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Wasserdurchlässige Befestigung

"Neue Mitte" eines Stadtteils wurde mit Stuttgarter Sickerstein gestaltet

Das bisher vielgliedrige Kinder- und Jugendhaus wurde zu Gunsten einer klaren stadträumlichen Zonierung und einer einfachen Orientierung der Freiräume baulich arrondiert.

Stuttgart-Neugereut (ABZ). – Eine breit angelegte Treppenanlage ist Bestandteil eines Projektes im Stuttgarter Stadtteil Mühlhausen. Sie soll ein Treffpunkt für alle Generationen sein und zum Verweilen anregen. Mit dem Bund/Länder-Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt" werden seit 1999 nicht nur städtebauliche Maßnahmen unterstützt, sondern mit Blick auf ein ganzheitliches Sanierungsziel wirtschaftliche, ökologische, soziale und kulturelle Projekte gefördert. Die städtebaulichen Investitionen fließen in das Wohnumfeld, in die Infrastrukturausstattung sowie in die Qualität des Wohnens und sollen damit für mehr Generationengerechtigkeit sowie Familienfreundlichkeit im Quartier sorgen. Ziel ist es, die Chancen der dort Lebenden auf Teilhabe und Integration zu verbessern und v. a. lebendige Nachbarschaften wie auch den sozialen Zusammenhalt zu fördern. Bis Ende 2017 wurden 891 Gesamtmaßnahmen in 513 Städten und Gemeinden in das Programm aufgenommen. In den Genuss der Förderung kam 2008 auch Neugereut, der jüngste Teil des Stadtbezirks Mühlhausen im Norden von Stuttgart. Dieser zwischen 1969 und 1977 entstandene Stadtteil wurde damals mit Mehrfamilien-, Reihen- und Hochhäusern bebaut; die öffentlichen Infrastruktureinrichtungen waren inzwischen in die Jahre gekommen. Auf Basis eines grundlegenden Konzepts der Stuttgarter Landschaftsarchitekten von Planstatt Senner für das innere Wegenetz in Neugereut setzten die Verantwortlichen bei der Sanierung der "Neuen Mitte" auch auf den Stuttgarter Sickerstein.

Nach rd. 30 Jahren Betriebszeit war das Kinder- und Jugendhaus in Neugereut in wesentlichen Teilen stark sanierungsbedürftig. Nicht nur das Raumprogramm bedurfte aufgrund geänderter Anforderungen der Betreiber und Nutzer einer Erneuerung; auch die Situation um das bestehende Haus zeigte sich unübersichtlich und es fehlten klare, helle und freundliche Außenräume. Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen der Stadt im Jahr 2013 zu einer grundlegenden Sanierung des gesamten Areals; den zu diesem Zweck ausgelobten Architektenwettbewerb gewannen die Stuttgarter Architekten bez+Kock mit Wiederkehr Landschaftsarchitekten. Klaus Wiederkehr, Freier Landschaftsarchitekt aus Nürtingen, beschreibt das Vorhaben: "Ziel war es, städtebaulich für Neugereut eine Neue Mitte und in diesem Rahmen auch ein neues Konzept für den Baukörper zu schaffen. Das bisher vielgliedrige Kinder- und Jugendhaus sollte zu Gunsten einer klaren stadträumlichen Zonierung und einer einfachen Orientierung der Freiräume baulich arrondiert werden. Die Funktionsbereiche sollten so in das Gebäude einsortiert werden, dass Funktion und vorgelagerter Freibereich sich gegenseitig bereichern." Dabei sollte das neue Bürgerhaus drei Generationen gemeinsamen Raum bieten; ein Haus für alle, aber auch Freiraum für jede Generation. Deshalb wurden die Eingänge zu den einzelnen Bereichen – Erwachsene /Jugend/Kinder – auf zwei Ebenen und drei unterschiedlichen Bereichen angeordnet. Der Eingang des Bürgerhauses befindet sich auf der Ebene der Einkaufspassage, genau richtig, um hier im vorgelagerten Café zu verweilen und sich auszutauschen. Auf dieser Ebene befindet sich auch die neue Stadtteilmitte: der Marktplatz, die Fußgängerzone und der Eingang zum Ökumenischen Gemeindezentrum.

