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Ulmer Münster

Steine aus Waldenbuch für Restaurierung

Von Lena Müssigmann

Baustoffe

Albrecht Lauster von der Lauster Steinbau GmbH vor dem Steinbruch in dem u. a. Steine für das Ulmer Münster abgebaut werden.

Waldenbuch. – Mitten im Wald tut sich eine Lichtung auf, in deren Zufahrt ein gigantischer Steinbrocken liegt. Mit roter Sprühfarbe ist ein Datum darauf gesprüht – an diesem Tag ist der Brocken nach rund 210 Mio. Jahren aus dem Boden unter dem Waldgebiet Schönbuch geschnitten worden. Er liegt bereit für den Abtransport. Möglicherweise heißt sein Ziel Ulm, wo er – bearbeitet zu einem filigranen Element – den Münsterturm schmücken könnte.

Hier in Waldenbuch, rd. 20 km südlich von Stuttgart, gibt es in Baden-Württemberg den einzigen Steinbruch für Stubensandstein in ausreichender Qualität für die Restaurierung des Ulmer Münsters. Mehrere Jahre hat die Münsterbauhütte, die im Auftrag der evangelischen Kirche das Münster erhält, nach solchen Gesteinsschichten im Boden suchen lassen.

"Wenn ich das hier sehe, springt mir das Herz", sagt Münsterbaumeister Michael Hilbert bei einem Besuch. Seit Dezember 2015 baut eine Stuttgarter Firma an dieser Stelle das Gestein ab und verkauft es an die Münsterbauhütte, die dadurch die Optik des höchsten Kirchturmes der Welt trotz Restaurierung erhalten kann.

Stubensandstein gilt nach Angaben des Regierungspräsidiums Tübingen, das für die Genehmigung des Abbaus im Waldes zuständig ist, als der Stein der schwäbischen Gotik. Die hellbeigen Quader wurden demnach auch am Tübinger Schloss, dem Kloster Bebenhausen und den Esslinger Stadtkirchen genutzt. Seinen Namen hat der Stubensandstein von seiner Verwendung in früheren schwäbischen Haushalten: Der an oberen Gesteinsschichten gelockerte Sand wurde in Wohnstuben verstreut und ausgefegt, wie der Experte vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg, Wolfgang Werner, erklärt. "Die Dielen waren danach blitzblank." Das habe mit einem enthaltenen Mineral zu tun.

Baustoffe

Wolfgang Werner vom Regierungspräsidium zeigt auf ein Plakat mit einem Foto des Ulmer Münsters.

Zurück zur Baukultur: Die Nachfrage wächst, weil zunehmend mit heimischem Originalgestein restauriert wird. Am Turm des Ulmer Münsters wurde der Stubensandstein ab 60 m Höhe bis zur Marke von 70 m verwendet. "Wenn wir eine andere Steinsorte einfügen, wird der Farbverlauf nachhaltig gestört", sagt Münsterbaumeister Hilbert. Die Sorge ist nun zerstreut. 2380 Steine werden nach Hilberts Angaben mit Material aus dem Schönbuch ersetzt. Die Restaurierung werde zehn Jahre dauern und 25 Mio. Euro kosten.Der Unternehmer, der sich auf den Abbau eingelassen hat, Albrecht Lauster, hofft auf weitere restaurierungsbedürftige Stubensandsteingebäude und gewerbliche Abnehmer. Die Arbeit seiner Maschinen in der Grube im Wald muss sich lohnen. Eine Säge mit 2 m langem Schwert nagt sich durch den Stein. Das macht Lärm, zum Abtransport fahren lange Lastwagengespanne in den Wald.

Was sagen Naturschützer dazu? "Bei einem rein kommerziellen Steinbruch hätten wir gleich gesagt, das kommt nicht in Frage", sagt Dieter Schmidt von der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Böblingen. "Aber das soll ja zur Rettung historischer Bauten dienen."

Seine Behörde hat u. a. wegen der Fledermausvorkommen in dem Naturschutzgebiet Vorgaben gemacht: Der Abbau darf nur zwischen September und Februar stattfinden, pro Jahr dürfen nicht mehr als 1000 m³ Rohblockmaterial gewonnen werden. Für den Münsterbaumeister reicht das aus. Seine Mitarbeiter haben erst mal genug Arbeit: Sie brauchen bis zu 250 Std., um einen Stein in ein filigranes Schmuckwerk zu verwandeln.

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