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Wasserorientierte Stadtplanung

Mall präsentiert Konzepte zum Umgang mit Starkregen

Von Robert Bachmann

Vor Ort auf dem Gelände der Lokhalle Freiburg konnten die Fachjournalisten einen Einblick in den dort verbauten Sickertunnel "CaviLine" gewinnen.

Freiburg. – Der Klimawandel stellt die Gesellschaft vor immense Herausforderungen. Dazu gehört, zum einen, ihn durch rigorose CO2-Vermeidung zu bekämpfen, zum anderen, mit den Folgen umzugehen, die schon heute spürbar sind: Hitze, Trockenheit und immer häufigere Starkregenereignisse.

Eine zentrale Rolle spielen dabei das Bau- und Planungswesen sowie Anbieter von Systemen für die Regenwasserbewirtschaftung. Vor diesem Hintergrund hatte die Mall GmbH kürzlich Vertreter der Fachpresse nach Freiburg geladen, um über intelligente Konzepte für den Umgang mit Starkregen in Theorie und Praxis zu informieren.

Covid-19 ist auf nahezu allen Nachrichtenkanälen derzeit DAS beherrschende Thema. Zu den negativen Folgen der Pandemie gehört auch, dass sie andere, mitunter noch schwerwiegendere Herausforderungen für die Gesellschaft temporär in den Hintergrund drängt. Dazu gehört insbesondere der Klimawandel. Während die Industrie einerseits fieberhaft nach Konzepten zu seiner Eindämmung, sprich zur Vermeidung von CO2, sucht, müssen andererseits Antworten auf die Frage gefunden werden, wie wir künftig mit den zunehmend spürbaren Folgen der Erderwärmung umgehen werden.

Dazu gehören längere Hitze- und Trockenheitsperioden im Sommer auf der einen Seite sowie häufigere und immer intensivere Starkregenereignisse auf der anderen Seite. Hinzu kommt die zunehmende Versiegelung von Flächen, vor allem im städtischen Raum. Antworten auf diese Probleme kann nur eine wasserorientierte Stadtplanung liefern, wie sie Experten seit Jahren fordern. Das zentrale Element dabei ist die sogenannte dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, die die Versiegelung neuer Flächen stoppt, Abwasserkanäle entlastet und Trinkwasservorräte schont.

Weg vom Kanal, hin zu einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung: Genau diese Botschaft stand im Mittelpunkt der Presseveranstaltung, zu der Mall rund 30 Fachjournalisten aus der Wasser-, Bau- und Umweltbranche sowie der Tagespresse in die Lokhalle Freiburg geladen hatte. Der Veranstaltungsort bildete zugleich ein eindrucksvolles Referenzprojekt der Mall GmbH: Das anfallende Niederschlagswasser von den Dach- und Hofflächen des gesamten Gebäudekomplexes wird künftig in zwei unterirdischen Anlagen zunächst behandelt und anschließend in insgesamt fünf Rigolen aus Stahlbetontunneln versickert. Dazu später mehr.

Umdenken zwingend erforderlich

Seit Jahrzehnten bekannt und mittlerweile in den (allermeisten) Köpfen der Menschen angekommen: Der Klimawandel ist real, seine rapide Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit zum größten Teil menschengemacht und seine schädlichen Folgen für Mensch, Umwelt und Wirtschaft sind schon heute in vielfacher Weise zu spüren. Als anerkannte Experten aus Siedlungswasserwirtschaft und Versicherungsbranche beleuchteten Prof. Dr. Heiko Sieker von der gleichnamigen Ingenieurgesellschaft aus dem brandenburgischen Hoppegarten und Dr. Tim Peters von der Westfälischen Provinzial Versicherung Starkregenereignisse, ihre Entstehung, Folgen und erforderliche Maßnahmen aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven.

Die Referenten der Veranstaltung in Freiburg (v. l.): Markus Grimm (Mall GmbH), Prof. Dr. Heiko Sieker (Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH), Dr. Tim Peters (Westfälische Provinzial Versicherung AG), Martin Lienhard (Mall GmbH) und Markus Böll (Mall GmbH).

