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Zeppelin Baumaschinen-Geschäftsführer Fred Cordes

Digitalisierung – der Kunde entscheidet

Innovative Lösungen aufzeigen ist das Eine. Am Ende müssen diese aber auf der Baustelle auch funktionieren, meint Fred Cordes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen GmbH.

Die Themen Digitalisierung und alternative Antriebstechnologien haben auch die Baumaschinenbranche fest im Griff. Konzepte, Studien und Angebote seitens der Industrie gibt es in beiden Fällen zuhauf, wie man sich auf den Fachmessen im September einmal mehr überzeugen kann. Auf der Baustelle zählen am Ende jedoch pragmatische Lösungen, ist Fred Cordes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen GmbH, überzeugt. Im Vorfeld der GaLaBau traf ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann den neuen Baumaschinenchef in der Zeppelin-Zentrale in Garching bei München zum Interview.

ABZ: Herr Cordes, seit ziemlich genau einem Jahr stehen Sie an der Spitze der Zeppelin Baumaschinen GmbH. Wirtschaftlich betrachtet ein extrem spannendes Jahr. Wie haben Sie die vergangenen zwölf Monate erlebt?

Cordes: Das vergangene Jahr war in der Tat sehr spannend – zugegebener Maßen auch ein wenig fordernd. Wenn ein Jahr allerdings von einer derart positiven konjunkturellen Entwicklung begleitet wird, wie es 2017 der Fall war, dann ist das natürlich auch mit großer Freude verbunden. Dass wir, getragen durch das Bauhauptgewerbe, seit nunmehr sechs Jahren Zuwächse am Markt verzeichnen, ist mit Blick auf die klassischen Konjunkturzyklen der Vergangenheit wirklich außergewöhnlich. Die damit verbundenen Herausforderungen anzugehen, macht mit dem bewährten und professionellen Team, das wir hier haben, aber großen Spaß.

ABZ: Entsprechend konnte Zeppelin mit seiner Geschäftseinheit Baumaschinen EU im vergangenen Jahr erneut ein Wachstum verzeichnen. Macht sich hier vor allem die angesprochene sehr gute Baukonjunktur bemerkbar oder gibt es noch weitere Treiber für diesen Erfolg?

Cordes: Natürlich spielt die Baukonjunktur hier eine wichtige Rolle. Bedenkt man allerdings, dass wir uns im vergangenen Jahr nicht nur gesteigert haben, sondern auch die Zahlen des bauma-Jahres 2016 übertreffen konnten, ist das schon ein sehr erfreuliches Ergebnis. Das zeigt uns, dass wir sowohl mit unserem Produkt- und Dienstleistungsportfolio als auch mit dem schlagkräftigen Team in unserer Organisation sehr nachhaltig aufgestellt sind.

Dafür spricht auch, dass wir erst kürzlich den sog. "Dealer Excellence Award" von unserem Herstellerpartner bekommen haben. Caterpillar verleiht diese Auszeichnung alle drei Jahre an die erfolgreichsten Händler der Welt. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, die neben dem reinen wirtschaftlichen Erfolg u. a. auch die Qualität der Beziehungen zu den Kunden erfassen. Dass wir diese Auszeichnung zum nunmehr dritten Mal in Folge bekommen haben, ist ein Indiz, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

ABZ: Ende des vergangenen Jahres hat Caterpillar auch eine neue Generation Kettenbagger vorgestellt. Hinter den aktuell drei neuen Modellen der 300er-Serie steht auch ein neues Plattformkonzept. Wie ist diese Strategie bei Ihren Kunden angekommen und werden wir diesen Ansatz auch bei anderen Maschinenserien sehen?

Cordes: Das Feedback aus dem Markt ist tatsächlich außergewöhnlich. Als wir die neuen Maschinen Anfang dieses Jahres in Málaga vorgestellt haben, gab es sicherlich noch viel Skepsis: Was kann denn da jetzt noch Neues kommen? Umso größer war dann die Begeisterung über eine wirklich neue Generation von Kettenbaggern, deren Ausrichtung an Technik, Fahrerkomfort, Bedienbarkeit und Wirtschaftlichkeit in der gesamten Kettenbagger-Welt wirklich einmalig ist.

