Vorsprung ausnutzen

Nagelplattenkonstruktionen helfen Bauanträge termingerecht auszuführen

Schnell gefertigt und geliefert: Die fachwerkartige Gliederung von Nagelplattenbindern, ihre rasche Verfügbarkeit durch rationelle Vorfertigung in der Halle, die schier unbegrenzte Vielfalt realisierbarer Dachformen und die Möglichkeit, gemäß bauaufsichtlicher Zulassung Räume von bis zu 35 m Breite freitragend zu überspannen, machen Nagelplattenbinder für viele Dächer zu idealen Tragwerkselementen. Auch im Decken- und Wandbereich kommen Nagelplattenkonstruktionen immer häufiger zum Einsatz.

Ostfildern (ABZ). – Dachtragwerke, Holzrahmenwände und Geschossdecken lassen sich sicher, schnell und wirtschaftlich als Nagelplattenkonstruktion ausführen. In der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und dem Interessenverband Nagelplatten e. V. (GIN) sind 55 qualitätsbewusste Hersteller und Montagebetriebe zusammengeschlossen, die Gebäudeelemente aus Holz mit Nagelplattenverbindungen in der Halle vorfertigen und verbaubereit direkt auf die Baustelle liefern. Die Vorteile des minutiös getakteten Planungs- und Produktionsablaufs sind enorm: Gegenüber rein handwerklich hergestellten Tragwerken lassen sich mit vorgefertigten Nagelplattenkonstruktionen neben erheblichen Zeit- auch nennenswerte Kosteneinsparungen erzielen.

Sie sind hochwertig, nachhaltig, maßgenau und dennoch preiswert – Nagelplattenprodukte werden exakt nach den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Bauvorhabens bemessen. Im Verbund ergeben sie robuste Dachtragwerke, Innen- und/oder Außenwände sowie Geschossdecken, die Möglichkeiten zur besonders effizienten Integration gebäudetechnischer Versorgungsleitungen aller Art bieten. Das erleichtert und beschleunigt die Arbeit der Folgegewerke enorm. Davon profitieren sowohl der Auftraggeber als auch die ausführenden Handwerksbetriebe: Während sich ein verringerter Zeitbedarf für die Ausführung eines Gewerks kostenmindernd auf das Baubudget auswirkt, können Elektro- oder SHK-Handwerker mit ihrer Arbeit auf nachfolgenden Baustellen früher beginnen. Sie gewinnen somit Zeit, die sich ertragssteigernd einsetzen lässt.

Nagelplattenprodukte stehen auch wegen ihrer raschen Verfügbarkeit hoch im Kurs. Von der Beschaffung der benötigten Materialien – sortiertes Bauholz sowie Nagelplatten aus verzinktem Stahl als Holzverbindungsmittel – über deren Verarbeitung nach statischer Bemessung bis hin zur Montage im, am oder auf dem Bauwerk sind bei GIN-Mitgliedsunternehmen alle Arbeitsschritte lückenlos verzahnt. Dass neben Fertighausherstellern, konventionellen Hausbauunternehmen und Bauträgern immer mehr Dachdecker- und Zimmereibetriebe die Vorteile vorgefertigter Nagelplattenkonstruktionen nutzen, um Bauaufträge termingerecht und profitabel auszuführen, hat noch einen weiteren einleuchtenden Grund: Ein wesentlicher Vorteil der Zusammenarbeit mit GIN-Mitgliedsbetrieben ist, dass sie die statische Bemessung grundsätzlich im eigenen Hause vornehmen und dem Auftraggeber anbieten, sie als Inklusivleistung zur Einbeziehung in die Hauptstatik des Gebäudes mitzuliefern. Das beschleunigt den Bauablauf spürbar, denn das Hinzuziehen externer Dienstleister wird dadurch entbehrlich. Somit verringert sich der Abstimmungsbedarf schon in der Planungsphase – was das Budget entlastet und vermeidbare Ausgaben sparen hilft.

Dass von GIN-Mitgliedsunternehmen trotz schneller Lieferfähigkeit und günstiger Konditionen extrem robuste Tragwerkskonstruktionen kommen, die weit mehr als nur die Mindestanforderungen erfüllen, stellen strenge Qualitätsmaßstäbe sicher, die für alle Nagelplattenbinderhersteller im GIN gelten. Bauholz bspw., das zur Herstellung von Nagelplattenbindern verwendet werden soll, muss technisch getrocknet sein. Diese Vorgabe der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte zielt darauf, dass die mittlere Holzfeuchte unter 20 % liegt, bevor das Naturmaterial zu hochwertigen Bindern verarbeitet wird. Die technische Trocknung macht zugleich den Einsatz von chemischen Holzschutzmitteln in den Gebrauchsklassen GK 0 und GK 1 überflüssig.

Da bei GIN-Mitgliedern von der gebäudespezifischen Planung bis zur Lieferung der maßgenau vorgefertigten Nagelplattenprodukte alle Arbeiten in einer Hand liegen und auf Kundenwunsch auch die Montage vom Anbieter ausgeführt oder an einen für die Montage qualifizierten externen Handwerksbetrieb vergeben wird, können die wirtschaftlichen Vorteile für den Auftraggeber unterm Strich kaum größer sein. Für Hans Werner Backes, Obmann im Marketingausschuss des GIN, zählt der Einsatz von Nagelplattenkonstruktionen zu den effizientesten Maßnahmen, um am Bau die erforderliche Qualität zu garantieren und gleichzeitig die Kosten im Griff zu behalten. "Wer Gebäude aller Größen mit hochwertigen Dachtragwerken, Wandelementen und Zwischendecken wirtschaftlich und zeitsparend errichten will, kommt an maßgenau vorgefertigten Nagelplattenkonstruktionen kaum vorbei", resümiert der erfahrene Holzbauunternehmer.