Der Eingang zum Jugendhaus liegt ein Geschoss tiefer, auf der Gartenebene. Eine breit angelegte Treppenanlage vermittelt zum unteren Platzniveau und ersetzt die früher vorhandene bauliche Barriere. Ihre Ausbildung als Sitztreppe regt zum Verweilen an, spontane Aufführungen werden möglich, die Treppe wird zum Auditorium im Freien, zum generationsübergreifenden Treffpunkt. Der Zugang zum Jugendbereich sowie der Zugang zu den Jugendräumen des ökumenischen Gemeindezentrums erfolgt vom unteren Platzniveau. Die barrierefreie Verbindung der beiden Platzniveaus erfolgt über eine Rampe entlang des ökumenischen Gemeindezentrums. Auf diese Weise wird nun auch den Bewohnern des angrenzenden Altenheimes St. Monika ein barrierefreier Zugang zu Marktplatz, Gemeindezentrum und Fußgängerzone ermöglicht. Auf der Nordseite des Hauses ist ein Kinderspielbereich in ein Rasenfeld eingelassen. Der nach Osten orientierte Werkhof des Jugendhauses wird um ein Spielfeld ergänzt. Durch die ansteigende Topographie ergibt sich eine geborgene Situation sowie erhöhte Zuschauerplätze, die durch eine Einfassung mit Bäumen gestärkt wird. Die südöstlich vorhandenen Bäume werden zu einer Baumreihe ergänzt, die die angrenzende Wohnbebauung von den Passanten abschirmt. Die beiden Balustraden an der Südwest- und Südostecke des Hauses versinnbildlichen die Nutzungsvielfalt des Hauses: zum Südwesten hin entsteht ein exponierter Freisitz für das Bistro, während nach Nordosten hin ein kleiner kontemplativer Garten der Stille dem Raum der Stille vorgelagert wird.

Bedeutend für die Planer war die Wahl des Materials für die neu zu pflasternden, etwa 4500 m² umfassenden Flächen. Hierzu die Koordinatorin der "Neuen Mitte", Karin Lauser vom Stuttgarter Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung: "Die Gestaltung und Möblierung der Freiraumbereiche erfolgte auf Basis des vom Gemeinderat beschlossenen inneren Wegekonzeptes. So war vorgesehen, das rote Porphyrband als Orientierungsleitlinie für Behinderte und die Sitzbänke zu übernehmen, an die Plätze anzubinden und weiterzuführen. Für die angrenzenden Gehwege wird das vorhandene Verbundpflaster weiterverlegt. Die Plätze erhalten einen befahrbaren Belag aus Betonpflaster, richtungslos im wilden Verband (20/20 und 20/30) verlegt." Entscheidend war für die Planer, dass es gelingt, das gesamte Areal optisch in einen ruhigen Rahmen zu setzen und dass das verwendete Material die geforderten Werte an die Regenwasserversickerung erfüllt.

Gemäß der grundlegenden Planung für das "Innere Wegenetz Neugereut" des Büros Planstatt Senner entschieden sich die Verantwortlichen für eine wasserdurchlässige Befestigung der Plätze und Ebenen mit dem bewährten Stuttgarter Sickerstein der Adolf Blatt Betonwerke aus Kirchheim am Neckar. Laut Klaus Wiederkehr setzt die Landeshauptstadt Stuttgart auf öffentlichen Flächen konsequent auf ökologisch wirksame Befestigungssysteme: "Für die Gestaltung der Neuen Mitte hat der Hersteller des Pflasters, Adolf Blatt, in Abstimmung mit dem Bauherrn und den Planern einen auf die Farbe des Bürgerhauses abgestimmten, wärmeren Zuschlagsstoff für die Fertigung der Steine verwendet. Aufgrund der dezent grauen Farbgebung und der für einen wasserdurchlässigen Stein feinen Oberfläche, wirkt die Fläche sehr ruhig und hochwertig. Dadurch gelingt es, dem Areal über die Pflasterflächen auch neue Blickbeziehungen und eine neue Identifikation sowie eine klare Ordnung und Orientierung zu verleihen", so Wiederkehr.

Den Nachweis für die Wasserdurchlässigkeit konnte der Betonsteinhersteller bereits auf zahlreichen anderen Baustellen in der Umgebung bei ähnlichen Bodenverhältnissen mit einem Infiltrometer erbringen. Messungen ergaben einen Wasserdurchlässigkeitswert von 5,4 x 10 -5 m/s; dies bedeutet, dass es auch bei einem stärkeren Regenereignis kaum zu einem Oberflächenabfluss kommen wird.

Was Karin Lauser besonders freut: "Der gesamte Planungsprozess des Projektes war von einer starken Bürgerbeteiligung geprägt. So war es uns möglich, von Anfang an die Ideen und Wünsche der Bürger aufzugreifen und in die Planung zu übernehmen."

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 17/2019.

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