Wacker Neuson Vertriebsvorstand Jan Willem Jongert

"Das Potenzial für Wachstum ist nach wie vor groß"

Bagger und Lader
Jan Willem Jongert: "Für uns hört unsere Beratungsleistung nicht mit der Maschinenauslieferung auf, sondern fängt damit erst an."

Seit einem knappen halben Jahr ist Jan Willem Jongert bei Wacker Neuson als Vorstand zuständig für die Bereiche Vertrieb, Service, Logistik und Marketing. Seinen Einstand gab er auf der diesjährigen bauma in München. Nun steht bereits die GaLaBau in Nürnberg auf dem Programm. Was sich das Unternehmen von der grünen Leistungsschau erwartet und welche Aufgaben es darüber hinaus für die Unternehmensgruppe zu meistern gilt, darüber sprach ABZ-Redakteur Robert Bachmann mit dem neuen Vertriebsvorstand am Unternehmenssitz in München.

ABZ: Herr Jongert, Sie sind seit einem halben Jahr bei Wacker Neuson verantwortlich für Vertrieb, Logistik, Service und Marketing. Welche Schwerpunkte und Ziele setzen Sie sich bei der Fülle Ihrer Aufgaben in diesem Jahr?

Jongert: Es gibt ja bekanntlich immer viel zu tun. Nach mittlerweile fünf Monaten hier bei Wacker Neuson fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser. Es gibt zahlreiche Parallelen zu meiner früheren Arbeit, insbesondere bei Jungheinrich, aber auch zuletzt bei Schwarzmüller. Die Unterschiede sind dabei das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Die Branche ist hoch interessant und unsere Märkte bieten nach wie vor Potenzial, uns zu verbessern und zu wachsen.

Innerhalb der Wacker Neuson Group produzieren und vertreiben wir Premiummarken. Damit der Kunde den Mehrwert spürt, müssen die Prozesse und die Organisation auf Augenhöhe sein, worauf ich meinen persönlichen Fokus gelegt habe. Es werden heute auch in unserer Branche keine schlechten Maschinen mehr gebaut. Kunden gewinnt man heute mehr und mehr mit guten Dienstleistungen. Der One-Stop-Shop-Gedanke und die Maschinenverfügbarkeit spielen deshalb eine zunehmend wichtigere Rolle. Hier sind sowohl Schnelligkeit als auch Flexibilität gefragt. Wir werden die Themen Schritt für Schritt angehen und abarbeiten, damit unsere Kunden noch loyaler werden und wir sie zunehmend zu wahren Fans unserer Marken machen.

ABZ: Auf welche konkreten Dienstleistungen können ihre Kunden denn aktuell bereits bauen?

Jongert: Für uns hört unsere Beratungsleistung nicht mit der Maschinenauslieferung auf, sondern fängt damit erst an. Mit unserem flächendeckenden Vertriebs- und Servicenetz sind wir immer in der Nähe unserer Kunden. So sind wir beispielsweise in Deutschland an über 100 Vertriebs- und Servicestandorten mit eigenen Niederlassungen und Händlerpartnern vertreten. Unsere Service-Techniker und Monteure sind erstklassig geschult und ausgebildet – dafür sorgt unser eigenes Schulungszentrum, die Wacker Neuson Academy.

Unsere mobilen Service-Techniker kommen bei Bedarf zu Kunden auf die Baustelle und reparieren Maschinen direkt vor Ort. Dabei verwenden wir ausschließlich Original-Ersatzteile, die immer auf dem neuesten Stand der Technik sind – Passgenauigkeit und Funktion sind darüber hinaus garantiert.

Wir bieten darüber hinaus einen großen Pool an Gebrauchtmaschinen, die lückenlos gewartet sind. Alle in Zahlung genommenen Geräte werden eingehend geprüft, viele sind sogar scheckheftgepflegt. Mieten ist die ideale Ergänzung, wenn der kundeneigene Fuhrpark aufgrund vieler Aufträge an seine Grenzen gerät und Spitzen abgedeckt werden müssen. Die Miete bietet auch die Möglichkeit, neue Technologien wie unsere zero-emission-Produkte unverbindlich anzumieten und zu testen.

Dank der Vielzahl unterschiedlicher Finanzierungslösungen für alle neuen und gebrauchten Produkte ist es möglich, ganz gezielt auf individuelle Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen. In vielen Ländern arbeiten wir mit festen Partnern zusammen, die die spezifischen Anforderungen unserer Kunden kennen und ein maßgeschneidertes Angebot unterbreiten können.

