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Zeppelin Baumaschinen-Geschäftsführer Fred Cordes

"Wir machen den Einstieg in die Vernetzung einfach"

Zeppelin Baumaschinen-Geschäftsführer Fred Cordes im Gespräch mit ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann (v. l.).

Neue Maschinen, alternative Antriebstechnologien und ein Flottenmanagement für alle – Im Interview mit der Allgemeinen Bauzeitung (ABZ) gab Fred Cordes, Vorsitzender der Geschäftsführung von Zeppelin Baumaschinen, einen umfassenden Einblick in die Schwerpunkte des Unternehmens auf der bauma 2019. Die Fragen stellte ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann.

ABZ: Herr Cordes, mit welchen Erwartungen geht Zeppelin in das bauma-Jahr 2019?

Cordes: Mit 2018, das wird Sie nicht überraschen, sind wir sehr zufrieden. Auch wir profitieren derzeit natürlich von der florierenden Bauwirtschaft. In Gesprächen mit unseren Kunden stellen wir immer wieder fest, dass der seit nunmehr sieben Jahren anhaltende Konjunkturaufschwung am Bau der Branche sehr gut tut. Die Stimmung ist ausgesprochen positiv, was unser Geschäft entsprechend beflügelt. Wir konnten unsere Marktanteile halten, neue Rekorde im Umsatz erreichen und letztendlich auch ein sehr ordentliches Ergebnis erzielen. V. a. konnten wir die Zahl der verkauften Maschinen, die wir uns zum Ziel gesetzt hatten, erreichen. Wenn wir uns nun die Indikatoren für das neue Geschäftsjahr ansehen – der VDMA prognostiziert für den für uns relevanten Bereich ein gleich bleibend hohes Niveau –, dann sehen wir auch den kommenden Monaten sehr optimistisch entgegen.

ABZ: Zeppelin ist auch außerhalb Deutschlands aktiv. Bereiten Ihnen die geopolitischen Entwicklungen dieser Tage Sorgen?

Cordes: Die geopolitischen Entwicklungen bereiten uns insofern Sorgen, wie das bei jedem normalen Menschen der Fall ist. Ich kann und will dabei jedoch nichts künstlich auf unser Geschäft transferieren. Dafür gibt es auch keine Anzeichen. Die Märkte in Zentraleuropa entwickeln sich aktuell sehr gut. Auch Märkte wie Spanien oder Italien kommen langsam wieder in Fahrt. Und insbesondere hier in Deutschland haben wir eine ausgesprochen hohe Stabilität. Global betrachtet sehen wir auch in Nord- und Südamerika oder in Australien wieder eine positive Entwicklung. Auch die Nachfrage nach Ressourcen hat wieder spürbar angezogen.

Zusätzlich zu den bereits eingeführten Maschinen der neuen Kettenbagger-Generation werden Caterpillar und Zeppelin weitere Modelle zeigen, u. a. den 330 und den 330 GC (Foto).

ABZ: Wie hat Zeppelin angesichts der aktuell hohen Nachfrage auf die angespannten Lieferketten in der Produktion reagiert?

Cordes: Wenn die Branche boomt, die Nachfrage entsprechend hoch ist und das dann auch noch zeitgleich auf verschiedenen Kontinenten, dann werden natürlich auch Kapazitätsengpässe sichtbar. Das gilt wohl für alle Anbieter, die national und international agieren. Dabei besteht das Nadelöhr meist nicht beim Hersteller selbst, sondern v. a. bei der Zuliefererindustrie. Das hat natürlich auch uns getroffen. Sicherlich hätten wir 2018 auch noch ein paar mehr Maschinen verkaufen können. Wir können uns jedoch glücklich schätzen: Unsere Kunden haben sich hervorragend auf diese Situation eingestellt und sich gemeinsam mit uns auf die Suche nach Lösungen begeben. Dort, wo Lücken entstanden sind, haben wir zudem über Zeppelin Rental bzw. unseren umfassenden Gebrauchtmaschinenpool häufig passende Übergangslösungen finden können.

Alles in allem handelt es sich hier um eine Situation, welche die gesamte Branche betrifft. Und auch unsere Kunden haben nicht unendlich Kapazitäten, sondern müssen Aufträge mitunter hinten anstellen, weil ihnen Personal fehlt.

ABZ: Sehen Sie als Maschinenanbieter Möglichkeiten, ihre Kunden beim Thema Fachkräfte zu unterstützen?

