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Wir fordern klare Kante von der Politik für die Stahlbauindustrie

Von Gregor Machura, Geschäftsführer des Spitzenverbandes für das Bauen mit Stahl in Deutschland, bauforumstahl, Düsseldorf

Ob Aufschwung oder Rezession: Als Spitzenverband für das Bauen mit Stahl in Deutschland sind die aktuellen Einschätzungen unserer Mitgliedsunternehmen für uns ein wichtiges Instrument, um in die Zukunft zu blicken. Zweimal pro Jahr fragen wir deshalb unter den Mitgliedern unseres Verbandes ein Stimmungsbild ab, zuletzt im Dezember des vergangenen Jahres.

Die aktuelle Konjunkturabfrage zeichnet ein klares Bild. Die allgemeine Geschäftslage wird weiterhin als positiv bewertet. Die Auftragsbücher unsere Mitgliedsunternehmen sind gut gefüllt, und die Geschäftsentwicklungen liegen auf gleichbleibend hohem Niveau wie im Herbst 2018.

Zur gleichen Zeit nehmen wir die Stimmen der öffentlichen Hand auf, die über mangelnde Angebote zu ihren Ausschreibungen klagen. Diese Entwicklung lässt nur eine logische Schlussfolgerung zu: Die Ausschreibungen der öffentlichen Auftraggeber sind zu kompliziert und kommen der aktuellen Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz nicht nach. Für mittelständische Unternehmen zahlt es sich nicht mehr aus, an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen. Die Konkurrenz durch außereuropäische Anbieter ist groß. Die Folge: Stahl wird zu Dumpingpreisen importiert, und ein fairer Vergleich der Transportwege oder anderer Nachhaltigkeitsaspekte findet nicht statt. Europas Stahlkonzerne leiden unter sinkenden Umsatzzahlen. Und: die deutsche Ingenieurbaukunst ist in Gefahr!

Deshalb fordern wir als der Spitzenverband für das Bauen mit Stahl Europa die Politik auf: Die Produktion von sauberen und innovativen Stahlprodukten "Made in Europe" muss erhalten bleiben und unsere Kernkompetenz, die Ingenieurbaukunst gefördert werden. Vor allem die Politik ist jetzt gefragt, klare Kante für die Stahlbauindustrie zu zeigen und auch das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Ausschreibungen zu berücksichtigen.

Der Ruf nach umweltfreundlichen Bauprozessen wird lauter. 85 Prozent des Baustahls werden über den Weg vom "Schrott zum Stahl" hergestellt. Eingeschmolzen und neu in Form gebracht, entsteht keinerlei Qualitätsverlust. Und, was viele nicht wissen: Bei 11 Prozent des Baustahls werden sogar ganze Stahlträger 1:1 wiederverwendet. Dieser industrielle Kreislauf kann ohne Qualitätsverlust unendlich fortgesetzt werden. Und wenn Stahl aus Schrott mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt werden kann, produzieren wir praktisch CO2-neutral.

Nachhaltigkeit betrifft natürlich nicht nur die Produktion, sondern auch die Baustellen. Aktuelle Studien belegen, dass deutlich weniger Lkw-Transporte notwendig sind, um ein leichtes Stahltragwerk an Ort und Stelle zu transportieren als bei einem Bauwerk aus Beton. Diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn der Stahl aus Europa stammt und nicht mit großen Schiffen aus Übersee importiert wird.

Hier sehen wir in 2020 eine unserer wichtigsten Aufgaben: Wir werden Politik und Behörden in die Verantwortung nehmen, das Thema Ausschreibung und Vergabe neu anzugehen – weg von einer kurzfristig gedachten Preispolitik zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung von Bauprojekten. Das betrifft die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit von Bauprodukten ebenso wie emissionsarme Transportwege, Langlebigkeit, Instandhaltungsfreundlichkeit sowie wiederkehrendes Recycling.

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