Übereinstimmend forderten die Referenten den verstärkten Einsatz dezentraler Maßnahmen, um die bestehenden Entwässerungssysteme nicht zu überfordern. Wenn Regenwasser am Ort seines Anfalls zurückgehalten wird, kann es in Gärten und Parks über die Oberfläche versickern und im Boden gespeichert oder in Zisternen gesammelt und zur Gartenbewässerung in Trockenperioden genutzt werden.

Dass Starkregen für Gebäude- und Grundstückseigentümer schnell existenzbedrohend werden kann, zeigte Dr. Tim Peters in seinem Vortrag anhand von eindrücklichen Beispielen von Schäden und Kosten nach Starkregenereignissen. Aktuelle Umfragen zeigen allerdings, dass Hausbesitzer das Risiko von Gefahren durch die Natur – und hier vor allem das Risiko durch Starkregen – nach wie vor stark unterschätzen. Versicherer erstellen deshalb aus den Landformen und der Nähe von Bächen Starkregengefährdungsklassen und berechnen so das Risiko für einzelne Standorte.

Die gute Nachricht: Potenzielle Starkregenschäden können durchaus zu rationalen Preisen versichert werden, so der Experte. Die schlechte Nachricht: Im Gegensatz zu lokal eingrenz- und abschätzbaren Überschwemmungsrisiken liegt das auch daran, dass Starkregenereignisse relativ willkürlich auftreten. Vereinfacht gesagt können sie jeden treffen.

Ein klares Plädoyer für die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung hielt Prof. Dr. Heiko Sieker. Er sieht die großen Herausforderungen für unsere Städte in zunehmender Trockenheit, der dadurch entstehenden urbanen Hitze, häufigeren Starkregenereignissen sowie weitergehender Versiegelung durch wachsende Städte. Das Wasser nur abzuleiten, verschärfe jedoch die Hochwassergefahr nur und entziehe der Landschaft Wasser, so Sieker.

Mit dem Konzept der sogenannten "Sponge City" (dt.: Schwammstadt) stellte Sieker einen möglichen Weg für eine zukunftsfähige Siedlungswasserwirtschaft vor. Das Konzept basiert darauf, dass Regenwasser in Städten lokal aufgenommen und gespeichert wird, anstatt es einfach abzuleiten. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten der dezentralen Wasserbewirtschaftung genutzt, allem voran über die ganze Stadt verteilte Versickerungsflächen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen. Dies soll Überflutungen vermeiden, das Stadtklima verbessern und auch die innerstädtische Vegetation fördern.

Im Stadtquartier Rummelsburger Bucht in Berlin ist die "Sponge City" bereits Realität. Und das seit etwa 20 Jahren, wie der Experte erklärt. Über solche Leuchtturmprojekte hinaus gäbe es jedoch noch einigen Handlungsbedarf. Zwar sehe die Gesetzeslage schon länger Maßnahmen zur dezentralen Entwässerung vor, in den entsprechenden Regelwerken komme das Thema jedoch kaum bis gar nicht vor.

Paradigmenwechsel erkennbar

Erstmals vorgestellt wurde in Freiburg eine aktuelle Marktbefragung der Mall GmbH zum Umgang mit Regenwasser in Deutschland, Österreich und der Schweiz. An dieser hatten nach Unternehmensangaben im Sommer 2020 insgesamt 5079 Personen aus Architektur- und Ingenieurbüros, Handwerk, Behörden, Hochschulen und dem Baustofffachhandel teilgenommen. Ein Umdenken sei in der Branche durchaus zu erkennen, sagte Markus Böll, Pressesprecher der Mall GmbH, der die Ergebnisse der Umfrage präsentierte. 76 Prozent der befragten Architekten, Ingenieure und Behördenvertreter sehen demnach die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung positiv.

Im Rahmen eines Baustellenbesuchs demonstrierte Mall den Einbau eines Regenspeichers des Typs "Reto".

98 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten, dass die Nachfrage nach Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung steigen wird oder zumindest gleich bleibt.