Cordes: In bestimmten Bereichen schon. Wir haben bspw. zusammen mit einer schwedischen Softwarefirma einen neuartigen Baumaschinensimulator entwickelt. Eine wirkliche Weltneuheit. Einen 3D-Vollkabinen-Simulator, den es so in seiner Art noch nicht gab. Wir stellen dabei die Kabine, in diesem Fall die eines Baggers, während unser Partner die entsprechende Simulationssoftware programmiert. Das Besondere an dieser Art Simulator ist, dass sämtliche Scheiben der Kabine Monitore sind. Aus der Kabine heraus schauen Sie also rundherum auf die simulierte Arbeitsumgebung. In der Kombination aus dem realistischen Bedienerumfeld, der 360° Virtual Reality-Umgebung, realistischen Sounds und dass sich die Kabine entsprechend den ausgeführten Aktionen mitbewegt, können wir eine extrem realitätsgetreue Trainingssituation schaffen.

Wir haben bereits früher an der Entwicklung von Simulatoren mitgearbeitet. In dieser Form ist das jedoch etwas Einzigartiges. Den Prototypen durfte ich kürzlich an einen unserer Kunden übergeben und selbst ausprobieren. Nicht nur ich war im Anschluss völlig begeistert, auch unsere Kunden haben uns bestätigt, dass es im Grunde keinen besseren Weg gibt, um ungeübte Fahrer ohne Sicherheitsrisiken bzw. teuren Maschineneinsatz mit ihrem Arbeitsgerät vertraut zu machen.

ABZ: Planen Sie, dieses Konzept in Serie zu bringen?

Cordes: Wir haben jetzt das erste Gerät dieser Art bei einem Kunden im Einsatz. Ein weiteres ist bereits geplant, mit dem wir das Gleiche für einen Dozer umsetzen können. Den Simulator werden wir auch auf die bauma mitbringen, wo sich unsere Kunden ein Bild davon machen können. Wir werden diese Ausbildungs- und Trainingsstrategie auf jeden Fall weiter verfolgen und ausbauen.

ABZ: Stichwort bauma – Welche Schwerpunkte hat Zeppelin für die Messe gesetzt?

Cordes: Zum einen wird das natürlich die neue Generation Kettenbagger sein. Caterpillar stellt in diesem Jahr eine breite Palette neuer Maschinen vor, angefangen beim 1 t-Minibagger bis hin zum 55 t-Bagger. Für uns steht aber auch das Thema Vernetzung im Vordergrund. Unter dem Motto "get connected" werden wir nicht nur die vielen Vorteile aufzeigen, die eine vernetzte Maschine dem Kunden heute bietet, sondern zugleich, wie einfach der Einstieg in die vernetzte Baustelle bei uns heute ist. Hier haben wir eine besondere Überraschung für unsere Kunden zur bauma vorbereitet. Ohne zuviel zu verraten: Wer bei uns heute eine Maschine kauft, ist ab dem Zeitpunkt der Übergabe voll vernetzt und bekommt sofort Zugriff auf alle digitalen Features – sowohl in der Maschine selbst als auch, was unsere digitalen Dienstleistungen über unser Kundenportal betrifft.

Premiere feiern auf der bauma auch die neuen Minibagger von Caterpillar.

ABZ: Bei Zeppelin gilt seit Kurzem das Credo "Flottenmanagement für alle". Was steckt dahinter?

Cordes: Das Ganze ist Teil einer übergeordneten Strategie von Caterpillar und Zeppelin. Dahinter steht das grundsätzliche Ziel, zunächst einmal alle Cat-Maschinen im Flottenmanagement Vision Link von Caterpillar zu erfassen und auf diesem Wege bedienen zu können. Alle Neumaschinen werden deshalb heute mit einer Product-Link-Box ausgeliefert. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden an, auch die bereits am Markt befindlichen Maschinen zu sehr attraktiven Konditionen mit einer entsprechenden Telematikvorrichtung nachzurüsten. Damit jedoch nicht genug. Viele Kunden wünschen sich heute Lösungen, um ihr gesamtes Equipment in einem einheitlichen System verwalten zu können. Deshalb bieten wir darüber hinaus an, auch Fremdmaschinen mit einer Product-Link-Box auszurüsten und so vollständig in Vision Link einzubinden. Dieses Angebot erstreckt sich von Wettbewerbsmaschinen unterschiedlicher Art bis hin zum Anbaugerät oder auch kleineren Werkzeugen, für die wir eine entsprechende Anbauteilerkennung und Tracking-Lösung parat haben. Vom Großbagger bis zum Anbauwerkzeug können unsere Kunden so sämtliche Arbeitsgeräte digital verwalten.

ABZ: Erfordert das Thema Flottenmanagement noch immer viel Überzeugungsarbeit?

