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Ziegelindustrie bietet Antworten auf wichtige Zukunftsfragen

Von Stefan Jungk, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie, Berlin

Die anhaltend gute Baukonjunktur hat 2019 für eine hohe Auslastung unserer Produktionskapazitäten gesorgt. Solide Wachstumsraten sind in den Bereichen Hinter- und Vormauerziegel sowie Pflasterklinker zu verzeichnen. Sorgenkind bleibt der Dachziegel, der nach einem guten Jahresstart erneut leicht rückläufige Zahlen aufweist. Gründe dafür sind die weiterhin zu niedrige Sanierungsquote sowie die steigende Präferenz von Flach- und Pultdächern im Neubausegment. Auch wenn einige Indikatoren darauf hindeuten, dass sich die Konjunktur abschwächen könnte, blicken wir über alle Ziegelsparten positiv ins neue Jahr. Unsere Auftragsbücher für das Jahr 2020 sind überwiegend gut gefüllt.

Trotzdem gibt es für uns keinen Grund, sich entspannt zurück zu lehnen – ganz im Gegenteil. In den nächsten Jahren muss Deutschland Antworten auf wichtige Zukunftsfragen wie die fortschreitende Urbanisierung und den Klimawandel finden. Hier sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert, die richtigen Weichen zu stellen. Wir als Ziegelindustrie wollen einen aktiven Beitrag dazu leisten, um die vor uns allen liegenden Herausforderungen bestmöglich zu meistern.

Trotz aller Bemühungen gelingt es nicht, die Wohnungsnachfrage in den Ballungsgebieten zu decken. Pro Jahr werden immer noch 100 000 Wohnungen zu wenig gebaut. Mit einem Marktanteil von über 30 Prozent ist der Mauerziegel der favorisierte Baustoff im Wohnungsbau. Gründe dafür sind die einfache Verarbeitung und hohe Wirtschaftlichkeit. Nach einer Studie der Arge Kiel lassen sich Projekte im mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Ziegelmauerwerk um bis zu 17 Prozent günstiger realisieren. Durch Wärmespeichereffekte haben Ziegelhäuser zudem einen bis zu 12 Prozent geringeren Heizwärmebedarf und über den gesamten Lebenszyklus gerechnet bis zu 43 Prozent niedrigere Instandhaltungskosten als Gebäude aus anderen Baustoffen. Diese Kostenvorteile machen den Ziegel zu einem elementaren Baustein bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

Doch auch mit einem deutlichen Ausbau unserer Kapazitäten könnte die immer größer werdende Lücke auf dem Wohnungsmarkt nicht geschlossen werden. Hier ist die gesamte Baubranche gefordert, neue Wege zu gehen – hin zum seriellen, modularen und robotergestützten Bauen. Damit unsere innovativen Ansätze zeitnah zu Entlastung auf dem Wohnungsmarkt beitragen können, muss auch die Politik ihr Engagement erhöhen. Zwingend notwendig sind Typengenehmigungen, die es ermöglichen, ein einmal geplantes Wohngebäude ohne weitere Änderungen nach kurzer Genehmigungszeit bundesweit umsetzen zu können. Darüber hinaus würde ein Abbau von Investitionshemmnissen, Überregulierungen und personellen Engpässen in den Bauämtern zu einer deutlichen Dynamik bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums beitragen.

Auch bei der Erreichung der Klimaziele kann und will die Ziegelindustrie einen wesentlichen Beitrag leisten. Wir stellen uns der Verantwortung, klimaverträgliche Herstellprozesse und langlebige Naturprodukte aus gebranntem Ton in Einklang zu bringen. Einige unserer Mitgliedsunternehmen haben bereits bewiesen, dass Schadstoffemissionen mit modernster Abgasreinigungstechnik um bis zu 99 Prozent reduziert werden können. Allerdings ist dies nur mit hohem Investitionsaufwand und Kosten in Millionenhöhe pro Anlage verbunden. Als kapitalintensive Industrie brauchen wir Planungssicherheit. Daher können derart umfangreiche Investitionen nur mit entsprechenden Förderanreizen gestemmt werden

Riesiges Potenzial zur Erreichung der Klimaziele sehen Experten in der energetischen Sanierung des Bestands. Von den 19 Millionen Bestandsgebäuden muss in den nächsten 20 Jahren rund die Hälfte saniert werden. Laut einer Studie des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) sind mehr als zehn Millionen Dächer in Deutschland schlecht oder gar nicht gedämmt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Allein durch die Erhöhung der Dachsanierungsquote von derzeit 1,3 auf 2 Prozent ließen sich 94 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Zumal sich eine Dachsanierung neben der CO2-Reduzierung durch einen bis zu 30 Prozent geringeren Primärenergiebedarf doppelt auszahlt. Mit einer deutlich verbesserten Förderung der Gebäudesanierung setzt das Klimapaket der Bundesregierung an den richtigen Stellschrauben an. Jetzt sind die politischen Akteure am Zug, die entsprechenden Fördermaßnahmen schnell auf den Weg zu bringen.

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