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Wiehler Forum 2019

BPW wirbt für vernetzte Transport- und Logistikwelt

Michael Pfeiffer (Persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter, BPW Bergische Achsen KG) freute sich, dass mehr als 100 Vertreter aus der Transport- und Logistik-Branche dem Aufruf "Come to be a motionist" gefolgt und zum Wiehler Forum gekommen waren.

Wiehl (rb). – Ohne Wandel keine Zukunft – Mit dieser Botschaft rief der Nutzfahrzeugzulieferer BPW auf dem 13. Wiehler Forum die Transport- und Logistikwelt dazu auf, näher zusammenzurücken und den tiefgreifenden Transformationsprozess, in dem sich die Branche befinde, gemeinsam positiv zu gestalten. Im Fokus standen die Themen Digitalisierung und alternative Antriebe. Rund 100 namhafte Vertreter aus Transport und Logistik waren der Einladung von BPW nach Wiehl gefolgt, um am Hauptsitz des Unternehmens über wichtige Zukunftsthemen der Branche zu diskutieren. Diese stehe aktuell vor zahlreichen Herausforderungen, wie Michael Pfeiffer, persönlich haftender Gesellschafter von BPW, in seiner Begrüßungsansprache feststellte. Insbesondere wirtschaftlich: Handelskriege, Brexit und Klimawandel machten der Transport- und Logistikbranche schwer zu schaffen. Vor allem die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie verzeichne mitunter starke Auftragseinbrüche. Auch BPW bekomme das in Form von Umsatzrückgängen zu spüren. Eine Krise sieht Pfeiffer in dieser Entwicklung jedoch nicht. Vielmehr befinde sich die Branche in einer tiefgreifenden industriellen Transformation, der man mit Offenheit und Mut zur Innovation entgegengehen sollte. Vor diesem Hintergrund rief er die Teilnehmer dazu auf, die Digitalisierung und Vernetzung voranzutreiben und dabei auch die CO2-Bepreisung als Chance für nachhaltige technologische Veränderungen zu begreifen.

Alternative Antriebe

Insbesondere die Praxistauglichkeit alternativer Antriebe wurde in Wiehl breit diskutiert. Dr. Susanne Leifheit, Leiterin Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit bei VW Nutzfahrzeuge, stellte in diesem Zusammenhang dar, wie der Nutzfahrzeughersteller in Zusammenarbeit mit Industriepartnern, Universitäten und dem städtischen Energieversorger in Hannover verschiedene Szenarien für einen nachhaltigen innerstädtischen Verteilerverkehr, die sogenannte "letzte Meile", erprobt und analysiert. In der Elektromobilität sieht sie dabei großes Potenzial. Gleichwohl gebe es derzeit noch eine große Diskrepanz zwischen der Präsenz des Themas in der öffentlichen Diskussion und der tatsächlichen Marktdurchdringung von alternativ betriebenen Fahrzeugen.

Moderator Oliver Detje, Ulrich Nolte (Geschäftsführer, GO! Express & Logistics Deutschland GmbH), Dr. Susanne Leifheit (Leiterin Außenbeziehungen und Corporate Responsibility, VW Nutzfahrzeuge), Tim Gerstenberger (Verkehrsplaner und Projektleiter, Initiative Urbane Logistik, Stadt Hannover), Dr. Christian Jacobi (Geschäftsführender Gesellschafter, agiplan GmbH), Hans Stapelfeldt (ITS-Netzwerkmanager der Logistik-Initiative Hamburg, Mitglied des Kuratoriums der Logistik-Initiative Hamburg) diskutierten darüber, wie sich die aktuelle Klimadebatte auf die Mobilität in den Städten auswirken wird.

Mögliche Gründe hierfür konnte Axel Plaß, Gesellschafter der Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG, liefern. Er beschrieb, wie das Hamburger Speditionsunternehmen versucht, ihr Transportgeschäft nachhaltig aufzustellen. Gerade zu Beginn dieser Entwicklung habe sich die Suche nach Fördermitteln und Fahrzeugen wie eine "Suche nach Diamanten" gestaltet. Die ersten CNG-Lkw schaffte Zippel nach Auskunft von Plaß an, als es noch gar keine staatlichen Fördergelder dafür gab. Die nächste Generation der umweltschonenden Lkw bezuschusste ein Fördertopf aus dem Wirtschaftsministerium – inzwischen gibt es Zuschüsse für alternative Kraftstoffe aus einem Topf beim Bundesverkehrsministerium (BMVI).

Aktuell setze Zippel in puncto alternative Antriebe auf einen Mix aus CNG-Lkw, Ökostrom im Schienenverkehr und mache gute Erfahrungen mit einer Hybrid-Rangierlok. Der "Zippel-Weg", wie Plaß es nennt, sei jedoch mit verschiedenen Unsicherheiten gepflastert, unter anderem was den Rückkaufwert der Fahrzeuge betrifft, nicht vorhandene Leasing-Angebote, zeitlich begrenzte Maut-Befreiungen und vieles mehr. Vor allem aber seien die Kunden heute nicht bereit, für mehr Nachhaltigkeit auch mehr Geld auszugeben. Dennoch sei die Entscheidung für umweltschonende Transportlösungen richtig gewesen. So habe Zippel dadurch auch neue Kunden gewinnen können.

Wie schwer allein die Wahl des "richtigen" alternativen Antriebsystems für den eigenen Fuhrpark falle, beschrieb auch Dr. Kai Kreisköther, Vizepräsident des Unternehmens PEM Motion aus Aachen, in der folgenden Podiumsdiskussion zum Thema Emissionsziele und neue Antriebskonzepte. Je nach Anwendung würden die Anforderungen sehr unterschiedlich ausfallen. Einen Heilsbringer gebe es nicht, auch die Elektromobilität habe klare Grenzen.

