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Weniger Rotationsbewegungen bei Stürzen

Schale im Helm verbessert Kopfschutz

Durch die Mips-Schale kann der Kopf im Helm 10 mm bis 15 mm in jede Richtung gleiten. Das schützt vor Gehirnverletzungen.

Stockholm/Schweden (ABZ). – Das schwedische Unternehmen Mips möchte die Köpfe von Arbeitern besser schützen und hat dafür eine reibungsarme Schale entwickelt, die im Inneren eines Helms eingebaut wird. Bei einem Sturz oder beim Aufprall eines Gegenstands auf den Kopf gibt es schräge Einwirkungen auf den Kopf, die Rotationsbewegungen verursachen. Diese werden auf den Kopf übertragen und könnten das Gehirn verletzen. Die im Helm verbaute Schale kann nach den Angaben des Herstellers diese Rotationsbewegungen besser verringern als herkömmliche Helme und macht daher Helme sicherer. Das Hirnschutzsystem ist in Sporthelmen bereits fest etabliert. Ende 2018 nutzten nach Angaben des Unternehmens 80 Helmmarken die patentierte Technologie in rund 450 Modellen, unter anderem in Ski-, Fahrrad-, Motorrad-, Kletter- und Reithelmen. Jetzt ist sie auch für Industrieschutzhelme verfügbar.

Dass der Bedarf für zusätzlichen Schutz groß ist, zeigt sich bei einem Blick in die Arbeitsunfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). 2018 wurden der DGUV 786 803 Arbeitsunfälle angezeigt. Nach Hand, Knie und Fuß steht der Kopf darin auf Platz vier der meistverletzten Körperteile. Bei fast 22 000 aller gemeldeten Unfälle liegen Gehirnerschütterungen vor. Kopfverletzungen sind zudem die häufigste Todesursache bei Arbeitsunfällen. Besonders gefährdet für Unfälle sind Bauarbeiter. Fast 15 % aller gemeldeten Arbeitsunfälle und sogar 31,9 % der tödlichen Unfälle 2018 passierten auf Baustellen. Die große Mehrheit verletzte sich dort durch Aufprall, Zusammenstoß oder Kontakt mit einem Gegenstand. Auch hier sind Kopfverletzungen ein großes Thema.

Mips hat eine reibungsarme Schale entwickelt, die im Inneren von Helmen eingebaut wird.

Die BG BAU verzeichnete im Jahr 2017 fast 6500 Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen und fordert sicherere Schutzhelme. "Aus unserer Forschung wissen wir, dass unser Kopf bei einem Sturz in den meisten Fällen schräg auf den Boden aufschlägt", erklärt Max Strandwitz, CEO von Mips. "Gehirnerschütterungen sind typische Erscheinungen, die dabei auftreten können. Denn bei einem schrä-gen Aufprall kann es zu Rotationsbewegungen des Schädels kommen, bei denen das Hirngewebe reißen kann. Das Problem ist, dass herkömmliche Industrieschutzhelme meist nur vor Verletzungen wie Schädelbrüchen schützen, aber Rotationsbewegungen nicht ausreichend reduzieren", so Strandwitz weiter. Unser Gehirn ist rund sechs bis sieben Mal anfälliger für Rotationsbewegungen als für lineare Einwirkungen. Durch die Mips-Schale kann der Kopf im Helm 10 mm bis 15 mm in jede Richtung gleiten. Das könne auf das Gehirn wirkende Rotationsbewegungen verringern, so Mips. Unabhängige Tests würden dies belegen. Führende Sporthelmhersteller wie Bell, Giro, Head, Specialized und Scott hätten die Schale bereits in ihre Helme eingebaut. "Letztes Jahr hat die schwedische Schutzhelmmarke Guardio den ersten Industrieschutzhelm (EN 397) mit Mips auf den Markt gebracht. Aktuell führen wir auch Gespräche mit verschiedenen anderen europäischen Schutzhelmherstellern", sagt Max Strandwitz.

Das börsennotierte Unternehmen, gegründet von einem Neurochirurgen und einem Wissenschaftler, sieht großes Potenzial, die Bauindustrie sicherer zu machen. "In unserer Freizeit, zum Beispiel beim Radfahren, Reiten oder Skifahren, legen wir unheimlich viel Wert auf sicheren Kopfschutz. Für Menschen, die aufgrund ihres Berufs ein hohes Risiko eingehen, sollte der bestmögliche Helm bei der Arbeit ebenfalls ein Muss sein", meint Strandwitz. "Der Schutz vor Rotationsbewegungen sollte in Helmen genauso selbstverständlich sein wie Airbags und Sicherheitsgurte im Auto."

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