Von oben nach unten anstatt hoch hinaus

Selbstkletterschalung im Einsatz

Köln (ABZ). – Ein Kölner Wahrzeichen wird 2021 verschwunden sein: Die Türme des ehemaligen Funkhauses der "Deutschen Welle" sollten zunächst gesprengt werden. Doch dann entschieden sich die Verantwortlichen dazu, die bis zu 138 m hohen Türme stattdessen von oben nach unten zurückzubauen.
Sowohl der Büroturm (l.) als auch der Studioturm wurden für den Rückbau ringsum mit dem Schutzschild Xclimb 60 von Doka eingehaust. Das gab den Mitarbeitern Sicherheit und verhinderte, dass Abbruchmaterial, Kleinteile und Staub herabfallen. Foto: Doka

Grund dafür waren Asbestbelastung und Bedenken benachbarter Anlieger. Um den Abbruch geordnet und sicher durchzuführen, setzen die Projektleiter auf die Expertise von Doka und auf die Selbstkletterschalung Xclimb 60. Die Schalungsexperten übernahmen die Planung und Montage der Schutzschildeinhausung und schulten die Mitarbeiter der BST Becker Sanierungstechnik GmbH in puncto Selbstklettertechnik.

Das Thema Abbruch gewinnt durch die fortschreitende innerstädtische Verbauung zunehmend an Bedeutung. Alte Gebäude werden rückgebaut, um für moderne Neubauten Platz zu schaffen. Im Gegensatz zum unkontrollierten Abbruch, der mit einer Abrissbirne oder durch Sprengung durchgeführt wird, erfolgen Rückbauarbeiten heutzutage oft in planmäßiger Manier, um benachbarte Gebäude zu schützen. Zudem werden die einzelnen Baustoffe beim geplanten Abbruch weitestgehend nach Sorten getrennt. Vor allem aber gilt es, die Mitarbeiter auf der Baustelle vor Lärm, Staub, herabfallenden Gebäudeteilen und Erschütterungen zu schützen. Aufgrund dieser Punkte haben sich die Verantwortlichen auch im Fall der "Deutschen Welle" für eine gezielte Demontage entschieden.

Die BST Becker Sanierungstechnik GmbH hat sich für das Großprojekt zu einer Zusammenarbeit mit Doka entschieden. Das ist eher ungewöhnlich, denn normalerweise werden die Schalungsexperten herangezogen, wenn es darum geht, Betongebäude zu errichten.

Doch mit dem Selbstklettersystem Xclimb 60 in Kombination mit dem Schutzschild Xclimb 60 liefert Doka ein System, das nach eigener Aussage sowohl die Anforderungen moderner Hochhausbaustellen als auch von Rückbauprojekten erfüllt.

Nachdem BST erstmalig eine solche Selbstkletterlösung inklusive Schutzschildeinhausung nutzen konnte, sei Doka nicht nur als Schalungslieferant gefragt gewesen und die Zusammenarbeit nahm ihren Lauf. "Mit den Kollegen aus Fertigservice und Schalungsvormontage, unseren Richtmeistern sowie den Spezialisten aus dem Projektmanagement und Technischen Büro bieten wir eine Rundum-Lösung, inklusive Beratung und Betreuung", erläutert Philip Haug, Projektingenieur bei Doka. Dadurch könnten auch Kunden, die noch keine Erfahrung in Klettertechnik hätten, die Lösung erfolgreich einsetzen.

Nach einer detaillierten Planung montierte der Doka-Service die Bühnen- und Einhausungselemente in transportgerechten Einheiten großflächig vor. Dabei handelte es sich um insgesamt 2800 m² Schildfläche. Die Endmontage auf der Baustelle und das Einhängen am Bauwerk übernahm das Team der Doka-Schalungsvormontage. Das Schutzschild Xclimb 60 hat die Abbruchebene vollflächig umschlossen, wodurch die BST-Mitarbeiter sowohl gegen Absturz als auch gegen Wind und Wetter geschützt waren. Integrierte Dichtsysteme in Form von passgenau zugeschnittenen Gummilippen zwischen den Schutzschilden beziehungsweise zum Gebäude hin haben das Herabfallen von Kleinteilen, Abbruchmaterial und Staub verhindert. Zudem sei die Lärmbelästigung stark verringert worden.

Die Montage verlief ohne Komplikationen und wurde innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen. Auch die Doka-Richtmeister waren vor Ort im Einsatz: Sie schulten das Baustellenpersonal im Rahmen der Operation Licence im Selbstklettern. Diese ist notwendig, um Selbstkletterschalungen zu betreiben.

Neben den Schalungspraktikern unterstützten auch die -techniker vor Ort. Sie planten jeden Kletterschritt auf- und abwärts sehr detailliert. Das war nötig, da die Stockwerke unterschiedlich hoch waren und die Zwischengeschosse größtenteils Überhöhe aufgewiesen haben.

Darüber hinaus entwickelten die Techniker in enger Abstimmung mit dem Kunden projektspezifische Sonderaufhängestellen, um die Schutzschilde am Bestand befestigen zu können. Denn während die Aufhängungen für die Schutzschilde beim klassischen Hochhausbau im Zuge der Betonage verhältnismäßig problemlos angebracht werden können, besteht die Herausforderung beim Rückbau darin, dass sie nachträglich montiert werden müssen. "Als Abrissunternehmen hatten wir bisher wenig bis gar keine Berührungspunkte mit Schalung", erinnert sich Michael Wagner, Bauleiter bei der BST Becker Sanierungstechnik. "Doch die Doka-Mitarbeiter haben uns bei Fragen zu den Abläufen jederzeit gut beraten und in jeglicher Form unterstützt, sodass wir Doka nur weiterempfehlen können."

Um auch das Aufwärtsklettern der Schutzschilde für die Demontage nutzen zu können, wurde die Fassade mit ihren bunten Aluminiumplatten und den asbestbelasteten Dämmmaterialien entfernt. Über Arbeitsplattformen, die sich direkt hinter dem Schutzschild befinden, gelangten die BST-Mitarbeiter an die Verkleidung der Außenstützen und Fensterelemente. Im Herbst 2019 stand dann der "Richtungswechsel" an: Beim Abwärtsklettern wurden der Stahlbau sowie die Stahlbetondecken und -kerne abgetragen.

Zwei Kräne ließen die herausgeschnittenen Decken- und Wandelemente auf den Boden herab, wo sie weiter zerkleinert, verarbeitet und zur Verfüllung der Kellergeschosse genutzt wurden. "Insgesamt haben die Schutzschilde an beiden Türmen 394 Klettermeter zurückgelegt", resümiert Haug. "Das entspricht in etwa der Höhe des Empire State Buildings."

Einhausung, Fassade und Gebäude "kletterten" auf diese Weise bis August 2020 Stück für Stück nach unten. 2021 sollen die Rückbauarbeiten abgeschlossen sein. Dann ist Platz für den Neubau eines Wohnareals mit 700 Wohnungen und begrünten Innenhöfen. Dann wird das einstige Kölner Medienwahrzeichen "Deutsche Welle" endgültig Geschichte sein.

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