In ausgewählten Märkten bieten wir seit Kurzem den Wacker Neuson E-Store an, einen digitalen Vertriebskanal, über den Kunden Geräte und Ersatzteile beziehen können. Auch in Deutschland sind wir damit seit Anfang des Jahres präsent. Damit sind wir für unsere Kunden rund um die Uhr erreichbar und bieten eine Ergänzung zum stationären Vertrieb.

ABZ: Demnächst steht die GaLaBau in Nürnberg auf dem Messekalender. Was erwarten Sie von dieser immer mehr an Bedeutung gewinnenden Leistungsschau für Ihr Unternehmen?

Jongert: Der Garten- und Landschaftsbau ist traditionell eine unserer Kernzielgruppen, denn sie kann nahezu unser gesamtes Angebotsspektrum einsetzen, was neben unserem umfangreichen Produktsortiment auch unsere Dienstleistungen einschließt. Gleichzeitig wächst die grüne Branche seit mehr als zehn Jahren stetig, wir spüren hier eine deutlich geringere Volatilität als in anderen Branchen. Der Garten- und Landschaftsbauer ist für uns dabei vor allem interessant, weil dieser gewohnheitsgemäß in Umgebungen arbeitet, in denen emissionsfreies Arbeiten gefragt ist. Daher erwarten wir uns in Nürnberg auch reges Interesse an unseren Produkten der zero-emission-Serie.

ABZ: Nun hat in diesem Jahr die bauma in München bereits ein Füllhorn an Neu- und Weiterentwicklungen auf den Markt gebracht. Welche Highlights können die Fachleute in Nürnberg trotzdem von Wacker Neuson erwarten?

Jongert: Wir sind auf der bauma mit unserer noch recht jungen zero-emission-Serie auf sehr positive Resonanz gestoßen. Auf der diesjährigen bauma hatten wir einen eigenen Bereich für diese Produktlinie und wurden förmlich überrannt von Besuchern, die ganz konkretes Kaufinteresse signalisiert haben. Nachdem sich die ersten Geräte und Maschinen nun in der Praxis beweisen, geht es natürlich darum, die Produkte am Markt zu etablieren. Entsprechend stellen wir unsere zero-emission-Serie auch auf der GaLaBau in den Mittelpunkt unseres Messeauftritts – was man wörtlich nehmen darf, denn wir werden die Produkte in der Messehalle in Aktion zeigen.

Außerdem präsentieren wir ausgewählte Neuheiten, die es bereits auf der bauma zu sehen gab und die eine hohe Relevanz für den Garten- und Landschaftsbauer haben, wie den kompakten Radlader WL28, der speziell auf die Anforderungen im Garten- und Landschaftsbau entwickelt wurde. Darüber hinaus werden wir einen Querschnitt unserer Verdichtungsplatten auf die Messe mitnehmen. Außerdem werden wir den ET16 präsentieren, ein weiterentwickelter 1,6-t-Bagger, der nun über eine zweite Fahrstufe verfügt sowie ein völlig neues Interieur, das noch mehr Komfort bietet. Nicht zuletzt wird Kramer seinen neuen 6-m-Teleskoplader präsentieren, der auf dem neusten Stand der Motorentechnologie ist.

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Auch bei Kramer wird bereits emissionsfrei gearbeitet. Der Elektro-Radlader 5055e (im Bild) erhielt auf der bauma 2016 den Innovationspreis in der Kategorie "Maschine". Fotos: Wacker Neuson

ABZ: Wie sind die Akku-Geräte denn in diesem Jahr bei den Kunden angekommen?

Jongert: Neue Technologien und Innovationen bedürfen im ersten Schritt natürlich immer etwas mehr Beratung und Erklärung als etablierte Produkte. Und genau das fordern unsere Kunden auch, das Interesse ist groß. Die Gründe, sich für ein batteriebetriebenes Produkt zu entscheiden, sind ganz unterschiedlich. So gibt es Bauunternehmer, die auch mit ihrem Fuhrpark signalisieren möchten, dass sie innovativ sind, Garten- und Landschaftsbauer, die schon von Berufswegen umweltbewusst handeln und andere Kunden möchten ihre Mitarbeiter vor Emissionen schonen. Immer häufiger gibt es Auflagen seitens der Kommunen und Stadtverwaltungen, die emissionsfreies Arbeiten fordern, im Innenbereich wiederum gibt es kaum Alternativen.