Zugrunde liegt eine neue Plattformstrategie, die Caterpillar künftig durchgängig auf alle Bagger übertragen wird. Den Anfang machen der Cat 320, 323 und 320 GC. Hauptmerkmal der neuen Generation Kettenbagger ist das hohe Maß an Technologie und Sensorik, die bereits ab Werk in den Maschinen verbaut sind. Die Bagger haben schon in der Standardausstattung eine Telematik, eine 2D-Steuerung inklusive Plugin-Lösung für eine 3D-Steuerung, eine automatisch einstellbare Hub- und Schwenkbegrenzung sowie eine integrierte dynamische Waage, die dem Bediener jederzeit das Ladungsgewicht im Löffel anzeigt. All die Daten, die von der Maschine erfasst und dokumentiert werden, lassen sich dabei nicht nur einsatzbezogen verwerten, sondern auch für anschließende Produktivitätsanalysen, Prozessmodellierungen und Baufortschritte auf der Baustelle selbst – Stichwort BIM – heranziehen und auswerten.

Bei der GC-Variante handelt es sich um eine technisch reduziertere Alternative, die sich vor allem an Kunden richtet, die auf der einen Seite bewährte Caterpillar-Technik verwenden wollen, aktuell oder aufgrund des Einsatzgebietes jedoch keinen Bedarf für das technische High-End-Modell in Sachen Digitalisierung haben.

Das präsentieren wir nun Schritt für Schritt auch auf den größeren Messen – wie auf der NordBau in Neumünster – und bekommen dafür sehr positive Rückmeldungen.

ABZ: Bevor es mit großen Schritten auf die bauma zugeht: Welche Highlights haben Sie für die anstehende GaLaBau in diesem Jahr im Gepäck?

Cordes: In Nürnberg werden wir einen speziell auf die Branche zugeschnittenen Querschnitt unseres Produktportfolios präsentieren. Dazu gehören in erster Linie natürlich unsere Minibagger und kompakten Radlader sowie die zahlreichen branchentypischen Anbaugeräte und Komponenten.

Ein wesentliches Highlight auf der GaLaBau werden unsere ZM-Bagger sein. Mit diesen Mobilbaggern zwischen 6 und 11 t sind wir Anfang des Jahres gestartet und freuen uns sehr, dass wir nach einiger Zeit aktuell wieder zwei Modelle in dieser Größenklasse anbieten können. Hierfür haben wir in Kooperation mit Wacker Neuson einen hervorragenden Partner und bieten für diese Maschinen unseren guten und bewährten Zeppelin Service und eine schnelle und umfassende Ersatzteilversorgung.

Darüber hinaus werden wir mit Exponaten wie dem Minibagger Cat 300.9 VPS den Fokus auf Elektroantriebe legen. Hier kann der Betreiber entscheiden, ob er mit dem herkömmlichen Dieselantrieb oder umschaltbar auf Elektroantrieb geräusch- und emissionsfrei unterwegs sein will. Somit können wir auch hier für besondere Anwendungen bereits heute ein sehr gutes und bewährtes Serienprodukt anbieten.

Nicht zuletzt werden wir aber auch ganz pragmatische Lösungen wie den Kompaktradlader 908M mit Anhängerkupplung zeigen, der es dem Bediener erlaubt, flexibel mit zwei Maschinen unterwegs zu sein, wenn damit noch ein Minibagger oder Anbaugeräte und Zubehör transportiert werden.

Mit seinem neuen Kettenbagger der 300er-Serie hat Caterpillar eine Maschinengeneration auf den Markt gebracht, deren Ausrichtung an Technik, Fahrerkomfort, Bedienbarkeit und Wirtschaftlichkeit in der Kettenbagger-Welt neue Maßstäbe setzt.

