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VDBUM Seminar 2020

"Wir brauchen mehr Möglichkeiten des Miteinanders"

Die Podiumsdiskussion setzt jedes Jahr wichtige Impulse. Das diesjährige Thema lautet "Die Baubranche im neuen Jahrzehnt – Großprojekte, hohe Auslastung und nachhaltige Planungen". Dabei wird es unter anderem um die Herausforderungen im Bereich der Fachkräfteentwicklung, die Wertschöpfungskette Digitalisierung und die Umsetzung von Standards in der Baumaschinentechnik gehen.

Mit Ideen von heute Lösungen von morgen schaffen. So lauten Motto und Anspruch des 49. VDBUM Seminars, zu dem die Baubranche vom 11. bis zum 14. Februar erneut zusammenkommt. Im Interview mit ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann verriet Vorstandsmitglied Dieter Schnittjer, welche Themen die Diskussionen in Willingen dieses Jahr befeuern werden.

ABZ: Herr Schnittjer, "Ideen schaffen Lösungen von Morgen". Was verbirgt sich hinter dem Veranstaltungsmotto in diesem Jahr?

Schnittjer: Das Motto ist immer der rote Faden, mit dem wir die Seminarideen zusammenbringen. Hier geht es darum, einen Grundgedanken zu formulieren, um den herum wir das ganze Großseminar aufbauen. Der diesjährige Leitgedanke war im Grunde schon immer unser Thema: Das, was wir heute besprechen, soll zu Lösungen für die Anwender führen.

ABZ: Das VDBUM Seminar ist dieses Jahr etwas früher dran als gewohnt …

Schnittjer: Das ist richtig. Bei der Terminfindung sind wir immer von verschiedenen Faktoren abhängig, beispielsweise dem Karneval oder auch dem Skisprung-Weltcup in Willingen. Vor allem aber von anderen Veranstaltungen in der Branche, die inhaltlich für unsere Teilnehmer ebenfalls relevant sind. Eine Überschneidung, die wir dieses Jahr leider nicht berücksichtigen konnten, war die mit der digitalBau in Köln. Hiervon haben wir schlichtweg zu spät erfahren. Was wir wirklich bedauern, ist, dass wir uns in diesem Jahr mit den Deutschen Asphalttagen überschneiden. In der Regel stimmen wir uns mit anderen Verbänden ab, so gut es geht. Das ist in diesem Fall ausnahmsweise nicht geglückt, was sowohl uns als auch dem Asphaltverband sehr unangenehm ist.

"Wir brauchen mehr Möglichkeiten des Miteinanders", sagt Vorstandsmitglied Dieter Schnittjer, der sich auf spannende Diskussionen auf dem 49. VDBUM Seminar in Willingen freut.

ABZ: Welche Schwerpunktthemen hat der VDBUM dieses Mal gewählt?

Schnittjer: Wir haben in diesem Jahr wieder vier Schwerpunktthemen. Das ist einmal der Bahnbau. Hier werden in den kommenden Jahren irrsinnige Investitionen fließen, sodass sich hieraus ein großes Aufgabenfeld für die Baubranche ergeben wird. Gemeinsam mit der DB Netz AG wollen wir die Entwicklung vorantreiben, indem wir Bahn, Baumaschinentechnik und Bauunternehmen zusammenbringen.

Ein weiteres Thema ist der innerstädtische Kompaktbau. Durch die zunehmende Verdichtung in den Städten werden künftig auch an die Infrastruktur andere Anforderungen gestellt. Von der Gestaltung oder auch Umgestaltung von Verkehrswegen bis hin zur unterirdischen Infrastruktur, dem Breitbandausbau und vielem mehr wird in den nächsten Jahren viel nachzuholen sein.

Ausgesprochen wichtig ist uns das Thema Rückbau. Ohne ihn kann es an vielen Stellen keinen Neubau geben. Das können wir natürlich nicht in der Tiefe beleuchten, wie es die Kollegen vom Abbruchverband tun. Was die Maschinentechnik anbelangt, können wir das aber sehr wohl.

Der letzte Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Ein sehr umfassendes Thema, das wir aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten wollen. Wir werden unter anderem einen Blick in die Forschung werfen, das Thema Digitaler Zwilling beleuchten, aber auch ganz konkret nach dem Nutzen einzelner Lösungen für den Anwender fragen.