Unsere emissionsfreien Produktinnovationen stehen für besonderen Bediener- und Umweltschutz ohne Einbußen in der Leistung. Das heißt, dass die Leistungsparameter der batteriebetriebenen Maschinen denen vergleichbar großer Modelle mit Verbrennungsmotor in keiner Weise nachstehen.

Ein weiterer Vorteil sind die geringeren Betriebskosten aber auch Einsparungen bei der Wartung, da typische Wartungsarbeiten konventioneller Maschinen bei Elektromotoren entfallen und zudem weniger Verschleißteile verbaut sind.

ABZ: Eine neue Technologie ruft immer Skeptiker und Kritiker auf den Plan. Wird sich die Batterie- und Elektromotorentechnik – wie bereits schon im industriellen Bereich bei den Gabelstaplern – durchsetzen?

Jongert: Ich selbst war ja viele Jahre für einen Hersteller von Gabelstaplern tätig und bin absolut überzeugt davon, dass sich diese Technologie auch im Baumaschinen und Baugerätebereich durchsetzen wird. Wir stehen hier erst am Anfang, aber man kann schon sagen, dass die Nachfrage nach unserer zero-emission-Serie sehr hoch ist und sicherlich an einigen Stellen unsere Erwartungen übertroffen hat.

Was uns zugutekommt ist natürlich auch, dass sich die Akkus sehr schnell weiterentwickeln und rasant an Leistungsfähigkeit zunehmen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn das Gewicht des Akkus kritisch ist, wie bei unseren Akkustampfern. Aktuell arbeiten wir an einer längeren Laufzeit der Akkus, die wir bereits im ersten Halbjahr 2017 zur Marktreife bringen werden. Dadurch werden diese Produkte immer noch attraktiver.

Übrigens hat die BG Bau die beiden Akkustampfer mit dem EuroTest-Preis für besondere Arbeitssicherheit ausgezeichnet. Zudem fördert sie den Kauf der Akkustampfer mit einer sehr attraktiven Arbeitsschutzprämie.

Bei unseren beiden Radlader-Modellen ist das Akku-Gewicht wiederum von Vorteil, da wir im Lader sowieso mit Kontergewichten arbeiten und uns das Zusatzgewicht sogar noch ein Plus an Nutzlast bringt.

Der Kramer E-Lader wurde zur bauma mit dem Innovationspreis in der Kategorie Maschine ausgezeichnet, was uns wiederum bestätigt hat, dass der eingeschlagene Weg in die Elektromobilität richtig und zeitgemäß ist. Und für alle Skeptiker: wer nicht gleich in ein Elektro-Produkt investieren möchte oder einen Spezialeinsatz plant, kann sich völlig unverbindlich in unserem Mietpark in Zentraleuropa ein solches Produkt ausleihen. Wir sehen ein sehr hohes Wachstumspotential in dieser Technologie und werden unsere zero-emission-Serie deshalb konsequent ausbauen.

ABZ: Politische und finanzielle Krisen belasten seit einigen Jahren erheblich den Weltmarkt. Wie steuert Wacker Neuson auf den für das Unternehmen relevanten Märkten dagegen?

Jongert: Es ist richtig, dass die Konjunkturzyklen immer kürzer werden und die Unsicherheit auf den Märkten zunimmt. Die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern hängt stark ab von den jeweils vorherrschenden politischen Rahmenbedingungen, z. B. in Frankreich und Russland oder zuletzt UK und in der Türkei, von der Entwicklung des Ölpreises, z. B. für Kanada und die USA, sowie von der Preisentwicklung für Commodities wie Kupfer, Stahl, Mineralien und Lebensmittel, insbesondere Milch, Getreide und Mais. All diese von uns kaum beeinflussbaren Faktoren sind Treiber unseres Geschäftes, da sie die Kaufkraft und damit die Investitionsneigung unserer Kunden beeinflussen.

