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Wuppertaler Gasometer

Turmdrehkran bleibt in umgenutztem Gaskessel

Beim Aufbau des Krans war Präzision gefragt, denn der Krankopf musste exakt mittig auf dem Treppenhausdach positioniert und verschweißt werden, da für den Ausleger mit seiner Sonderlänge von 18,45 m gerade einmal 15 cm Platz bis zur empfindlichen Außenhülle des Gasometers zur Verfügung standen.

Wuppertal (ABZ). – Um den alten Gasometer in Wuppertal umnutzen zu können, beschlossen die Bauherren und Geschäftsführer der Gaskessel Wuppertal GmbH& Co. KG Thomas Drescher,Marcello Groß und Daniel Mai kurzerhand ein vierstöckiges Gebäude in dem Gaskessel zu bauen – mit einem Abstand von drei Metern zur Außenhülle. Viel zu wenig zur Aufstellung des unverzichtbaren Baukrans. Deshalb verpflanzte man einen Terex CTT 91 TS12 Turmdrehkran direkt ins Gebäude. Und dort soll er auch verbleiben.  Der Wuppertaler Gasometer ist nicht nur ein beeindruckendes Industrierelikt vergangener Zeiten, sondern auch ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt – und damit erhaltenswert. Die Umnutzung solch eines Gaskessels ist jedoch schwierig. Denn an der Außenhaut kann man nichts befestigen, da diese nur dem Gasdruck standhalten musste und deshalb lediglich aus leichtem Metall besteht.

Doch davon ließen sich die Projektinitiatoren Thomas Drescher, Marcello Groß und Daniel Mai nicht abschrecken und entwickelten ein europaweit einzigartiges Konzept: Sie planten, ein vierstöckiges Gebäude mit Event-, Fitness-, Bar- und Gastronomiebereich auf 4000 m² Nutzfläche in den 67 m hohen Gaskessel zu bauen.

Um diese außergewöhnliche Projektidee realisieren zu können, musste eine Errichtung des Neubaus im Inneren des Gasometers unkonventionell erfolgen. Da der gesamte Neubau in dem Gaskessel mit einem Abstand von 3 m zur Kesselhülle errichtet werden sollte, würde somit rund um den Neubau akuter Platzmangel für Kranarbeiten herrschen. So wurde als erster Bauabschnitt der in der Mitte des Neubaus liegende Treppenhausturm mit Aufzugschacht errichtet, von dem aus das restliche umliegende Gebäude montiert werden kann.

Die Lösung: Das bereits stehende Treppenhaus samt Aufzugsschacht sollte dann als Kranturm fungieren, auf den der Ausleger montiert werden sollte. Soweit der Plan. Um alle Arbeitsbereiche innerhalb des Kessels per Kran erreichen zu können, musste jedoch erst einmal ein geeigneter Turmdrehkran passend ins Gebäude konstruiert und gebaut werden. "Mit einem Kran von der Stange ließ sich unsere Idee nicht umsetzen. Deshalb haben wir uns an die Firma Terex Cranes mit der Bitte gewandt, solch einen Kran in Sonderlänge und mit Sonderaufstellung für uns zu fertigen", berichtet Daniel Mai. Bei Terex entschied man sich, die Aufgabe auf Basis eines CTT 91 TS12 Turmdrehkrans zu lösen. "Aus unserer Sicht sprachen vor allem die geringen Einzelgewichte dieses Kranmodells sowie nicht zuletzt die ansprechende und zur Gebäudearchitektur passende Optik für den CTT 91 TS12, den wir auf Wunsch des Kunden in der Sonderfarbe Schwarz-Grau lackiert haben", erklärt Terex Vertriebsleiter Jörg Körtgen, der das Projekt gemeinsam mit Terex Leitmonteur Mirco Manarin vor Ort betreute. Und weil Terex auch preislich ein attraktives Angebot machte, kam man schnell ins Geschäft.

Um den Turmdrehkran auf dem Treppenhaus montieren zu können, musste zunächst einmal eine Toreinfahrt in die Gebäudehülle geschnitten werden. Die sollte im Sinne des Substanzschutzes gerade ausreichend sein, um einen Mobilkran in den Gasometer einfahren zu können, den man für den Aufbau des Terex CTT 91 TS12 Turmdrehkrans benötigte. Wegen der räumlichen Enge kam zu dem nur noch ein Gabelstapler als Montagehilfe zum Einsatz.

"Aufgrund der montagefreundlichen Konstruktion des CTT 91 TS12 kamen wir trotzdem sehr gut zurecht", berichtet Mirco Manarin. So ist es dem dreiköpfigen Team gelungen, den Krankopf an nur einem Tag auf dem 25,8 m hohen Treppenhausturm zu installieren.

Dabei war höchste Präzision gefragt. Denn der Krankopf musste exakt mittig auf dem Treppenhausdach positioniert und verschweißt werden, da für den Ausleger mit seiner Sonderlänge von 18,45 m gerade einmal 15 cm Platz bis zur empfindlichen Außenhülle des Gasometers zur Verfügung standen. Aber auch diese Herausforderung konnte dank der akribischen Planung problemlos gemeistert werden.

"Hierbei konnten wir uns voll und ganz auf die Terex-Werksunterstützung mit Herrn Körtgen als Ansprechpartner verlassen. Die Planung der unkonventionellen Lösung durch GKM Architektur Studio aus Wuppertal wurde auf Grundlage der eingereichten statischen Berechnung für die Befestigung durch den Hersteller weiter optimiert und bis hin zur Montage perfekt begleitet", lobt Daniel Mai die gute und reibungslose Zusammenarbeit mit Terex.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und erfüllt alle Erwartungen: Der fest montierte CTT 91 TS12 kann alle Arbeitsbereiche innerhalb des Gasometers lückenlos abdecken und er ist dabei in der Lage, Lasten bis zu einem Gewicht von 5 t zu heben. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, die Bauarbeiten wie geplant bis Ende 2018 abzuschließen. Stellt sich abschließend nur noch die Frage, warum der Kran auch nach Abschluss der Bauarbeiten auf dem Gebäude verbleibt. Die Antwort ist ganz einfach: "Wir werden ihn zur Bespielung der Event- und Ausstellungsflächen sowie für Instandhaltungsarbeiten nutzen", erklärt Daniel Mai.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 18/2018.

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