ABZ: Sind Prozesse und Software-Tools heute wichtiger als die Hardware?

Schnittjer: Im Grunde können Sie das heute kaum noch trennen. Das gilt für den Antriebsbereich, für die Hydraulikanlage, die Bedienelemente im Fahrerhaus und vieles mehr. All diese Dinge werden zunehmend digitaler. Der Mensch muss heute in der Lage sein, diesen technologischen Wandel zu beherrschen. Das ist ein unumkehrbarer Prozess, dem wir als Verband Rechnung tragen müssen. Unabhängig davon wollen wir in unseren anderen Themenblöcken auch immer zeigen, dass das Analoge nach wie vor von großer Bedeutung ist und dass der Mensch immer noch die zentrale Rolle spielt.

ABZ: Trotz ihrer unbestrittenen Bedeutung für die Bauindustrie ist die Digitalisierung für viele Anwender auch ein Reizthema. Wie begeistert man diese Menschen für Digitalisierung?

Schnittjer: Digitalisierung kann mitunter anstrengend sein. Wenn man sich näher damit beschäftigt, wird man jedoch feststellen, dass es durchaus gute Ansätze gibt, die einem im Betrieb wirklich etwas bringen. Dann macht das Thema auch Spaß. Kein Anwender wird sich mit etwas beschäftigen, dass ihm im Betrieb keinen Nutzen bringt. Diesen Nutzen sehen wir beim VDBUM heute an vielen Stellen und das ist es, was wir vermitteln wollen.

Ich gebe aber auch jedem Recht, der die Digitalisierung kritisch sieht. Das ganze Thema ist schlichtweg sehr unübersichtlich. Als Unternehmer, Bauleiter oder Werkstattverantwortlicher ist es heute schwer, herauszufinden, mit was man sich jetzt im Einzelnen beschäftigen muss. Als Verband können wir das nicht lösen. Wir wollen aber dabei helfen, dass sich die Anwender in der Masse an Lösungsangeboten zurechtfinden.

Darüber hinaus wollen wir Dinge anstoßen, welche die Branche in diesem Thema voranbringen. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Standardisierung. Wir brauchen mehr Möglichkeiten des Miteinanders. Das Zauberwort heißt Schnittstellen. Hier sind jetzt auch die Hersteller gefragt, gemeinsam mit allen anderen Verantwortlichen im Bauprozess einen gemeinsamen Weg zu definieren.

Auch die Fachausstellung zieht Jahr für Jahr ein reges Interesse der Seminar-Teilnehmer auf sich.

ABZ: Stichwort Schnittstellen: Der VDBUM hat kürzlich einen Branchentreff zum Thema "digitale Standardisierung" veranstaltet. Dort haben Ihnen die Teilnehmer das Mandat erteilt, eine solche Web- beziehungsweise FMS-Schnittstelle zu erarbeiten. Was genau haben Sie hier vor?

Schnittjer: Zu der besagten Veranstaltung hatten wir zur Hälfte Anwender und zur Hälfte Herstellervertreter eingeladen. Gemeinsam mit ihnen wollten wir die Frage diskutieren, wie wir zu einer Standardisierung der Maschinendaten kommen. Diese Frage führt zwangsläufig dazu, dass man eine Schnittstelle definieren muss. Ein Großteil der Teilnehmer hat sich schließlich dafür ausgesprochen, dass wir uns als VDBUM in dieser Sache engagieren sollen. Dem wollen wir gerne nachkommen. Natürlich nicht allein, sondern in Zusammenarbeit mit Verbandspartnern. Hier gibt es bereits verschiedene Ansätze, die sich vor allem mit der Standardisierung von Telematik-Daten beschäftigen. Wir selbst haben uns bereits vor zehn Jahren dem Thema ISO-Zertifizierung angenommen. Seit der letzten bauma gibt es zudem einen Arbeitskreis MiC 4.0 unter Federführung des VDMA, in dem wir uns ebenfalls einbringen.

