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Unternehmertag der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel

"Gemeinsam Antworten auf alle Fragen des Bauens geben"

Wienerberger, Fachtagungen und Kongresse, Unipor, Poroton, Mein Ziegelhaus, Baupolitik und Verbände, Baustoffe, Mauerwerksbau

Vertreter der gesamten deutschen Ziegelindustrie versammelten sich kürzlich auf ihrem jährlich stattfindenden Unternehmertag. Neben einer Standortbestimmung im Markt werden insbesondere bautechnische und normative Entwicklungen und Herausforderungen besprochen.

Würzburg. – Die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. (AMZ) vertritt die technischen Interessen der Hersteller von Hintermauerziegeln und wird getragen von den Hochlochziegel-Produktgruppen Poroton, Unipor, Thermopor, Mein Ziegelhaus, Wienerberger sowie mehrerer Einzelmitglieder. Über die Arbeit der AMZ und über die Herausforderungen im Massivbau sprach ABZ-Redakteurin Ebba Stoffregen kürzlich mit Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer der Unipor Gruppe und AMZ-Vorsitzender, Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton, und Hans R. Peters, Geschäftsführer Mein Ziegelhaus, in Würzburg auf dem AMZ-Unternehmertag.

Als selbständige Unterorganisation im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie wurde die AMZ 1990 gegründet. Die erste "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden" von 1977 (kurz: Wärmeschutzverordnung) ist im Gründungsjahr der AMZ bereits zum 2. Mal novelliert, die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz erhöht. Gleichfalls ist absehbar, dass diese weiter verschärft werden. "Die Gründung der AMZ beruht vor allem auf der Erkenntnis der 80er/90er-Jahre, dass die mittelständisch geprägte Ziegelindustrie normative Prozesse auch im Hinblick auf die EU nur gemeinsam begleiten kann", erklärte Hans R. Peters, Geschäftsführer Mein Ziegelhaus, im Gespräch mit der ABZ. Hintermauerziegel seien aufgrund ihrer bauphysikalischen Leistungsfähigkeit wie u.a. im Bereich Schallschutz sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene normativ aufwändiger als bspw. Dachziegel, so Peters. Als quasi "technische Daseinsvorsorge" begann die AMZ ihre Arbeit als unterstützende Arbeitsgemeinschaft für diesen speziellen Baustoff.

Längst ist die Wärmeschutzverordnung durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst worden, diese wiederum einige Male novelliert und damit immer weiter verschärft. Die letzte EnEV-Novelle, die 2014 in Kraft getreten ist, enthielt strengere Mindestanforderungen für Neubauten, die seit dem 1. Januar 2016 gelten. Auf EU-Ebene gilt seit 2010 zudem die Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Energy Performance of Buildings Directive, kurz: EPBD). Sie zielt darauf ab, im Neubaubereich bis zum Jahr 2021 einen Niedrigstenergiegebäudestandard und einen Sanierungsfahrplan für Bestandsgebäude in den Mitgliedsländern zu implementieren. Ab 2021 sind die Mitgliedsstaaten dann verpflichtet Neubauten als Niedrigstenergiegebäude ("Nearly Zero-Energy Building") zu errichten. Diesem Standard sollen in Deutschland zudem ab 2019 alle neuen Gebäude entsprechen, die von öffentlicher Hand gebaut oder genutzt werden. Auf nationaler Ebene bedeutet dies erneut eine EnEV-Novelle 2021. Die exakten Anforderungen werden zurzeit diskutiert und voraussichtlich Anfang 2017 veröffentlicht. Die deutsche Ziegelindustrie sieht ihr dennoch gelassen entgegen. Für das Errichten einer massiven Gebäudehülle aus passivhaustauglichen Ziegeln bietet die Industrie bereits jetzt entsprechende Produkte an.

Themen sind heute feinteiliger

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(v. l. n. r.): Hans R. Peters, Geschäftsführer Mein Ziegelhaus, Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer der Unipor Gruppe und AMZ-Vorsitzender, und Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer der Deutschen Poroton.

EnEV, Energiewende, Niedrigstenergiestandard: Heute geht es nicht mehr nur um die bauliche Komponente Ziegel, sondern auch um die Anlagen- und Anwendungstechnik. "Vom baulichen Wärmeschutz bis heute zur Energieeffizienz liegen durchaus Welten", sagte Peters. Die Themen der Arge seien seit der AMZ-Gründung zunehmend feinteiliger und vielfältiger geworden, so die einhellige Meinung von Peters, Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton, und Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer der Unipor Gruppe und AMZ-Vorsitzender. Sei früher "nur" die Gebäudehülle betrachtet worden, müsse heute aus bauordnungsrechtlicher Sicht zwingend die Interaktion zwischen Gebäudehülle und Anlagentechnik berücksichtigt werden. Das gelte nicht nur für Architekten und Bauschaffende, sondern auch für die Ziegelindustrie als Hersteller. Neue Fragen und Schnittstellen in der Gebäudetechnik seien entstanden, die einiges an Knowhow abverlangten . "Die Kompetenzerwartungen sind heute in der Bauberatung sehr viel höher. Von uns wird bspw. erwartet, Fragen zu Putztypen, Befestigungstechniken oder Fensteranschlüssen zu beantworten", erklärte Dr. Fehlhaber. Über die Bautechnik in der Fassade hinaus würden heute an die Ziegelwerke zudem Fragen wie Rohstoffverbrauch, Produktionsprozess, CO2-Ausstoß und Recycling herangetragen. Und genau hier setzt die Arge an, so der AMZ-Vorsitzende: "Gemeinsam wollen wir auf alle Fragen rund um die monolithische Ziegelbauweise belastbare Antworten geben."