Die fachwerkartige Gliederung von Nagelplattenbindern, ihre rasche Verfügbarkeit durch wettergeschützte Vorfertigung in der Halle, die schier unbegrenzte Vielfalt realisierbarer Dachformen, ferner die Möglichkeit, gemäß bauaufsichtlicher Zulassung Räume von bis zu 35 m Breite freitragend zu überspannen, machen Nagelplattenbinder zu idealen Tragwerkselementen für das Dach – und zwar unabhängig davon, ob es ich um ein Flachdach, ein flach geneigtes Dach, ein Schräg-, Sattel-, Pult-, Walm- oder Mansarddach handelt. Die Möglichkeiten zur kreativen, Aufsehen erregenden Formgebung sind praktisch grenzenlos und reichen von asymmetrischen kassettenartigen Dachformen bis hin zu elliptischen Fischbauchbindern.

Im Wandbereich – innen wie außen – kommen Nagelplattenkonstruktionen immer häufiger zum Einsatz. Zu ihren wesentlichen Vorteilen, von denen Hausbauunternehmen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels am Bau profitieren, zählt vor allem die kurzfristige Verfügbarkeit objektspezifisch maßgenau gefertigter Innen- oder Außenwände, die vorwiegend aus Holz bestehen und mit Nagelplatten als Holzverbindungsmitteln versehen sind. Von etlichen Herstellern im GIN werden sie als werkseitig montagebereite, anschlussfertig ausgeführte Wandtafeln angeboten und just-in-time zum Verbauzeitpunkt auf die Baustelle geliefert. Der Auftraggeber kann damit zügig weiterbauen, ohne Trockenzeiten, wie man sich vom Mauerwerksbau her kennt, einhalten zu müssen. Die Wandelemente können auf Wunsch werkseitig mit ausgedämmten Gefachen oder fassadenseitig beschichtungsbereit gedämmt geliefert werden.

Neben Wandtafeln, die das klassische Sortiment an Bindern für Dachtragwerke ergänzen, erfreuen sich aktuell besonders Zwischen- und Geschossdecken in Holz-Metall-Verbundbauweise zunehmender Beliebtheit. Diese Konstruktionen basieren auf Parallelträgern mit Nagelplattenstegen. Das Verbergen von Installationen hinter abgehängten Decken macht ihr Einsatz überflüssig, da sich Versorgungsleitungen aller Art in die Dämmebene der Deckenkonstruktion integrieren lassen. Die Folgegewerke Elektro und Sanitär werden mit ihrer Arbeit dadurch wesentlich schneller fertig; die Zeitersparnis beträgt durchschnittlich 30 %. Gegenüber Massivquerschnitten verzeichnen Parallelträger eine Gewichtseinsparung von bis zu 50 % und eine Materialeinsparung zwischen 12 und 53 %. Wer rechnet, kann sich eigentlich kaum noch für eine andere Deckenkonstruktion entscheiden.

Neben allen wirtschaftlichen, technischen und produktspezifischen Vorteilen, durch die sich Nagelplattenkonstruktionen auszeichnen, können sie höchst effektiv zur Lösung eines der gravierendsten Probleme beitragen, der sich die Wohnungswirtschaft in Deutschland seit geraumer Zeit gegenübersieht: der Wohnungsknappheit im urbanen Raum. Während auf dem Land geschätzt mehrere Hunderttausend Wohnungen leer stehen, fehlt eine ebenso große Anzahl in städtischen Lagen. Man mag sich über die Anziehungskraft der Metropolen wundern, pragmatisch und zügig gelöst werden muss das Problem des Wohnungsmangels allemal. Nagelplattenbinderkonstruktionen sind hierfür geradezu prädestiniert. Denn sie sind schnell objektspezifisch gefertigt und lassen sich per Kran problemlos auf Flachdächer hieven.

Jedes vierte Gebäude in Städten wie Bonn und Hannover kann potenziell aufgestockt werden, hat eine Marktforschung im Auftrag der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e. V. und des Interessenverbandes Nagelplatten e. V. im Jahr 2015 ergeben. Wenn man die dringend benötigten Aufstockungen nicht nur mit Dachtragwerken aus Nagelplattenbindern ausführt, sondern auch für die Innen- und Außenwände sowie für die Geschoss- bzw. Zwischendecken Nagelplattenkonstruktionen wählt, fällt der Zeitgewinn noch größer aus. Somit ließe sich das Defizit an Stadtwohnungen schneller als durch jede andere Art der Bauausführung ausgleichen, wobei der neu geschaffene Wohnraum aufgrund der bauartbedingten wirtschaftlichen Vorteile der Nagelplattenbinderbauweise vergleichsweise preiswert zu errichten ist.

Neue Wohnungen in attraktiven städtischen Lagen zu bauen, die auch für Normalverdiener und Familien mit Kindern bezahlbar sind, ist eine Herausforderung, die sich meistern lässt. Ein guter Grund für Hausbauunternehmen, Dachdecker- und Zimmereibetriebe, bei Bauvorhaben auf Nagelplattenkonstruktionen zurückzugreifen und sie für die Errichtung von Dächern, Wänden und Zwischendecken einzusetzen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 48/2017.

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