Ungewöhnliches "Flugobjekt"

Bagger bewährt sich bei Tunnelbauarbeiten

St. Gallen/Schweiz (ABZ). – Manchmal müssen auch tonnenschwere Maschinen der Schwerkraft trotzen – denn der Einsatzort des Volvo-Kurzheck-Tunnelbaggers vom Typ ECR145EL liegt 18 m in der Tiefe. Hier gräbt die Tunnelbauabteilung der Implenia einen neuen Fluchtstollen für den Tunnel Schoren in St. Gallen – ein Einblick in ein nicht alltägliches Projekt.
Volvo CE Bagger und Lader
Ab in die Tiefe: An nur einer Huböse kann der 18 t schwere Volvo ECR145EL in den Schacht hinein und aus ihm heraus gehoben werden. Foto: Robert Aebi

Takatakataka – Jäh wird die Ruhe des Wohngebiets unweit der Baustelle "Im Hölzli" unterbrochen. Mit 700 Schlägen pro Minute gräbt sich der eine Tonne schwere Hammer des Volvo-ECR145EL-Tunnelbaggers durch den Fels. Am Joystick in der Fahrerkabine sitzt Rene Tröger. Konzentriert meißelt der Maschinist profilgenau von oben nach unten das Gestein weg, das Gewölbe der neuen Fluchtröhre am St. Galler Schoren-Tunnel nimmt Formen an. Aufgrund der Wucht des Hämmerns lösen sich große Brocken ziemlich leicht, kleinere Steinchen spritzen zur Seite. In kurzer Zeit liegt ein ansehnlicher Haufen Geröll vor dem Kettenbagger.

Damit der Vortrieb weiter gehen kann, wird der Hammer gegen den Felslöffel getauscht. Vorsichtig lässt Kranführer Manfred Hägele den Felslöffel herunter; im Handumdrehen sind die Werkzeuge gewechselt. Wenig später schwebt eine Mulde voller Geröll in den Himmel. 4 m von insgesamt 13 m des ersten Abschnitts des Quertunnels sind bereits geschafft. Nach jedem Meter wird ein Gitter montiert, ein Gitterbogen gestellt und anschließend mit Spritzbeton versiegelt.

Zweck der neuen Fluchtröhre ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Fluchtweglängen. Das Projekt ist Teil der großen Sanierung der Stadtautobahn St. Gallen. Das Bundesamt für Straßen hat die ARGE Stadtautobahn – bei der die Bau- und Immobiliengesellschaft Implenia mit 30 % beteiligt ist – mit der Sanierung zwischen den Anschlüssen St. Gallen West und St. Gallen Ost beauftragt. Im April 2021 wurde mit dem Aushub eines 18 m tiefen Schachts begonnen. Von dort aus wird der westliche Fluchtweg zum Tunnel Schoren seit Juni vorangetrieben.

"Normalerweise verbindet man die Tunnel mit einem kleinen, horizontal verlaufenden Stollen. Die Autobahn-Röhren liegen jedoch nicht auf gleicher Höhe, da der östliche im Tagbau gebaut wurde, der westliche im Tunnelbau. Weil man den Betrieb nicht stören wollte, ist der Plan, über einen Schacht mit Treppenturm die zwei Röhren zu verbinden", erklärt Bergbauingenieur und Bauführer Dieter Lange. Wenn der westliche Querschlag und Innenausbau vollendet ist, wird der Schacht um weitere 12 m ausgehoben und dann in östlicher Richtung der zweite, 15 m lange Querschlag zur anderen Röhre in Angriff genommen. Die Fertigstellung der Fluchtröhre ist für April 2022 geplant.

Gerade mal 10 m breit ist der 18 m tiefe Schacht, in dem Tröger rangieren muss, noch weiter verengt durch den provisorischen Treppenaufgang und die Frischluftröhre. Aber das ist kein Problem für den erfahrenen Maschinisten und den Volvo ECR145EL. "Der Kettenbagger ist äußerst bedienungsfreundlich und sehr leichtfühlig. Er bewegt sich genauso, wie man es will", erklärt Tröger zufrieden und ergänzt: "Der kurze Arm macht den Volvo ECR 145 EL wirklich besonders, man kann so nah am Bagger arbeiten. Und aufgrund des kurzen Hecks gibt es keinen großen Schwenkradius. Es ist einfach schön mit der Maschine zu arbeiten, die Kraft ist immer da."

Baumaschinen wie der Volvo ECR145EL müssen starker Belastung standhalten, eine höhere Standsicherheit aufweisen und besten Schutz bieten. Den Umbau des Volvo-Baggers ECR145E zur Tunnelausführung hat die Firma Schöller Special Machines GmbH & Co. KG (SSM) vorgenommen. Sie hat sich auf Sonderfertigungen spezialisiert und gehört laut eigenen Angaben zu den Weltmarktführern in diesem Bereich.

SSM hat die Bagger durch den Umbau verstärkt und mit speziell hergestellten Hydraulikzylindern ihre Lebensdauer verlängert. Schutzeinrichtungen für Stützschildzylinder, verstärkter Kettenablaufschutz und Rammschutz sowie eine Feuerlöschanlage sind zusätzlich wesentliche Bestandteile der Tunnelausstattung dieser Bagger. Aufgrund des kurzen Hecks des ECR145EL eigne sich diese Maschine besonders gut für Projekte, die bei beengten Platzverhältnissen ausgeführt werden müssen. Die Kompaktheit des Volvo ECR145EL in der Tunnelversion war einer der Gründe, warum sich Implenia-Bauführer Lange für die leistungsstarke Maschine entschieden hat. "In Stuttgart habe ich den Bagger bei den Arbeiten im Albvorlandtunnel kennen und schätzen gelernt. Er war für uns der Einzige, der auf dieser speziellen Baustelle in Frage kam."

Zudem ist es durch den kurzen Arm möglich, das Profil des Stollens von oben nach unten zu profilieren. Mit den vergleichsweisen geringen 18 t Gesamtgewicht lässt sich der Bagger leicht in den Schacht hinein- und wieder herausheben.

Polier Martin Tiepner weist auf einen weiteren Vorteil hin: "Man benötigt, um solche Maschinen anzuheben, in der Regel ein Dreier- oder Vierer-Gehänge und ein Joch, damit man die Kabine nicht zusammendrückt. Dass der Volvo ECR145EL nur eine Hub-Öse hat, ist ideal." Besonderes Augenmerk richtete Lange auf den Hammer. Denn nur wenn Bagger und Anbauwerkzeuge harmonieren, kommen die Arbeiten voran. Der Hammer EHB13BA, mit dem der Bagger ausgerüstet wurde, erfüllt alle Erwartungen. "Der Fels ist mit hartem Sandstein versetzt. Da muss der Hammer richtig Power haben", betont Lange. Seitdem im März die Baustelle "Im Hölzli" in Betrieb ging, liegt der Tunnelvortrieb im Plan. Die über Robert Aebi AG – Volvo CE-Handelspartner in der Schweiz – gemietete Maschine läuft wie am Schnürchen. Und wenn es zu Ausfällen käme, können sich Dieter Lange und sein Team sicher sein, dass der Kundendienst von Robert Aebi sofort zur Stelle ist. Tröger hat schon auf vielen Volvo-Maschinen gearbeitet und den Service von Robert Aebi zu schätzen gelernt: "Wenn man anruft, sind sie sofort da und äußerst hilfsbereit. Das läuft super."

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