ABZ: Die neuen ZM-Bagger sind seit Januar dieses Jahres erhältlich. Wie sind die Geräte bei Ihren Kunden angekommen?

Cordes: Das Feedback der Kunden ist ausgesprochen gut. Wir haben hier ein technisch sehr zuverlässiges und sehr gut zu uns passendes Produkt mit hoher Qualität und hoher Bedienerfreundlichkeit, das sich hervorragend für den Garten- und Landschaftsbau und kleinere Erdbaumaßnahmen eignet. Wir haben seit Beginn des Jahres bereits sehr erfolgreich ZM-Maschinen verkaufen können und erhoffen uns jetzt in Nürnberg weitere Verkaufsabschlüsse.

ABZ: Wer an Caterpillar denkt, denkt in erster Linie wohl an besonders große Baumaschinen. Welchen Stellenwert haben die GaLaBau und die damit verbundene Branche für Zeppelin und Caterpillar?

Cordes: Sicherlich ist das legitimer Weise in vielen Köpfen die erste Assoziation – Kompaktmaschinen waren, für Zeppelin gesprochen, allerdings schon immer ein wesentlicher Geschäftsbereich. Nicht zuletzt, weil allein ein Drittel des Gesamtmarktes für Baumaschinen in Deutschland auf Kompaktmaschinen entfällt. Entsprechend haben wir schon Ende der 90er-Jahre mehr als 2000 Kompaktmaschinen pro Jahr verkauft und unser Angebot in diesem Bereich kontinuierlich ausgebaut. Heute bringen wir in diesem Segment mehr als 3000 Neugeräte im Jahr in den Markt.

Der ganze Garten- und Landschaftsbau ist wirklich eine sehr interessante Branche für uns. Allein die Tatsache, dass dieser Markt, manchmal sogar entgegen dem allgemeinen Konjunkturtrend, seit nunmehr fast 20 Jahren floriert, macht dieses Geschäftsfeld hoch spannend. Heute macht der Maschinenbedarf im GaLaBau rd. 10 % der gesamten Baumaschinenindustrie aus. Persönlich finde ich darüber hinaus, dass der GaLaBau auch eine sehr schöne und inspirierende Branche ist, in der nicht nur unsere Infrastruktur gestaltet wird, sondern unser gesamtes Lebensumfeld verschönert wird.

ABZ: Stichwort E-Mobilität: Welche Strategie verfolgt Caterpillar aktuell beim Thema alternative Antriebstechnologien?

Cordes: Hier gibt es aus meiner Sicht aktuell noch einen großen Unterschied zwischen der Präsenz der Thematik in der öffentlichen Diskussion und der tatsächlichen Kaufnachfrage. In unserem Bereich geht die Schere dabei sicherlich noch etwas weiter auseinander als es im Pkw-Bereich der Fall ist. Nichtsdestotrotz ist das Thema aktuell in aller Munde. Und auch, wenn die E-Mobilität auf dem derzeitigen Stand noch nicht die Antwort auf alle Fragen ist, gibt es durchaus Anwendungen, in denen sie – zweifelsfrei – eine sinnvolle Alternative darstellt.

Caterpillar verfolgt dabei verschiedene Ansätze, die je nach Produktgruppe ganz unterschiedlich ausfallen. Das sind zum einen Maschinen wie der Minibagger Cat 300.9 VPS (Versatile Power System), der alternativ mit Diesel- oder Elektroantrieb betrieben werden kann. Zum anderen arbeiten wir zusammen mit Caterpillar derzeit an einem Konzept im vollmobilen Bereich, konkret an einer vollelektrisch betriebenen Variante des Kompaktradladers Cat 906.

Im Standardgerätebereich findet man hingegen aktuell vorwiegend kombinierte Lösungen, wie z. B. unseren dieselelektrisch angetriebenen Dozer Cat D7E. Hier wird demnächst u. a. die 40 t-Raupe Cat D6N als Volumenmodell ebenfalls in einer diesel-elektrisch betriebenen Version kommen. Im Bagger-Bereich haben wir bislang mit einem Hybridkonzept aus Dieselantrieb und Stickstoffspeicher gearbeitet sowie im Großradladersegment ebenfalls mit einer diesel-elektrischen Variante des Cat 988K XE.

