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# CO₂-Bilanz wird zur Planungsgröße im Baubereich
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/co2-bilanz-planungsgroesse-gebaeude-lebenszyklus-treibhauspotenzial/
- Published: 2026-10-08T07:10:17.000Z
- Updated: 2026-10-08T07:10:17.000Z
- Description: Die CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden gewinnt an Bedeutung. Architekten und Planer müssen ab 2028 bei Neubauten mit mehr als 1.000 m² das Treibhauspotenzial berechnen und im Energieausweis ausweisen.
- Author: ABZ
- Tags: Ökologisches Bauen, Baustoffe und Materialien

Duisburg (ABZ) | Beim Bauen richtet sich der Blick nicht mehr allein auf die Energieeffizienz. Die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes spielt eine zunehmende Rolle. Mit der novellierten europäischen Gebäuderichtlinie EPBD werden die damit verbundenen Treibhausgasemissionen Teil der Planung. Ab 2028 muss das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial bei Neubauten mit mehr als 1.000 m2 Nutzfläche berechnet und im Energieausweis ausgewiesen werden, ab 2030 gilt die Vorgabe für alle Neubauten. Parallel bereiten die EU-Mitgliedstaaten die Einführung nationaler Grenzwerte für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial neuer Gebäude vor.

Diese Entwicklung erhöht die Bedeutung der Materialentscheidung. Neben Energieverbrauch und Emissionen im Gebäudebetrieb werden auch Herstellung und Transport von Bauprodukten, Errichtung, Instandhaltung, Austausch sowie Rückbau und Verwertung Teil der CO2-Bilanz. Für Architekten und Planer wird damit bereits in frühen Planungsphasen relevant, welchen Beitrag einzelne Baustoffe zum Treibhauspotenzial eines Gebäudes leisten.

Die Entwicklung trifft auf einen Markt, der unter Druck steht. Sinkende Genehmigungszahlen und hohe Baukosten erhöhen den Bedarf an Lösungen, mit denen sich zusätzliche Anforderungen innerhalb etablierter Planungs- und Ausführungsprozesse erfüllen lassen. Für die Baustoffindustrie entsteht daraus die Aufgabe, den CO2-Fußabdruck von Produkten zu senken und gleichzeitig technische Leistungsfähigkeit, Verarbeitbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Am Beispiel des Kalksandsteins Silka CaRe zeigt sich laut Hersteller, welche materialtechnischen Ansätze dafür genutzt werden.

## Baustoffentwicklung unter neuen Vorzeichen

Bei der Entwicklung CO2-reduzierter Baustoffe reicht es nicht aus, einzelne emissionsintensive Bestandteile einer Rezeptur zu reduzieren oder auszutauschen. Die Bestandteile eines mineralischen Baustoffs und ihr Verhältnis zueinander bestimmen wesentliche technische Eigenschaften. Veränderungen der Zusammensetzung können sich unter anderem auf Rohdichte, Druckfestigkeit und bauphysikalische Eigenschaften auswirken.

Vor dieser Aufgabe stand laut Hersteller die Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft bei der Weiterentwicklung des Silka XL Systems. Ausgangspunkt war ein Kalksandsteinsystem mit definierten technischen Leistungswerten. Ziel war es, die mit seiner Herstellung verbundenen CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die für Planung und Anwendung relevanten Eigenschaften weitgehend zu erhalten.

»Entscheidend ist nicht allein, im Labor einen niedrigeren CO2-Wert zu erreichen. Die neue Rezeptur muss zugleich die Anforderungen erfüllen, die später für Planung und Anwendung relevant sind«, erläutert Dr. Dr. Thomas Hurnaus, Geschäftsführer der Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft mbH.

## CO2-Reduktion über die Baustoffrezeptur

Für die CO2-Reduktion setzte Xella nach eigenen Angaben an mehreren Punkten der Herstellung an. Dazu gehören die Nutzung neuer regionaler Rohstoffvorkommen zur Verringerung des logistischen Aufwands, Strom aus erneuerbarer Energie, ein energieeffizienterer Herstellungsprozess und die Optimierung der Kalksandsteinrezeptur. Einen wesentlichen Ansatzpunkt bildet dabei der Kalk. Als Bindemittel trägt er laut Hersteller maßgeblich zum CO2-Fußabdruck der Kalksandsteinherstellung bei.

Um den erforderlichen Kalkeinsatz zu reduzieren, wurde die Zusammensetzung der Füllstoffe verändert. Statt des bisher verwendeten Sandes kommen nach Herstellerangaben maßgeschneiderte Füllstoffmischungen mit abgestimmten Korngrößen zum Einsatz. Dadurch soll eine höhere Packungsdichte im Materialgefüge erreicht werden. Unterschiedlich große Körner füllen vorhandene Zwischenräume besser aus, sodass weniger Bindemittel benötigt wird, um die mineralischen Bestandteile miteinander zu verbinden.

