Weltpremiere

Erstmals Lichtbeton in einem salzwasserhaltigen Umfeld eingesetzt

Fast schon mystisch wirkt der Salzkristall aus Lucem Beton.

Bad Staffelstein (ABZ). – Die Obermain Therme in Bad Staffelstein ist Bayerns wärmste und stärkste Thermalsole. Mehr 1600 m² Wasserfläche und mehr als 15 000 m² Saunalandschaft laden zum Verweilen ein. Im Rahmen einer groß angelegten Modernisierung der Badehalle wurde auch das Innenbecken umgestaltet. Das buchstäbliche Highlight bildet nun eine Grotte in Form eines stilisierten Salzkristalls aus Lucem Lichtbeton, die mit beeindruckenden Farbwechseln, sanften Klängen und zahlreichen Massagedüsen für eine völlig neue Wohlfühlatmosphäre sorgt.

Das ursprüngliche Innenbecken der Obermain Therme Bad Staffelstein verfügte u. a. über eine Naturstein-Grotte mit Kunst-Palmen. Diese war bei den Besuchern aufgrund der heimeligen Atmosphäre sehr beliebt. Im Zuge der Modernisierung der Badhalle sollte die Grotte das Thema Thermalsole auch optisch aufgreifen und zu einem stilisierten Salzkristall werden – beschwimmbar und von innen und außen leuchtend, quasi aus sich heraus strahlend. Für dieses Vorhaben wählte das planende Architekturbüro Krieger Architekten Ingenieure GmbH, Velbert, Lichtbeton als perfekt geeignetes Material. Denn der transluzente Beton verbindet eine optisch ansprechende und im Thermalbereich resistente Oberfläche mit der Lichtleitung durch tausende feiner, eingebetteter lichtleitender Fasern. Im Resultat strahlt der Lichtbeton bei entsprechender Hinterleuchtung von innen heraus. So plante die Projektleiterin von Krieger Architekten Ingenieure, Sonja Baumeister, und ihr Team für das 170 m² große Erlebnisbecken mit Düsen, Wasserfall und Ausschwimmkanal einen Körper aus Lucem Lichtbeton, der einen Teil des Beckens von ca. 7 x 5 m überspannt. Für die Außenhülle des stilisierten Salzkristall-Körpers kamen rund 200 m² Lichtbeton zum Einsatz. Inmitten der doppelwandigen Konstruktion auf einem Stahlrahmen befindet sich eine frei programmierbare LED-Lichttechnik, mit der sich verschieden farbige Lichtstimmungen und das Leuchten von innen heraus realisieren lassen. Auch das Wasser im Becken kann mittels einer von der Lichtbeton-Grotte unabhängig programmierbaren Beleuchtung in unterschiedliche Farben getaucht werden. Ob farblich synchron oder im Farbkontrast zum stilisierten Salzkristall-Objekt aus Lichtbeton – das Zusammenspiel der Lichteffekte schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Krieger Architekten Ingenieure mit einer mehr als 50-jähriger Erfahrung im Bäderbau haben mit diesem Projekt ein absolutes Novum realisiert – eine weltweite Premiere sozusagen. Denn erstmals kam mit dem Salzkristall-Projekt Lichtbeton in einem öffentlichen Schwimmbad zur Anwendung.

Die Obermain Therme in Bad Staffelstein verfügt über einen der höchsten Sole-Gehalte im Wasser aus eigenem Brunnen. Das Erlebnisbecken mit dem Lichtbeton-Salzkristall hat einen Solegehalt von 3,5 % und ist damit vergleichbar mit Meerwasser. Entsprechend musste der Stahlrahmen als Tragwerk seewasserfest ausgeführt werden. Hierfür kam Feuerverzinken nach Norm DIN EN ISO 1461 in Kombination mit einem Beschichtungssystem für die Korrosivitätskategorie C 5-H nach DIN EN ISO 12944-5 zum Einsatz. Demgemäß musste der Stahlrahmen zunächst als Schweißkonstruktion gefertigt werden, anschließend komplett feuerverzinkt und im nächsten Schritt mit einer Schichtdicke von 320 µm grundiert werden. Schließlich wurde der Stahlrahmen zwei Mal mit jeweils wieder mindestens 320 µm beschichtet, letztmalig nach der Montage auf der Baustelle. Die Beschichtung wurde durch einen Fachbetrieb ausgeführt.

Das Gebilde kann dank LEDs in verschiedenen Farben erstrahlen.

Für die Detailplanung des neuen Lichtbeton Salzkristall-Objektes war die Ingenieurgesellschaft Lievens und Partner mbH verantwortlich. Im ersten Schritt galt es, die geplante schiefwinklige Stahlkonstruktion unter Berücksichtigung der Schnittstelle der vorhandenen Betonunterkonstruktion in einem 3D Modell darzustellen. Dann wurde in enger Zusammenarbeit mit Lucem der Fugenverlauf der Innen- und Außenhülle des von innen beschwimmbaren Lichtbeton-Designobjektes geplant sowie im Modell dargestellt. Das gleiche wurde für die Befestigung jeder einzelnen Betonplatte inklusive aller Schrauben und Hinterschnittanker durchgeführt.

Anschließend erfolgte die Darstellung der eloxierten Alugitter für die Befestigung der LED-Beleuchtung im Modell. Aus dem fertigen 3D Modell mit relativ kleiner aber komplexer Struktur entstanden insgesamt 571 Einzelteile und 130 Zusammenbauzeichnungen inklusive Stück- und Schraubenlisten für die Werkstatt sowie 15 Übersichtszeichnungen für die Baustelle und 27 Skizzen, die eine leichte Kommunikation zwischen Auftraggeber, Bauherr und Planer ermöglichten. Zudem wurden für die Hauptrahmen die NC Daten für eine einfache Übertragung der Daten in die Produktion erstellt. Durch den Einsatz des 3D Modells konnte gewährleistet werden, dass alle Teile perfekt zusammen passten, was zu einem reibungslosen Ablauf auf der Baustelle führte.

Nach der Montage des Stahlrahmens, die auf eigens betonierten Betonsockeln erfolgte, wurde die Außenschale aus Lichtbeton vor Ort angepasst und mit Hilfe von Hinterschnittankern montiert. Dabei sind die Auflager mit Hilfe von transparentem Polycarbonat vom Stahlrahmen vollflächig auf Abstand gehalten worden, um die Schatten des Rahmens zu minimieren. Weiterhin wurde in den Stahlrahmen eine mittig angeordnete Ebene mit zweiseitig strahlenden RGB-LEDs montiert. Bei den Licht-Modulen handelt es sich um vollvergossene Module in Epoxid-Harz, um eine lange Lebensdauer trotz der hohen Luftfeuchtigkeit und des Salzgehaltes in der Luft zu garantieren. Die Verkabelung der LEDs mit vierpoligen Kabeln erfolgte bis in den Keller zu den Schaltschränken. Der Durchgang von Badehalle zu Technik-Keller musste gemäß den strengen Brandschutzauflagen mit einem Brandschott um jedes einzelne der 50 Kabel versehen und wasserseitig dauerhaft wasserdicht versiegelt werden.

Nach dem Testen der LED-Technik wurde die Innenschale der Lucem Lichtbeton- Verkleidung mittels Spezial Edelstahl A4-Profilen jeweils umlaufend um die Platten befestigt. Alle Fugen wurden anschließend dauerelastisch mit Silikon versiegelt.

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