Was den Baustoff betrifft, ob gefüllt oder ungefüllt, sei man längst dort angekommen, wo man aus gesetzgeberischer Sicht auch im Hinblick auf die EnEV 2021 hinmüsse, so Dr. Fehlhaber. Die "Lambda-Olympiade" sei seit ca. vier Jahren ausgereizt. Optimierungen der Wärmeleitfähigkeit (?) oder des Wärmedämmwerts (U-Wert) seien kaum mehr möglich und auch nicht wirtschaftlich, ergänzte Kuhlemann. "Wichtig ist vor allem eine wirklichkeitsnahe Erfassung sämtlicher Daten des Gesamtbauwerks und damit das Bereitstellen zuverlässiger Planungswerkzeuge", so Kuhlemann. In Kooperation mit dem Softwareentwickler ESS biete die Arge Mauerziegel bspw. Planern und Architekten mit dem Modul Energie 20.20 eine Bauphysiksoftware an, die u.a. eine komplette Nachweisführung für Bedarfs- und Verbrauchsausweise nach den Vorgaben der EnEV 2016 ermöglicht. Außerdem hat die deutsche Ziegelindustrie eine Software bereits im Vorfeld der bauordnungsrechtlichen Einführung der neuen "DIN 4109 – Schallschutz im Hochbau" entwickelt mit der die Nachweisführung im Massivbau erbracht werden kann.

Vielfältige Möglichkeiten zeigen

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Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e. V. (DGfM), legte auf dem AMZ-Unternehmertag aktuelle Konjunktur- und Marktbeobachtungsdaten vor.

"Wir wissen um die Vorteile von Ziegel-Außenwänden und deren Leistungsfähigkeit. Jetzt gilt es, den Anteil der monolithischen Massivbauweise an der gesamten Energieeffizienz weiter zu qualifizieren und zu quantifizieren. Darüber hinaus wollen wir als Gemeinschaft die Möglichkeiten des Bauens mit Ziegeln sowohl im Einfamilienhaus- als auch im Geschosswohnungsbau aufzeigen", so Peters. Mit der Kampagne Lebensraum Ziegel, die seit gut zwei Jahren mit einer herstellerneutralen Internetpräsenz Leuchtturmprojekte aufzeigt, würde sich die deutsche Ziegelindustrie entsprechend positionieren und Bauschaffende informieren. Denn: Zurzeit werde die Ziegelbauweise eher als Baustoff für den Einfamilienhaus, Doppel- und Reihenhausbau wahrgenommen.

Auf dem Unternehmertag, auf dem die gesamte Ziegelindustrie eine Standortbestimmung vornimmt und zukünftige Herausforderungen bespricht, wurde dies u. a. im Vortrag von Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e. V. (DGfM), deutlich. Als Dachverband der Mauerstein herstellenden Industrien in Deutschland legte Dr. Rast aktuelle Konjunktur- und Marktbeobachtungsdaten vor. Demnach lag 2015 der Marktanteil der Fertigstellungen bei Einfamilienhäusern in Mauerwerksbauweise bei fast 75 %; beim Doppel- und Reihenhausbau bei fast 78 %. Beim sogenannten Wohnheim-Bau lag der bundesweite Anteil des Baustoffs Mauerwerk bei knapp 47 %.

Dass der Geschossbau auch in monolithischer Ziegelbauweise mit mehr als vier Vollgeschossen funktioniert, darüber referierte Dr. Udo Meyer, Technischer Geschäftsführer der AMZ, in seinem Vortrag. Er zeigte anhand eines Simulationsmodells auf, dass viele Außenwände nicht voll aufgelastet sind und es darüber hinaus eine Reihe von Möglichkeiten gibt, mit denen "erhebliche Tragfähigkeitsreserven" aktiviert werden können. Diese müssten mehr in der Beratung verankert werden, waren sich Peters, Dr. Fehlhaber und Kuhlemann einig. "Wir sind leistungsfähiger, als der Architekt oder Bauingenieur vermutet", erklärte Peters. Grund dafür sei auch das sehr unterschiedliche Informationsniveau der Bauschaffenden, was u. a. durch einen faktisch fehlenden Lehrstuhl für Mauerwerksbau begründet sei. Gleichzeitig werde das Bauen mit dem Traditionsbaustoff Ziegel insbesondere bei genossenschaftlichen Wohnungsbaugesellschaften vermehrt nachgefragt. Ein Trend für das robuste und einfache Bauen zeichne sich ab, ohne komplizierte Schichtaufbauten und Wartungsaufwand.

"Das tradierte Bauen mit Ziegeln bedeutet auch auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können, was der Gesetzgeber wolle bzw. fördere", sagte Dr. Fehlhaber.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 34/2016.

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