Zusammengefasst: Je nach Bedarf und Einsatz einer Maschine bietet Caterpillar auch entsprechende Antriebskonzepte. Grundsätzlich ist unser Herstellerpartner immer bestrebt, pragmatische Lösungen anzubieten, die auf der Baustelle auch wirklich funktionieren. Dazu werden wir aber spätestens zur bauma mehr erfahren.

Ein Highlight für die grüne Branche am Zeppelin-Stand auf der GaLaBau werden die neuen ZM-Mobilbagger zwischen 6 und 11 t sein, die Zeppelin in Kooperation mit Wacker Neuson seit Anfang des Jahres im Programm hat.

ABZ: Auf der NordBau drehte sich kürzlich alles um das Thema Digitalisierung. Gibt es auch in diesem Bereich Neuigkeiten von Zeppelin?

Cordes: Im Maschinen-Bereich starten wir ab Herbst eine neue Initiative, die sich um das Thema "Flottenmanagement für alle" dreht. Damit reagieren wir auf ein zentrales Bedürfnis unserer Kunden, auch gemischte Fuhrparks in einem System zu erfassen. Hierfür bieten wir an, ältere Cat-Maschinen auf Wunsch kostenlos mit einer Blackbox nachzurüsten. Auch Gebrauchtmaschinen, die unsere Kunden bei uns kaufen, rüsten wir bei Bedarf vor der Auslieferung mit dieser Technik aus. Das Gleiche bieten wir in einer sehr kostengünstigen Alternative auch für Fabrikate anderer Hersteller an. Abseits der Maschinentechnik spielt die Digitalisierung aber auch bei uns im Vertrieb eine immer größere Rolle. Unter dem Motto "Get connected" (dt: "vernetze dich"), haben wir uns intern das Ziel gesetzt, mittelfristig etwa 50 % unseres Geschäfts digital abbilden zu können. Angefangen haben wir vor einiger Zeit mit einfachen Anwender-Apps für unsere Kunden aber auch für unsere Servicemitarbeiter.

Heute zählt dazu auch unser Online-Baumaschinen-Konfigurator, der mittlerweile alle gängigen Modelle und Modellvarianten aus unserem Angebot umfasst. Dazu gehört ebenfalls unser Kunden-Portal, auf dem der Kunde Ersatzteile online bestellen kann und die wichtigsten Flottenmanagement-Funktionen nutzen kann. Nicht zu vergessen unser Dispositionstool, mit dem wir unseren Kunden zeigen, dass wir auch unsere Servicemannschaften höchst effizient und kostensparend für sie steuern.

ABZ: Hat sich das Kaufverhalten Ihrer Kunden bereits spürbar in Richtung Online-Geschäft bewegt?

Cordes: Um mal eine Zahl zu nennen: Wir machen heute bereits mehr als 10 Mio. Euro Umsatz im Jahr mit Ersatzteilen über unser Kundenportal. Hier funktioniert die Digitalisierung in der Tat schon sehr gut. Was den Kauf einer Neumaschine angeht, sieht das noch etwas verhaltener aus, allerdings haben wir auch bereits einige Kompaktmaschinen online verkauft. Hier werden wir wohl auch nicht allzu schnell in Größenordnungen kommen, wie wir es bspw. beim Online-Handel von Konsumgütern wie Textil-, Unterhaltung-, oder Heimelektronik sehen. Nichtsdestotrotz wollen wir innovative Lösungen aufzeigen und anbieten, ohne dabei die klassischen Vertriebswege zu verlassen. Es gibt einen klaren Trend in der Branche, den wir gemeinsam mit unseren Kunden verfolgen. Dabei bestimmen letztendlich immer unsere Kunden, wie und welche Lösungen davon angenommen werden.

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