Zusammen reduzieren diese Maßnahmen laut Hersteller den CO2-Fußabdruck von Silka CaRe in der Herstellung um bis zu 40 % gegenüber Silka Solid XL 20-2,0\. Die Angabe bezieht sich auf die Module A1 bis A3 und ist in der Umweltproduktdeklaration des Instituts Bauen und Umwelt dokumentiert.

## Technische Eigenschaften bleiben erhalten

Silka CaRe weist nach Herstellerangaben eine Rohdichteklasse von 2,0 auf und bietet damit die gleichen Voraussetzungen für den Schallschutz wie Silka Solid XL 20-2,0\. Die Druckfestigkeitsklasse liegt bei 16, die charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeit bei fk = 11,2 N/mm2\. Damit werden laut Hersteller die Regelfälle in der Statik abgedeckt. Im Vergleich zu Plansteinmauerwerk der Festigkeitsklasse 20 liegt der fk-Wert um 6,7 % höher, gegenüber dem Silka Ratio Planstein um 15 %. Auch die Eigenschaften hinsichtlich Brand- und Wärmeschutz bleiben nach Herstellerangaben erhalten.

Silka CaRe ist nach Herstellerangaben in den Formaten 498 × 498 mm und 998 × 498 mm verfügbar, nach DIN EN 771-2 und DIN EN 1996 geregelt und erfüllt die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltige Gebäude, kurz QNG. Damit lässt sich der reduzierte CO2-Fußabdruck in der Gebäudeplanung berücksichtigen, ohne ein grundsätzlich neues Wand- oder Konstruktionssystem vorzusehen. Auch etablierte Ausführungs- und Logistikprozesse können laut Hersteller beibehalten werden.

## CO2-Aufnahme während der Nutzungsphase

Für die Lebenszyklusbilanz ist neben der Herstellung auch die Nutzungsphase relevant. Während dieser findet die sogenannte Recarbonatisierung statt. CO2 aus der Umgebungsluft dringt in den Porenraum des Kalksandsteins ein und reagiert dort mit Anteilen der CSH-Phasen zu Calciumcarbonat. Auf diese Weise wird ein Teil des CO2 wieder dauerhaft im Material gebunden. Der Prozess findet grundsätzlich auch bei verputzten oder wärmegedämmten Konstruktionen statt, sofern eine entsprechende Wasserdampfdurchlässigkeit gegeben ist.

Wie sich die Recarbonatisierung über längere Zeiträume entwickelt, wurde laut Hersteller in einem Forschungsprojekt anhand von 133 Einzelproben aus Deutschland, Polen und den Niederlanden untersucht. Die Proben hatten ein Gesamtgewicht von 1.996 kg. Aus den Messwerten wurde der Zusammenhang zwischen dem Alter des Kalksandsteins und dem Recarbonatisierungsgrad ermittelt und damit die Geschwindigkeit der CO2-Rückbindung. Am Ende der Nutzungsphase ist Kalksandstein im Gebäude vollständig recarbonatisiert, nach 50 Jahren bereits zu 88 %. Dies wurde laut Hersteller auch vom Institut Bauen und Umwelt für die Erstellung von EPDs anerkannt. Zum Ausgleich von statistischen Schwankungen wird die Rekarbonatisierung nur zu 95 % angesetzt.

Die CO2-Aufnahme wird in der Lebenszyklusbilanz berücksichtigt. Unter Einbeziehung der reduzierten Emissionen aus der Herstellung und der späteren CO2-Bindung durch Recarbonatisierung liegt der CO2-Fußabdruck von Silka CaRe über den Lebenszyklus nach Herstellerangaben bei rund 135 kg/m3.

## Entwicklung geht weiter

Mit Silka CaRe ist die Entwicklung CO2-reduzierter mineralischer Baustoffe für Xella nach eigenen Angaben nicht abgeschlossen. Zusätzliche Möglichkeiten ergeben sich seit der Zugehörigkeit zur Holcim Gruppe durch den erweiterten Zugang zu mineralischen Rohstoffen und Bindemitteln. Damit erweitert sich auch die Basis für die zukünftige Forschung an Rezepturen und Materialkreisläufen. Im Fokus bleibt laut Hersteller die Frage, wie sich Rohstoffe effizienter einsetzen und CO2-Emissionen weiter reduzieren lassen, während die für Planung und Anwendung erforderliche technische Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.

Für Dr. Dr. Thomas Hurnaus reicht der Blick dabei über die rein technische Entwicklung hinaus. »Bei all den technischen Kennwerten dürfen wir nicht vergessen, wofür wir diese Entwicklungsarbeit leisten. Gebäude entstehen für Menschen und bleiben über Generationen bestehen. Wenn es uns gelingt, heute Materialien weiterzuentwickeln und Ressourcen bewusster einzusetzen, schaffen wir damit eine Grundlage für das Bauen von morgen. Genau darin liegt für mich auch die Verantwortung von Forschung und Entwicklung.«

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