Europa ist mit wenigen Ausnahmen (z. B. Russland, UK, Türkei) stabil bis gut, die Nachfrage in den USA ist solide, Kanada jedoch schlecht, vor allem liegt die Öl- und Gasbranche am Boden. Südamerika und Australien erholen sich leider nur sehr langsam. China und Indien entwickeln sich zwar für uns gut, da wir dort eher mit Baugeräten aktiv sind, die Hersteller von Großmaschinen haben es aber weiterhin schwer. Auch die europäische Landtechnikbranche ist noch immer rückläufig. Vor allem in Mittel- und Nordeuropa hält die geringe Investitionsbereitschaft der Landwirte an.

Doch auch wenn die Vorzeichen für 2016 nicht mehr so erfreulich sind wie noch vor einem Jahr, so gibt es weiterhin einen hohen Bedarf an Infrastrukturinvestitionen sowie Modernisierung und Sanierung weltweit. Zudem haben wir wie schon eingangs erwähnt auch in den gut laufenden Märkten noch ausreichend Potential, um wachsen zu können. So rechnen wir damit, dass wir im Bereich des Neumaschinenverkaufs, aber vor allem auch im Bereich der Dienstleistungen auch in Zentraleuropa noch deutlich zulegen können.

ABZ: Wacker Neuson und Caterpillar haben kürzlich ihre strategische Allianz bei der Produktion von Kompaktbaggern aufgekündigt. Kam diese Entwicklung überraschend für Sie?

Jongert: Das ging auf die Initiative von Caterpillar zurück und hat strategische Gründe. Caterpillar beabsichtigt, Minibagger unter 3 t Betriebsgewicht künftig selbst zu entwickeln und herzustellen. Damit sollen vorhandene Werke besser ausgenutzt werden.

Beide Seiten blicken positiv auf eine erfolgreiche und partnerschaftliche Zusammenarbeit zurück. Die Allianz nutzte beiden Partnern und führte zu sehr guten Ergebnissen für beide Häuser in dem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld der Minibagger. Wir werden noch bis Ende 2019 ausgewählte Minibaggermodelle im Rahmen einer OEM-Lieferbeziehung an Caterpillar liefern.

Bagger und Lader
Hinsichtlich der Leistungsparameter stehen die elektrisch betriebenen Maschinen denen vergleichbar großer Modelle mit Verbrennungsmotor in keiner Weise nach.

ABZ: 2015 war ein Rekordjahr. Was erwarten Sie für das laufende Geschäftsjahr?

Jongert: Unser Ausblick für 2016 war und ist gemischt: Es gibt Märkte und Branchen, die uns positiv stimmen, aber eben auch negative Entwicklungen, die unseren Optimismus trüben. Wir mussten erst Anfang August unsere Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr, vor allem wegen eines eingetrübten Ausblicks auf das zweite Halbjahr senken. Zwar konnten wir im zweiten Quartal 2016 mit einem Umsatz von 381,4 Mio. Euro nahezu den Rekordumsatz des Vorjahres erreichen. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag mit 697,8 Mio. Euro jedoch um 1,2 % hinter dem Vorjahr.

In Europa sorgen derzeit Risikomärkte wie Russland,, Türkei und zuletzt auch Großbritannien zunehmend für Unsicherheit. Auch ist zum Start in das zweite Halbjahr noch keine nachhaltige Erholung der europäischen Landtechnik in Sicht. Gleichzeitig ist die Marktschwäche in Nordamerika hartnäckiger als erwartet und die Erholung vieler Wachstumsmärkte lässt weiter auf sich warten.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns dazu entschieden, die Prognose für das Gesamtjahr zu senken. Wir gehen nun von einem Umsatz zwischen 1.375 und 1.425 Mio. Euro (bisher: 1.400 bis 1.450 Mio. Euro) und einer EBIT-Marge zwischen 6,5 und 7,5 % (bisher: 7 bis 8 %) aus.

In Europa, wo wir einen Großteil unserer Umsätze generieren, stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 6 % zum Vorjahr. Die Umsätze in der Region Amerikas sanken jedoch um 14 % und in Asien-Pazifik um 31 % zum Vorjahr. Jedoch halten wir weiterhin an unserer Internationalisierungsstrategie fest und investieren gezielt. So haben wir im April einen Montagestandort in Itatiba, São Paulo (Brasilien) eröffnet, wo mobile Generatoren für den regionalen Markt hergestellt werden.

Im Juni wurden Verträge für den Neubau eines Produktionswerkes in Pinghu, etwa 30 km von Shanghai (China) entfernt, unterzeichnet. Hier sollen ab Q1/2018 Kompaktbagger für den lokalen Markt hergestellt werden.

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