Cordes: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt heute Kunden, die sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und gezielt Lösungen fordern, wie wir sie nun im Angebot haben. Es gibt allerdings auch Kunden, die sich dem Thema bislang noch nicht in dem Maße gewidmet haben oder auch skeptisch gegenüberstehen. Hier wollen wir schlichtweg informieren und aufklären. Aus diesem Grund bieten wir unser Flottenmanagement in verschiedenen Stufen an: Es gibt zum einen die kostenlose Basis-Version, die wir Cat Daily nennen. Damit kann der Kunde einmal am Tag über unser Kundenportal grundlegende Daten seiner Maschine wie den Standort, die Betriebsstunden und den Kraftstoffverbrauch einsehen. Für die Kunden, die sehr professionell mit dem Flottenmanagement arbeiten wollen, bieten wir zudem eine kostenpflichtige Premium-Version über Vision Link. Hier sind die Möglichkeiten weitaus umfassender: Produktivitätsdaten abrufen, Fehlercodes auslesen, präventives Service-Management bis hin zur Stundenabrechnung für die gesamte Baustelle.

Wichtig ist für uns, unsere Kunden nicht einfach mit massenhaft Daten zu überfrachten. Wir bereiten die Informationen spezifisch für ihn auf. Im Einzelfall gehen wir sogar so weit, dass wir Schnittstellen schaffen, über die der Kunde diese Daten in seine betriebsinterne ERP-Software einbinden kann.

ABZ:Wie offen sind die Schnittstellen im Wettbewerb denn heute?

Cordes: Wenn Sie unsere Product Link-Box auf eine Maschine aufbauen, dann bekommen Sie grundlegend alle relevanten Daten der Maschine. In Einzelfällen, wo eine Telematik-Box eines anderen Herstellers installiert ist, kann hingegen nur eine bedingte vollständige Synchronisation vorgenommen werden. Es gibt heute bereits einige Standards, eine vollständige Transparenz der Daten ist jedoch noch nicht gegeben. Dass am Ende nicht alle Daten für alle einsehbar sein sollen, ist auch verständlich. Ich denke allerdings, dass sich unsere Branche bereits stark aufeinander zu bewegt hat. Wir müssen uns schlichtweg auf bestimmte Inhalte einigen, die jedem freigeschaltet werden. Das ist das, was der Kunde braucht und immer mehr auch fordert. Und das sollte für uns auch maßgebend sein.

ABZ:Welche maschinellen Highlights sehen wir bei Ihnen auf der bauma?

Cordes: Zusätzlich zu den bereits eingeführten Maschinen der neuen Kettenbagger-Generation, dem 320, 320GC und 323, werden wir weitere Modelle der neuen Kettenbagger zeigen, den 330, 330 GC und 336, also Maschinen in der Klasse 30 bis 40 Tonnen. Mit der GC-Baureihe, es wird auch einen 336GC geben, präsentieren wir preiswerte Basisvarianten unserer Baumaschinen, die für weniger produktivitätsorientierte Einsätze vorgesehen sind. Auch den Zweiwegebagger, den wir bereits das letzte Mal vorgestellt haben, werden wir wieder zur bauma mitbringen – dieses Mal jedoch mit der im vergangenen Jahr erteilten EBA-Freigabe. Darüber hinaus werden wir eine Reihe interessanter Maschinen aus dem Hybridbereich bzw. dem Bereich der elektrifizierten Maschinen zeigen.

ABZ: Welche?

Cordes: Natürlich bieten wir unsere komplette Produktpalette nach wie vor mit herkömmlichen Dieselantrieben an. Zusätzlich zeigen wir interessante Lösungen z. B. mit Hybrid- oder diesel-elektrischem Antrieb. Hier ist Caterpillar ja bereits seit einigen Jahren sehr aktiv. Auf der bauma werden wir diesbezüglich u. a. den diesel-elektrisch betriebenen Radlader 988K XE zeigen sowie ganz neu den diesel-elektrischen Dozer D6 XE mit dem beliebten Delta-Laufwerk. Zusätzlich bewegen wir uns jetzt mehr und mehr in den Bereich der vollelektrifizierten Geräte. Hier zeigen wir bspw. eine Konzeptstudie des Kompaktradladers Cat 906E in der 0,8 m³ Klasse als vollelektrisch betriebene Version sowie zwei wahlweise verbrennungsmotorisch oder elektrisch betriebene Minibagger: Zum einen den Cat 300.9 VPS, den wir schon seit einem Jahr im Produktprogramm haben, zum anderen einen speziell ausgestatteten Cat 302.7. Beide sind "Dual Power" Maschinen und damit echte Hybride, d. h. vom herkömmlichen Dieselantrieb umschaltbar auf kabelelektrische Variante. Zudem werden wir eine Version des Kettenbaggers 323 mit Power-Pack, also als vollmobile Elektromaschine, präsentieren. Nicht zuletzt werden wir den Zeppelin MH 22, eine per Stromkabel vollelektrisch betriebene mobile Umschlagmaschine, zeigen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 14/2019.

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