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Umstellung auf e-Rechnungen

Grenzbalken bei der Digitalisierung beseitigen

Von Gerd Marlovits

Gerd Marlovits, Geschäftsführer Editel Austria.

Wien/Österreich. – Die Pandemie hat auch Teile der Bauwirtschaft nicht verschont. Dennoch wird die deutsche Baubranche in Summe laut BVB-Prognosen auch im Jahr 2021 um 1,3 % auf rund 370 Milliarden Euro wachsen. In einer gänzlich anderen Branche könnte man in Teilbereichen sogar von einem regelrechten Boom sprechen: Digitale Lösungen aus der IT-Branche sind plötzlich äußerst gefragt. Dazu beigetragen hat auch eine gesetzliche Regelung, die mit Covid-19 gar nichts zu tun hat und die uns auch nach dem Ende der Pandemie begleiten wird. Bei dieser nur vordergründig nationalen Regelung zur Fakturierung an Bundesbehörden gibt es etliche Gründe, warum wir unser Augenmerk auch auf die internationale Dimension richten sollten.

Als die EU im Jahr 2014 mit der EU-Richtlinie 2014/55/EU den Kampf gegen Papierrechnungen aufnahm, haben insgeheim wohl einige Menschen gedacht: "Ist das wirklich notwendig?" Auch im Vorfeld der damit im Zusammenhang stehenden, verpflichtenden Einführung der elektronischen Rechnungslegung für (Bau-)Aufträge von Bundesbehörden in Deutschland, sind wohl ähnliche Gedanken aufgekommen.

Nun kann man über die Vorgehensweise diskutieren, den übergeordneten Zielen kann man jedoch durchaus etwas abgewinnen: Durch Digitalisierung und somit Automatisierung steigt die Wettbewerbsfähigkeit und gleichzeitig tut man der Umwelt durch Papierreduktion etwas Gutes.

Einen Wehrmutstropfen gibt es bei der ganzen Thematik allerdings: Die unterschiedlichen nationalen Umsetzungsvarianten innerhalb der EU-Länder. So muss man letztendlich einen Flickenteppich aus unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen und technischen Vorgaben konstatieren, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es neben der etablierten XRechnung nämlich noch andere Möglichkeiten, e-Rechnungen verpflichtend mit Bundesbehörden oder teils (noch) auf freiwilliger Basis mit Ländern und Kommunen auszutauschen. In Österreich schon seit Jahren gelebte Praxis, müssen Unternehmen ihre e-Rechnungen an die Behörden im Standard ebInterface einreichen.

Ungarn "spricht" System NA und Italiens Behörden bestehen auf FatturaPA, um nur einige Beispiele zu nennen. Nun gibt es im Tagesgeschäft ganz andere Herausforderungen als sich den unterschiedlichsten Ausprägungen der elektronischen Fakturierung zu widmen. Dafür gibt es internationale "e-Invoice"-Dienstleister, die mit Expertise und Erfahrung aufwarten.

Über die internationale Datendrehscheibe eXite werden pro Jahr weltweit bereits mehr als 400 Millionen Transaktionen für mehr als 20 000 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen abgewickelt. Dies betrifft nicht nur den Austausch von Rechnungen von Unternehmen mit öffentlichen Auftraggebern, sondern alle möglichen Geschäftsdokumente (Bestellungen, Lieferscheine, Rechnungen, etc.) zwischen Unternehmen aus der Privatwirtschaft.

Über Ländergrenzen hinweg und branchenübergreifend ist das bereits jetzt möglich. Hier kann die öffentliche Hand punkto "globale Standards" (zum Beispiel EDIFACT) tatsächlich noch etwas lernen. Dieses "Esperanto des 21. Jahrhunderts" ist nicht nur äußerst nützlich, sondern hat auch ungeheure Symbolkraft. Digitalisierung kennt keine Grenzbalken.

Internationale Studien besagen, dass die elektronische Abwicklung eines einzigen Order-to-Cash-Prozesses, angefangen von der Bestellung bis zur Rechnungslegung, je nach Branche bis zu 51 Euro einsparen kann.

Vor einiger Zeit hatten wir auf Basis einer renommierten Studie von Billentis zudem errechnet, dass sich ein theoretisches Einsparpotenzial von 495 Milliarden Blatt Papier ergibt, wenn man alle weltweit pro Jahr ausgestellten Papierrechnungen komplett auf e-Rechnungen umstellen würde.

So gesehen sollte die verpflichtende Umstellung auf e-Rechnungen bei der Fakturierung an deutsche Bundesbehörden nicht als Bürde empfunden werden, sondern primär als eine effektive Maßnahme, um die Kosten für die Unternehmen zu senken, die Fehleranfälligkeit bei der Dateneingabe massiv zu verringern und nebenbei auch noch dem Ressourcenverbrauch entgegenzuwirken. Nachhaltigkeit ist nämlich ebenfalls einer dieser internationalen Trends, auf den die Bauwirtschaft in Zukunft noch stärker setzen sollte.

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Der Autor ist Geschäftsführer von Editel Austria, einem führenden internationalen Anbieter für Elektronischen Datenaustausch (EDI), mit Niederlassungen in zahlreichen europäischen Ländern.

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