Die Telematik ist das eine. Klar definierte Standards in diesem Bereich sind die Voraussetzung für alles andere. Das, was wir auf unserem Branchentreff etwas provokant mit dem Titel "Standardisierung für Baumaschinen und Geräte im BIM-Prozess" angesprochen haben, geht jedoch noch einen Schritt weiter. Hier nehmen wir beispielsweise die Nutzung von Maschinendaten für die gesamte Baulogistik in den Blick. Für uns eines der größten Aufgabenfelder, in denen es in Zukunft überhaupt noch möglich sein wird, Geld zu verdienen. Da hilft uns Digitalisierung. Wenn ich beispielsweise einen Bauzeitenplan so legen kann, dass alle exakt sagen können, wie lange man für den Verladevorgang braucht; wie lange es dauert, bis der Autokran oder der Betonmischer da steht, wo er gebraucht wird etc. Wo finde ich meine Anbaugeräte, wo finde ich das Zubehör, das ich gerade brauche. All diese Dinge kann ich über ein sauberes Logistikkonzept steuern.

Da fällt die Telematik natürlich mit hinein, ist aber nur ein Teil des Ganzen. Ich möchte das mal so umschreiben: Der VDBUM hat durch die ISO-Norm eine einheitliche Sprache gefunden. Jetzt geht es aber um die Grammatik. Hier sind jetzt federführend die Hersteller gefragt.

ABZ: Nehmen Sie hier eine Annäherung bei den Herstellern wahr?

Schnittjer: Es gibt sicherlich noch gewisse Vorbehalte. Das gilt weniger für Telematik-Daten, sondern vielmehr für die Frage, auf welchen Wegen Hersteller die Daten ihren Kunden zur Verfügung stellen – über die Cloud, eine eigene Insellösung oder nur in der Maschine selbst. Das ist auch eine Frage der Möglichkeiten, die ein großer Konzern vielleicht eher als ein mittelständischer Hersteller hat.

Ein anderes Thema ist die Wahrung von Betriebsgeheimnissen. Hier kommen wir zu einem wirklich heißen Thema: dem Digitalen Zwilling. Wenn wir Maschinen oder Geräte mit ihren wesentlichen Leistungsdaten vollständig und einheitlich digital abbilden würden, dann könnte das enorme Effizienzvorteile für die Anwender bringen. Bauunternehmen oder Vermieter müssten dann beispielsweise nicht mehr mühsam alle Daten, die sie bekommen (oder eben auch nicht), händisch in ihr eigenes System übertragen. Mit nur wenig Aufwand ließe sich das Lagermanagement oder auch die Bauablaufplanung in den Unternehmen wesentlich vereinfachen.

Natürlich muss es dabei Beschränkungen geben. Es darf für die Hersteller kein Wettbewerbsnachteil entstehen, etwa indem sie ihre Maschinen mit allen Bauteilbeschreibungen komplett offen legen.

ABZ: Wird auch das Thema Nachwuchsförderung wieder eine Rolle spielen?

Schnittjer: Wir bieten auch in diesem Jahr wieder an, Studierenden und Meisterschülern über Patenschaften die Teilnahme am VDBUM Seminar zu ermöglichen. Das wird sehr gut angenommen. So gut, dass wir die Zahl der Patenschaften in diesem Jahr auf 50 begrenzt haben. Auch hier wollen wir uns nicht um jeden Preis steigern, sondern die Qualität in den Vordergrund stellen. Darüber hinaus werden wir auch in diesem Jahr wieder unseren Förderpreis vergeben. Hierfür haben wir erneut zahlreiche Einreichungen erhalten, unter denen ausgesprochen interessante Projekte sind. Die Jury hat in diesem Jahr eine wirklich harte Nuss zu knacken.

ABZ: 2021 wird das 50. VDBUM Seminar stattfinden. Denken Sie bereits über einen großen Jubiläumsakt nach?

Schnittjer: Das 50. Seminar wird nicht viel anders als das 49. oder das 51. Wir wollen die Veranstaltungen und ihre Teilnehmer nicht verschieden gewichten, nur weil wir selbst ein Jubiläum feiern. Eine Besonderheit haben wir uns dennoch überlegt. Wir werden 2021 keine Schwerpunktpartner haben. Stattdessen werden wir alle Partner, mit denen wir in der Vergangenheit eng zusammen gearbeitet haben, einladen, sich mit einem Vortrag zu beteiligen. Voraussetzung ist, dass der Partner den Vortrag zusammen mit einem Kunden hält. Das ist genau die Verbindung, für die der VDBUM steht, und das wollen wir zum Jubiläum gerne herausstellen.

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