Branche aktuell die mit dem niedrigsten Automatisierungsgrad. Zudem werde im Baubereich nur halb so viel in moderne Informationstechnik investiert wie in anderen Branchen. Alles in allem eine eher rückläufige Entwicklung, die angesichts der Gegebenheiten verwundere, so Hermanski. Nicht zuletzt entstünden nach wie vor 20 % der Baukosten durch Fehler in der Planung und Ausführung. Fehler, die sich durch Einsatz der richtigen Technologien vermeiden ließen, so die Überzeugung des Geschäftsführers.

Die Grundlagen für ein intelligentes Baustellenmanagement, wie es dem Unternehmen vorschwebt, seien bereits vorhanden. Zahlreiche Systeme ermöglichen heute, von der einzelnen Maschine bis hin zur ganzen Baustelle sämtliche Arbeitsprozesse zu dokumentieren. In der Cloud lassen sich die gesammelten Daten, unabhängig von deren Größe, verwalten und sind von überall aus für alle Beteiligten einsehbar. Entscheidend sei schließlich, alle diese Technologien in der richtigen Weise miteinander zu kombinieren. Einen wichtigen Baustein in dieser Rechnung bildet die Kernkompetenz von Topcon im Bereich der Laser- und GPS-Vermessungstechnik. Ob vom Boden, aus dem Fahrzeug heraus oder mittels Flugdrohne werden schon heute umfassende 3D-Modelle ganzer Bauareale erstellt, die dank der Topcon-exklusiven Einbindung des russischen GPS-Standards Glonoss extrem zuverlässig sowie bei Kombination von Laser- und GPS-Technik bis auf den Millimeter genau ist.

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Innenansicht des neu mit intelligenter Maschinenkontrolle ausgestatteten PC210LCi10 von Komatsu.

Die in Zusammenarbeit mit Komatsu entwickelten Baumaschinen mit intelligenter Maschinenkontrolle (iMC) stellen den nächsten Schritt dar. Im Rhein-Main-Deponiepark konnten die Besucher u. a. einen Blick auf den neuen PC210LCi10 von Komatsu werfen, den ersten Bagger, den der Hersteller mit dieser Technologie ausgestattet hat. Sie verhindert hier ein zu tiefes Eindringen des Löffels über das Zielprofil hinaus, indem die Löffelkante in Echtzeit in Relation zur Maschinenposition und den Geländeplandaten gesteuert wird. Die Position der Löffelkante wird dem Fahrer in Echtzeit auf dem 12,1-Zoll-Farbmonitor angezeigt.

Jeder Schritt, den die Maschine macht, wird vermessen und dokumentiert. Um diese Informationen auch außerhalb der Baustelle nutzbar zu machen, ist schließlich ein weiterer Schritt notwendig, wie Duncan McCormick erklärte. McCormick verstärkt als Construction Software Sales Specialist seit kurzem den IT-Bereich im Europa-Team von Topcon. Im Rahmen der Topcon Technologie Tage 2014 stellte er die Software-Neuheiten Dynaroad und Sitelink 3D vor.

Bei Dynaroad handelt es sich um ein Tool zur Projektsteuerung in der Erdbewegung. Auf Grundlage kontinuierlich gesammelter Maschinen- und Geländedaten – idealerweise aber schon im Planungsprozess zuvor – zeigt das Programm Optimierungspotenziale auf und soll so zur Produktivitätssteigerung beitragen.

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Maßarbeit: Ausgestattet mit der Sonsortechnik von Topcon arbeiten die Maschinen in der Erdbewegung bis auf den Millimeter genau. Im Bild: der HBM-Nobas Grader BG 130 TA-4 und Komatsu Raupe 61 PXi.

Während Dynaroad damit konkret auf die Optimierung von Massenbewegungen ausgerichtet ist, verfolgt Sitelink 3D einen weitaus umfassenderen Ansatz. "Es handelt sich hierbei nicht um ein Telematik-System!", betonte McCormick in seiner Vorstellung. Über derartige Funktionalitäten weit hinaus gehend bietet es ein Life-Monitoring der gesamten Baustelle. Sämtliche Informationen werden mit allen auf der Baustelle gemeinsam genutzt und ermöglichen Echtzeit-Updates über den aktuellen Bauprozess, Umgebungsdaten sowie Tools zur allgemeinen Maschinenverwaltung. Darüber hinaus ermöglicht das System direkte Textnachrichten sowie weitere Arten der Kommunikation und stellt sogar Echtzeit-GNSS-Korrekturdaten zur Verfügung. Ziel ist es, auf absehbare Zeit ein All-in-one-Tool zu etablieren, welches das komplette Baustellenmanagement auf digitaler Seite abdeckt. In diesem Zusammenhang werde auch bereits über eine Integration des Komatsu-Telematiksystems Komtrax in Sitelink 3D nachgedacht.

Im skandinavischen Raum seien derartige Technologien bereits Industriestandard, so McCormick. Hierzulande stoße man vielerorts noch auf Skepsis. Neben der Angst vor der drohenden Mitarbeiterüberwachung spielt hier vor allem das Thema Datensicherheit eine nicht unwesentliche Rolle. Dies, so der IT-Spezialist, sei ein Aspekt, der auch bei Topcon hohe Priorität habe. Die in England stehenden Server würden entsprechend streng überwacht, während der Zugang zu ihnen grundsätzlich unpersonalisiert stattfinde, also ohne die Angabe persönlicher Daten.

Über eine Schnittstelle können die Daten aus Dynaroad problemlos in das umfassende Baustellenmonitoring integriert werden. Sitelink 3D verknüpft damit sämtliche Informationen, die über die verschiedenen Systeme von Topcon und deren Partnern gesammelt werden und stellt diese allen Projektbeteiligten bereit, ob vor Ort auf dem Smartphone oder am PC im Büro.

In der Summe der verschiedenen Anwendungen und Funktionalitäten wäre schließlich möglich, was dieser Tage immer vehementer gefordert wird – nicht nur am Bau – und was Topcon als Demokratisierung von Informationen versteht. Alle am Projekt Beteiligten verfügen stets und überall über präzise Projektdaten. Auf diese Weise soll nicht nur wirtschaftlicher gearbeitet werden, sondern auch teure Fehler vermieden werden. Die Technologie hierfür ist bereits da, wie der Hersteller immer wieder deutlich macht. Nun gelte es lediglich, diese auch zu nutzen.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=303++201++198++196++327++332&no_cache=1

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