Kommentar

Noch ein Kollaps

von: Kai-Werner Fajga
Es ist ja nicht so, dass wir in Deutschland keine Probleme mit Wirtschaft oder Infrastruktur hätten. Ob Pandemiewellen, Lieferketten oder Materialknappheit – Aufgaben und Herausforderungen reihen sich dicht aneinander oder türmen sich auf – je nach Sichtweise.

Die neue Regierung ist zwar kaum im Amt, kann sich aber über offene Baustellen in jedem Wortsinn nicht beklagen. Und eine ganz große kommt noch hinzu. "Marode Brücke auf Sauerlandlinie A 45 muss abgerissen werden", tickerte eine Nachrichtenmeldung vor einigen Tagen nur kurz und löste eine ganze Welle der Entrüstung aus. Verkehrsminister, Autobahn GmbH, Verbände und Beteiligte meldeten sich zu Wort.

Dass eine Autobahnbrücke erneuert wird, ist ja an sich nichts Neues, allerdings liegt diese "Brücke Rahmede" an einer wichtigen Verkehrsachse. Und sie wurde wegen neu festgestellter Schäden jetzt komplett für den Verkehr gesperrt. Ursprünglich hatte die Autobahn GmbH geplant, nach einer notdürftigen Verstärkung der Brücke den Verkehr nach rund drei Monaten zumindest für Autos wieder frei-geben zu können. Seit der Vollsperrung bei Lüdenscheid kommt es auf den Umleitungsstrecken zu teilweise chaotischen Zuständen, der Verkehr muss weiträumig umgesteuert werden. Und ein Ersatz-Neubau soll nach Schätzung der Autobahn-Gesellschaft frühestens in fünf Jahren zur Verfügung stehen.

Diese Prognose ließ diverse Alarmglocken schrillen. "Deutschland steht vor einem Brückenkollaps", alarmierte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller und bezeichnete die Sperrung als "bundesweites Desaster". Vor "massiven Schäden für die Wirtschaft" und einem "totalen Verkehskollaps" hatte auch BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka im Vorfeld gewarnt.

Dass ein Desaster droht, ist der Autobahn GmbH bekannt. Im August 2021 hatte die damals neue Autobahn-Gesellschaft des Bundes mehr Geld für die Sanierung maroder Autobahnbrücken angemahnt. "Rund 3000 Brücken weisen einen nicht ausreichenden und ungenügenden Zustand auf", hatte der Geschäftsführer der Autobahn GmbH, Stephan Krenz, damals gesagt. Und Krenz forderte zusätzliche Mittel sowie eine Planungsrechtsänderung ein.

Der HDB forderte nun dazu auf, schleunigst eine Taskforce aus Politik, Auftrag-gebern und Praxis zu bilden, um gemeinsam einem bundesweit drohenden Brückenkollaps vorzugreifen. Bei der Herausforderung handele es sich um eine "Generationenaufgabe". Mit veränderten Rahmenbedingungen, schnellem Handeln und entsprechender Vorbereitung könne etwa die Wiederherstellung der Ramede-Brücke in der Hälfte der avisierten Zeitspanne erfolgen, deutete Müller an. Der Bund sei nun gefordert, beim Aufbau "Gas zu geben", wird die NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes zitiert. Und das gilt sicherlich nicht nur für die Brücke an der A 45.

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