Für einen sinnvollen Einsatz vollelektrischer Antriebe müssten Betriebe ihre Einstellung ändern und zahlreiche Hürden, die es nach wie vor gebe, abgebaut werden, stellte Markus Schell in seinem Vortrag klar. Als persönlich haftender Gesellschafter bei BPW ist er für den Bereich Elektromobilität verantwortlich. BPW habe sich mit der vollelektrischen Antriebsachse für 7,5-Tonner zunächst auf den innerstädtischen Verkehr fokussiert.

Auch für Handwerksbetriebe und leichte Baustellentransporte mit geringeren Transportwegen (maximal 120 Kilometer am Tag) sei die E-Achse von BPW eine lohnenswerte Alternative, wie Schell auf der Pressekonferenz im Anschluss an das Wiehler Forum erklärte. Rund 30 000 Lkw seien aktuell damit unterwegs. Dem gegenüber stünden rund 260 000 Lkw auf Langstrecken, "und auf diesen Markt stürzen sich die Hersteller." Aktuell sei BPW auf der Suche nach einem leeren geeigneten Chassis. "Damit sehen wir unsere Zukunft auch als Umrüster von Nutzfahrzeugen."

Vernetzung

Wie mögliche Formen der Vernetzung innerhalb der Branche aussehen können, war Thema des Vortrags von Roman Rapoport, Leiter IT und Digitalisierung bei BPW. Der Wandel, in dem sich Tradi-tionsunternehmen wie die BPW Gruppe derzeit befinden, mache sich ihm zufolge vor allem im Industrie 4.0-Konzept bemerkbar. Dies habe auch die DNA von BPW geändert. Jüngstes Beispiel seien Trailer-Fahrwerke, die als "digitale Zwillinge" am Rechner entstehen und von der Produktion und Montage bis hin zu Wartung und Ersatzteilservice praktisch lebenslang mit digital vernetzten Dienstleistungen begleitet werden. Das Stichwort "born digital" gelte auch für Big Data- und Webshop-Konzepte, wie sie das zur BPW Gruppe gehörende Unternehmen PE Data verwirklicht: Nutzfahrzeug-Werkstätten können Ersatzteile unkompliziert per Smartphone-Scan identifizieren und mit einem Klick bestellen. Noch weiter gehe die BPW Aftermarket Group, die Werkstätten ein komplett digitalisiertes Ersatzteillager in Form eines Überseecontainers auf den Hof stelle: Die Mitarbeiter bräuchten benötigte Teile nur zu entnehmen – sie würden vollautomatisch erfasst, abgerechnet und nachgeordert.

Mit dem von Grund auf neu konzipierten Trailerfahrwerk Eco Air deckt BPW Onroad- wie Offroad-Einsätze ab. Aufbauend auf dem intelligenten Fahrwerksbaukasten ermöglicht BPW künftig, die Montage in das Werk des Fahrzeugherstellers zu integrieren.

Ein Kernbestandteil der Digitalstrategie von BPW sei Systemoffenheit. In Zukunft will das Unternehmen noch agiler bei der Entwicklung und Umsetzung neuer digitaler Ideen vorgehen, wie Rapoport am Projektbeispiel telematics24.de demonstrierte. Die neue Plattform ist bereits online und soll sich 2020 zu einem markenübergreifenden Marktplatz für Telematik-Produkte und -Dienstleistungen weiterentwickeln. Ziel sei es, Spediteuren und Fahrzeugherstellern die Produktvielfalt transparent und einfach darzustellen.

Ein weiteres Industrie 4.0-Projekt stellte Thore Bakker, General Manager bei BPW, im Rahmen des Pressegesprächs vor. Jedes Einzelteil bei BPW basiere mittlerweile auf einem digitalen Zwilling, erklärte Bakker. Auf dieser Grundlage habe das Unternehmen mit der neuen Fahrwerksgeneration Eco Air einen intelligenten Baukasten geschaffen, der die Montage sehr viel einfacher mache, gleichzeitig aber einen großen Spielraum für Individualisierungen in der Konfiguration ermögliche. Darüber hinaus sei es nun möglich, jedes Fahrwerk lebenslang von der Konfiguration über die Produktion und Montage bis hin zur Wartung und dem Ersatzteilservice mit digitalen Diensten zu begleiten.

Vor allem aber beinhalte das Konzept eine intelligente Produktionslogistik, bei dem die Montage von individuellen Fahrwerken erstmals nach dem "Plug-in-Prinzip" in das Werk des Fahrzeugherstellers integriert werden könne. Dies mache dem Fahrzeugbau effizienter. Erste Fahrzeughersteller würden dieses Konzept bereits nutzen, so Michael Pfeiffer. Anfang 2020 werde BPW die Digitalisierung seiner Fahrwerkstechnologien weitgehend abgeschlossen haben. Pfeiffer weiter: "Die BPW Gruppe hat ihre Innovationsstrategie bereits vor Jahren eingeschlagen und konsequent ausgebaut. Wir sehen uns heute als innovationsstark, angriffslustig und organisatorisch durchtrainiert – deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir 2020 gemeinsam mit unseren Partnern und Kunden sehr viel bewegen können."

Die Erkenntnisse aus den Vorträgen und Diskussionen des Wiehler Forums sollen nicht im Bergischen Land bleiben, sondern in den direkten Austausch mit Vertretern des Deutschen Bundestags einfließen: Die Teilnehmer des Wiehler Forums bestimmten deshalb in Wiehl die Agenda eines Politikdialogs mit, der im März 2020 in Berlin stattfinden soll. Die Einladung zur Veranstaltung nach Berlin war inbegriffen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 50/2019.

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