Die ungleiche Verteilung des Regenwassers spiegelt sich auch in den Topthemen der Zukunft wider: In der Umfrage stehen der Umgang mit Starkregen und das Thema Regenwassernutzung bei den Befragten ganz oben. Den Ausgleich zwischen Wasserüberschuss und Wassermangel sehen 69 Prozent der Befragten als größte Chance bei den Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung an. Im Vergleich zu einer von Mall 2015 durchgeführten Umfrage bei Planungsbüros haben dabei die Bereiche Versickerung, Rückhaltung und Nutzung mit jeweils plus 5 bis 10 Prozent deutlich an Bedeutung gewonnen.

Referenzprojekte

Der Veranstaltungsort bot zugleich die Gelegenheit, eine Möglichkeit der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in der Praxis zu begutachten. Denn genau dort, in der Lokhalle Freiburg, wurde erst vor Kurzem eine neue Mall-Lösung, der Sickertunnel "CaviLine", verbaut.

Die Regenwasserentwässerung der gesamten Hof- und Dachflächen erfolgte bislang über den öffentlichen Kanal. Im Zuge der Sanierung des 1905 erbauten, ehemaligen Bahnbetriebswagenwerks war die Auflage der Baubehörden, dass das Regenwasser des gesamten Areals künftig vor Ort versickert wird. Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung bei Mall, zeigte bei der Veranstaltung in Freiburg, wie die Anlage anhand der Wasserdurchlässigkeit des Bodens und des erforderlichen Rückhaltevolumens bemessen wurde und welche Anlagenteile nun dafür sorgen, dass das Regenwasser zunächst behandelt wird und anschließend unter den Parkflächen der Lokhalle langsam versickern kann.

Hierfür wurden zunächst die vorhandenen Schmutzwasser- und Regenwasserleitungen voneinander entkoppelt, damit über die neue Anlage nur das Regenwasser versickert wird. Aufgrund der großen Dach- und Hofflächen kamen zwei Versickerungsanlagen zum Einsatz, eine nördlich und eine südlich des Gebäudes. In beiden Fällen wurde zusätzlich eine entsprechende Vorbehandlung in Form eines Substratfilters eingerichtet.

Die eigentlichen Sickertunnel bestehen aus fünf Rigolen, die wiederum aus 52 Tunnelelementen zusammengesetzt sind. Die Ausführung einer solchen Anlage aus Stahlbeton bietet aus Sicht von Mall sowie des verantwortlichen Projektbetreibers verschiedene Vorteile. Dazu gehört unter anderem, dass die Anlage zu Wartungs- und Reinigungszwecken begangen und auch mit Schwerlastwagen, zum Beispiel SLW 60, befahren werden kann. Sie kann einfach und schnell eingebaut werden. Die Bauteile sind vorgefertigt, der Montageaufwand und die Kosten sind gering.

Dass nicht nur im gewerblichen Bereich ein Umdenken stattfindet, sondern zunehmend auch private Bauherren auf eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung setzen, zeigte Mall anhand eines weiteren Bauprojekts in Freiburg. Beim Bau eines Eigenheims entschied sich das Bauherrenpaar, einen Regenspeicher des Typs "Reto" von Mall einzubauen. Die hier verbaute Ausführung ist mit 12 Kubikmetern die größte Lösung, die Mall für diesen Einsatzbereich und -zweck im Angebot hat. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit würden jedoch auch immer größere Lösungen nachgefragt, erklärte Unternehmenssprecher Markus Böll.

Das Mischsystem vereint Nutzung und Rückhaltung von Regenwasser. Vergleichbar mit öffentlichen Regenrückhaltebecken schafft der Regenspeicher regelmäßig freies Rückhaltevolumen für den nächsten Niederschlag, in dem er über eine sogenannte Abflussdrossel das gesammelte Regenwasser verzögert in die Kanalisation ableitet. Dabei bleibt seine Funktion als Vorratsspeicher bestehen.

Wie schnell das System eingebaut ist, konnten die anwesenden Journalisten direkt vor Ort begutachten. In kürzester Zeit wurde die Betonzisterne per Lkw-Kran in die ausgehobene Baugrube abgelassen. Direkt im Anschluss wurde der Behälterdeckel auf den Zisternenkörper gesetzt und verschraubt. Sobald das noch im Bau befindliche Haus fertig ist, kann der Regenspeicher seine doppelte Entlastungsfunktion für die örtliche Kanalisation sowie die Wasserrechnung der Eigenheimbesitzer aufnehmen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 44/2020.

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