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Umgestaltung erfolgreich

Vier Bühnen für Dresdens neue kulturelle Mitte

Von Jennifer Schüller

Züblin, Modernisierung und Sanierung

Der Materialmix aus Beton, Glas und Stahl im Eingangsbereich des Gebäudes verleiht dem Bauwerk einen modernen "Loftcharakter" und prägt das neue Foyer im KKM Kraftwerk Mitte Dresden maßgeblich.

Dresden. – Zwischen dem ersten Spatenstich und der Eröffnung lagen nur etwas mehr als zweieinhalb Jahre. Mit der Umgestaltung des KKM Kraftwerk Mitte Dresden hat der Generalunternehmer Züblin für rund 100 Mio. Euro eine ehemalige Maschinenhalle in einen Kulturkomplex verwandelt. Historie und Moderne, Industrie und Eleganz, Jung und Alt – es sind viele Dinge, die das neue KKM Kraftwerk Dresden Mitte miteinander verbinden will, architektonisch gesehen, ebenso wie soziokulturell. 

Der Spagat zwischen diesen, wie es scheint unmöglich miteinander in Einlang zu bringenden, Gegensätzen ist dem Stuttgarter Unternehmen Züblin, das als Generalunternehmen für den rd. 100 Mio. Euro teuren siebengeschossigen Neubau sowie die Grundsanierung der denkmalgeschützten Bestandsgebäude von Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co KG, Dresden beauftragt worden war, gelungen. Knapp drei Wochen vor der feierlichen Eröffnung des Komplexes am Freitag, 16. Dezember, hatte das Unternehmen zu einem Rundgang auf dem Gelände eingeladen.

Wenn der Besucher das Foyer des Theaterkomplexes betritt, der die Staatsoperette und das tjg. (theater junge generation) beherbergt, findet er sich in der ehemaligen Maschinenhalle des KKM Kraftwerks wieder. Ein Blick zur Decke gewährt nicht nur die Sicht auf die alte Stahlkonstruktion des Daches, sondern auch auf alte Kranbahnen. Sie erinnern daran, dass noch bis in die 1990er-Jahre an diesem Standort Generatoren arbeiteten und Kraftwerksschlote qualmten. Dieser Dialog zwischen Industrie und schlichtem, kompaktem und modernem Design sei bewusst gewählt, erklärt Torsten Teichgräber, technischer Leiter des Züblin-Bereichs Thüringen: "Alles, was alt und erhaltenswert war, ist auch erhalten worden. Wir haben von einem konservatorischen Ansatz aus gearbeitet."

Züblin, Modernisierung und Sanierung

Futuristisch mutet der Saal der Staatsoperette mit den geometrischen Formen im Deckenbereich an.

Das beinhalte u. a., dass Dinge, wie etwa die alten Kranbahnen, das Originalmauerwerk, Verteilerkästen oder Werkzeugschränke nicht abmontiert, erneuert oder frisch gestrichen wurden, sondern in dem Zustand "eingefroren" wurden, wie sie sich zum Beginn der Bauarbeiten präsentierten. Dieser Bruch zwischen Neu und Alt sorge für den besonderen Charme des Gebäudes und verleihe ihm einen gewissen "Loftcharakter", so Teichgräber.

Der Altbau der Maschinenhalle geht dabei nahtlos in die Neubauten über. Alte Fundamente treffen auf neu eingezogene Zwischendecken und Treppen. Die größten Neubauten stellen jedoch die Bühne der Staatsoperette – der Bühnenturm ragt insgesamt imposante 31,3 m in die Höhe während der Orchestergraben 5,2 m unter Normalnull liegt – sowie eine Haupt-, eine Puppen- sowie eine Studiobühne des tjg dar. Insgesamt werden den vier Spielstätten mehr als 30 000 m² Bruttogeschossfläche zur Verfügung stehen. Dabei finden in der Staatsoperette 700 Besucher Platz. Das tjg verfügt über 600 Sitzplätze. 350 davon fallen der Hauptbühne zu und jeweils 125 dem Puppentheater und der Studiobühne.

Züblin, Modernisierung und Sanierung

Im Untergeschoss ist die Garderobe untergebracht. Ls. im Bild sind noch deutlich die Fundamente der alten Maschinenhalle zu erkennen.

Neben diesen vier richtigen Bühnen sind in dem Komplex noch weitere sieben Probebühnen untergebracht. Auf ihnen wird bereits gearbeitet. Einzig das Orchester probt derzeit noch an einem anderen Standort, da in dem Orchesterprobensaal noch einige akustische Ausbesserungen vorgenommen werden müssen. Axel Walter, Kommunale Immobilien Dresden-Geschäftsführer: "An einigen Stellen wie etwa bei diesem Raum müssen noch kleinere Mängel bearbeitet werden."

Solche Korrekturen gehörten bei Projekten dieser Größenordnung dazu. So werden in dem Orchesterprobensaal derzeit noch Vorhängeschienen sowie Vorhänge angebracht, um für einen besseren Klang zu sorgen und den Nachhall zu minimieren.

Doch nicht nur bei der Architektur des Foyers des KKM Kraftwerk Mitte Dresden treffen gewissermaßen zwei Epochen, zwei Generationen aufeinander. Den Eingangsbereich teilt sich die Staatsoperette, die auf eine 240 Jahre lange Geschichte zurückblicken kann, mit dem noch relativ jungen 50-jährigen tjg. Und diesen Generationsdialog – die Verbindung von Jung und Alt – könne man sogar auf die Besucher übertragen. "Die Besucher der Staatsoper sind meist um die 60 Jahre alt. Das tjg bietet hingegen sogar schon Stücke für Kinder ab einem Jahr an", sagt Hartmut Beyer, Züblin-Bereichsleiter a. D., der dem Bauteam während des gesamten Projekts beratend zur Seite stand.

Züblin, Modernisierung und Sanierung

Rückblick: Im Juli 2015 wurden die Stahlbetonwände für den Saal der Staatsoperette Dresden eingezogen.

Begonnen hatten die ersten Arbeiten auf dem Dresdener Gelände am 14. April 2014. "Zu Spitzenzeiten haben bis zu 280 Personen gleichzeitig auf der Baustelle gearbeitet", sagt Züblin-Projektleiter André Reuter. Und die Großbaustelle hielt einige Herausforderungen bereit, da nicht nur die strengen Regeln des Denkmalschutzes eingehalten werden mussten, sondern neben Standardplanungen für Architektur, Tragwerk oder Brandschutz auch die Planungen für Bühnentechnik, Audio und Video sowie Bühnenbeleuchtung koordiniert werden mussten.

Mittlerweile ist der gesamte Komplex abgenommen worden. Am 6. November fand bereits eine Testaufführung statt. Das Ergebnis: Der Klang überzeugt. Jetzt laufen die Proben auf Hochtouren, denn am 17. Dezember feiern Staatsoperette und tjg in ihrem neuen Zuhause Premiere. Die Staatsoper startet mit der Operette "Orpheus in der Unterwelt" in die Saison. Das tjg wird an diesem Tag das Hip Hop-Musical "The Season", sowie das Kinderstück "Ein Märchen" präsentieren.

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