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Bauaussichten 2021

Wohnungsbau als Konjunkturstütze

Von Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer von Unipor, München

Das vergangene Jahr war geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie. Der Bausektor scheint die Krise jedoch gut bewältigt zu haben, was man bundesweit an der regen Tätigkeit auf vielen Baustellen erkennen konnte. Auch 2021 werden im Wohnungsbau Fertigstellungs-Zahlen auf dem gleichen erhöhten Niveau der vergangenen Jahre von knapp 300 000 Einheiten erwartet. Damit erweist sich der Wohnungsbau angesichts der aktuellen Lage einmal mehr als wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Allerdings liegt der tatsächliche Bedarf noch höher: Einer Studie des Münchener Ifo-Instituts zufolge werden in Deutschland rund 400 000 Wohnungen pro Jahr benötigt, um der Mangelsituation insbesondere in Ballungsgebieten entgegenzuwirken. Diese Differenz, die das Potenzial erheblicher sozialer Spannungen in sich trägt, muss in den kommenden Jahren aufgeholt werden.

Bisherige Entwicklungen deuten jedoch in eine andere Richtung: So lagen beispielsweise die Genehmigungszahlen in den vergangenen Jahren stets über den Fertigstellungen, was verschiedene Gründe hatte. Daraus folgt aber im Ergebnis ein hoher Bauüberhang. Mit mehr als 740 000 genehmigten, aber noch nicht fertig gestellten Projekten startete die Baubranche etwa in das vergangene Jahr. Positiver Nebeneffekt: Obwohl die pandemie-bedingten Einschränkungen zeitweise dazu führten, dass Genehmigungsverfahren ins Stocken gerieten, konnte aufgrund des Überhangs dennoch weiter gebaut – und fehlende Neuaufträge kompensiert – werden. Auch 2021 wird die Baubranche von dieser Entwicklung profitieren. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnet mit einer stabilen Umsatzentwicklung, sofern keine weiteren Einschränkungen die Bautätigkeit bremsen.

Wenngleich die Auftragslage stabil bleibt, wird es doch spürbare Veränderungen bei der Nachfrage geben. So verschiebt sich der Bedarf von Nutz- und Bürobauten hin zu mehr sozialem Wohnungsbau. Denn bereits jetzt ist bezahlbarer Wohnraum vielerorts ein rares Gut. Nach und nach entfallen nun kostengünstige Wohnungen aus der Preisbindung. Die bisherige Bautätigkeit reicht aber nicht aus, um diesen Wegfall zu kompensieren. Die Politik hat den sozialen Wohnungsbau zu lange vernachlässigt und sich damit unter Handlungsdruck gesetzt.

Um dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gerecht zu werden, sind aber Investitionen nötig. Die öffentliche Hand muss hier verstärkt ihrer Steuerungsfunktion gerecht werden und den Bau mehrgeschossiger Wohnungen in Ballungsgebieten gezielt fördern – mit spürbaren Anreizen für Investoren. Auf diese Weise geht der Staat mehrere Herausforderungen gleichzeitig an: Einerseits sorgt er dafür, dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage an bezahlbarem Wohnraum nicht weiter auseinanderdriftet. Auf der anderen Seite schafft er so einen Ausgleich für den rückläufigen Wirtschaftsbau.

Neben der wirtschaftlichen Gesamtlage beschäftigt sich die Branche aktuell auch mit der Umsetzung der Energiewende im Gebäudesektor. Um diese weiter voranzutreiben, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr das Gebäudeenergiegesetz beschlossen, welches zum 1. November 2020 in Kraft getreten ist. Das GEG stellt dabei die Haustechnik der Gebäude in den Vordergrund. Auch nach neuem Regelwerk ermöglicht die massive Ziegelbauweise die Umsetzung anspruchsvoller energetischer Ziele. So können Gebäude nach KfW-Effizienzhausstandard 40 Plus – bei geeigneter Haustechnik – bereits mit einer Wandstärke von 36,5 Zentimetern zuzüglich Putz erreicht werden. Auch für den energieeffizienten Mehrgeschossbau ist die deutsche Ziegelindustrie mit ihren Produkten gut gerüstet – Dämmstoffgefüllte Mauerziegel mit verbessertem Schallschutz und hoher Tragfähigkeit sind für solche Bauvorhaben beispielsweise hervorragend geeignet. Somit ist die Ziegelindustrie gut aufgestellt, um den benötigten mehrgeschossigen Wohnungsbau in Deutschland auf nachhaltige Art umzusetzen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2021.

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