> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://allgemeinebauzeitung.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Doka CEO: Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/doka-ceo-fachkraeftemangel-digitalisierung-nachhaltigkeit/
- Published: 2026-09-04T05:00:17.000Z
- Updated: 2026-09-04T05:00:17.000Z
- Description: Fabian Kohlbecker erklärt, dass der Fachkräftemangel das zentrale Problem bleibt. Doka setzt auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit – trotz volatiler Marktbedingungen wird die Branche langfristig stärker.
- Author: Kai-Werner Fajga
- Tags: Ingenieurbau, Politik und Infrastruktur

Doka hat jüngst in Deutschland seine Führungsspitze neu besetzt, Fabian Kohlbecker übernimmt die Gesamtverantwortung als CEO der Doka Deutschland. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, fragte ihn nach seinen Zielen und aktuellen Herausforderungen.

**Herr Kohlbecker, Sie haben jüngst die Verantwortung als CEO der Doka Deutschland übernommen. Was wird sich ab morgen ändern?**  
Märkte, Bauweisen und Kundenanforderungen verändern sich, täglich. Um unserem Anspruch und dem, wofür wir schon immer stehen – der Nähe zum Kunden – gerecht zu werden, müssen auch wir uns kontinuierlich verändern.  
Das heißt Flexibilität in unseren eigenen Arbeitsweisen und Lösungen, um in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden auch weiterhin als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Das umfasst unser heutiges Angebot an Produkten und Services, aber auch die zukünftig immer relevanteren Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit, bei denen wir uns bereits heute schon stark aufgestellt haben.

**Wie würden Sie wirtschaftlichen und politische Rahmenbedingungen für Sie als Hersteller im Bereich Schalung und Gerüstbau beschreiben?**  
So wie für die Bauwirtschaft insgesamt: die Rahmenbedingungen bleiben volatil. Die Branche stellt sich aber darauf als neue Normalität ein, und wir sehen auch erste positive Impulse, deshalb gehe ich davon aus, dass sich die Situation mittelfristig weiter verbessert und der Markt an Stärke gewinnt. Was wir jetzt schon merken ist, dass die Anfragen im Bereich Ingenieur- und Infrastrukturbau im Vergleich zu den letzten zwei, drei Jahren zunehmen.

**Wie würden Sie die Marktposition von Doka skizzieren?**  
Wir sind ein Komplettanbieter für Schalung, Gerüst und schweres Traggerüst. Natürlich werden wir vor allem mit Schalung in Verbindung gebracht, da kommen wir her, da sind wir einer der Marktführer. Aber schon in den 1970er-Jahren wurden die Projekte immer größer und internationaler, so dass die Doka ihre Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen sukzessive immer mehr erweitert hat. Auch unser Engineering ist damit immer größer geworden. Das ist auch eine der Stärken von Doka: das Engineering, genauso wie das Projektmanagement. Unser Anspruch ist, nicht nur am Puls der Zeit zu sein, sondern schon einen Schritt voraus! So sehe ich uns als einen der Innovationstreiber in Sachen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in unserer Branche.

**Hohe Anteile des Sondervermögens der Bundesregierung sollen in den Infrastrukturbau fließen. Macht sich das im Auftragseingang beziehungsweise in den Umsätzen von Doka schon bemerkbar?**  
Infrastruktur- und Ingenieurbau war schon immer eine der Stärken von Doka. Da braucht es viel Erfahrung und Know-how, und auch Kreativität in der Lösungsfindung. Dafür sind wir bekannt, und dafür werden wir ungebrochen stark angefragt. Allerdings ist das Potenzial, das im Infrastrukturbau in Deutschland steckt, noch bei Weitem nicht ausgeschöpft.

**Rechnen Sie mit signifikantem Wachstum durch die verstärkten Infrastrukturinvestitionen in Deutschland?**  
Dadurch, dass das Investitionspaket auf zwölf Jahre angelegt ist, relativiert sich meine Erwartungshaltung: der Effekt wird eher kontinuierlich über einen längeren Zeitraum zu sehen sein als durch einen sprunghaften Anstieg. Andererseits gehören Ingenieurbauten und somit Infrastrukturbauwerke zu den technisch anspruchsvollsten Schalungs- und Gerüstprojekten, und da zählen wir auf jeden Fall zu den führenden Spezialisten. Und somit wollen wir natürlich auch hier unseren Beitrag leisten und von den Infrastrukturinvestitionen profitieren.

**Welche kurz- und mittelfristigen Ziele haben Sie sich bei Doka ­gesetzt?**  
Zum einen unsere Marktposition zu festigen und weiter auszubauen, indem wir Kunden mit unseren Lösungen überzeugen. Um das leisten zu können, brauchen wir auch in der ­Zukunft die besten Fachkräfte und werden uns noch stärker als attraktiver Arbeitgeber im Markt positionieren. Das heißt konsequentes Investieren, Fördern, Schulen und Entwickeln unseres größten Assets: unserer Mitarbeiter – und zwar über alle Fachbereiche und Funktionen hinweg. Dafür haben wir bereits heute tolle, auch internationale Programme in der Doka Gruppe aufgesetzt.

**Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends für die Bereiche Schalung und Gerüstbau in 2026 und darüber hinaus?**  
Ich sehe hier vor allem drei große Trends, vorweg natürlich die Digitalisierung. Baustellen werden zunehmend datengetrieben. So erleichtert zum Beispiel die BIM-basierte Projektabwicklung die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit, das erhöht die Produktivität. Künstliche Intelligenz wird standardisierte bzw. standardisierbare Prozesse verändern und sicherlich auch ein Stück weit dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Nicht, indem sie Fachkräfte ersetzt, sondern ihnen Freiraum schafft für anspruchsvollere Aufgaben.  
Der zweite große Trend ist aus meiner Sicht das Thema Nachhaltigkeit. Auf der einen Seite rücken kreislauffähige Lösungen stärker in den Fokus. Auf der anderen Seite muss die Baubranche die Dekarbonisierung vorantreiben, sowohl durch den Einsatz ressourcenschonender Materialien als auch durch energieeffiziente Prozesse und klimafreundlichere Lösungen. Außerdem werden Nachhaltigkeits­kriterien verstärkt in Ausschreibungen verlangt, insbesondere bei denen der öffentlichen Hand.  
Und der dritte wichtige Trend ist die Verschiebung der Nachfrage von Einzellösungen hin zu Komplettlösungen, um die Komplexität auf den Baustellen besser abbilden zu können. Diesen Trend hatte Doka früh antizipiert, so dass wir uns von einem Spezialisten für Schalungslösungen zu einem Komplettanbieter für Schalung, Gerüst und schweres Traggerüst entwickelt haben. Wenn Sie zum Beispiel eine Autobahnbrücke bauen, brauchen Sie alle drei. Doka ist der Ansprechpartner, der diese Leistungen gesamtheitlich begleitet, und zwar so, dass alles ineinandergreift, sowohl in der Planung als auch Logistik und Vormontage. Das spart Bauunternehmen viel Zeit und am Ende auch Kosten, macht sie also produktiver.

**Welche Themen beschäftigen die Kunden von Doka aktuell am meisten?**  
Dauerthema ist und bleibt der Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund werden Unternehmen ihre Kapazitäten künftig noch gezielter auf einzelne Marktsegmente und Wertschöpfungstiefen ausrichten. Der Wohnungsbau geht immer noch eher schleppend voran, so dass sich einige Bauunternehmen auf andere Bereiche fokussieren. Strategisch lautet deshalb eine der wichtigsten Fragen derzeit: In welchen Geschäftsfeldern wollen wir in fünf oder zehn Jahren erfolgreich sein? Ein Treiber der kommenden Jahre wird aus meiner Sicht zunehmend die Modernisierung der Infrastruktur, die Energiewende und der Ausbau digitaler Infrastruktur sein. Für Bauunternehmen bedeutet das, ihre Geschäftsmodelle, Kompetenzen und Investitionsschwerpunkte entsprechend auszurichten.  
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Termin-, Kosten- und Ressourceneffizienz. Das heißt unsere Kunden treibt auch die Frage um, wie sie produktiver werden können, wenn einerseits die Fachkräfte knapper und andererseits die Projekte komplexer werden. Da geht es um Fragen wie Prozesse verschlanken, mit weniger Aufwand mehr zu schaffen und so weiter. Um diesen Spagat zwischen Komplexität und Produktivität hinzubekommen, braucht es meiner Meinung nach einerseits clevere Systemlösungen, andererseits einen verstärkten Einsatz digitaler Technologien.

**Digitalisierung hat längst im ­Bereich Schalung/Gerüstbau Einzug gehalten. Welche Lösungen bietet Doka aktuell, um Kunden zu unterstützen?**  
Das reicht von der BIM-basierten Planung über die digitale Beschaffung und Verwaltung bis hin zu digitalen Anwendungen auf der Baustelle, etwa unser Beton-Monitoringsystem Concremote oder die Sensoriklösungen DokaXact, die sowohl die Ankerlast als auch den Frischbetondruck überwachen.  
Herausragend ist unsere digitale Kundenplattform Doka 360, die wir erstmals auf der bauma 2025 vorgestellt haben. Doka 360 bringt alles, was unsere Kunden rund um ihre Schalungsprojekte brauchen, auf einer einzigen Plattform zusammen. Statt zwischen verschiedenen Anwendungen, E-Mails oder Dokumenten hin- und herzuwechseln, finden sie alle wichtigen Informationen und Prozesse an einem Ort, von der Planung über die Bestellung bis hin zur Rückgabe des Materials.  
Die Early-Access-Phase begann im Juli 2025 in Deutschland und den USA, zwei Kernmärkten der Doka. Das Feedback der Kunden ist positiv, und sie bringen neue Ideen ein, was wiederum genau zu unserer Kultur passt: Lösungen gemeinsam mit Kunden zu erarbeiten, denn am Ende müssen sich Innovationen im Alltag bewähren.

**Wie wird das digitale Angebot bei Doka von Kunden nachgefragt?**  
Lösungen, die schon länger etabliert sind, wie Concremote, gehören mittlerweile schon fast zum Standard. Kunden nutzen auch immer mehr unseren Online-Shop, etwa für Schalungsplatten oder Komponenten wie Träger und Stützen. Größere technologische Innovationen setzen sich in unserer Branche meist langsamer durch als in anderen Branchen, gewinnen dann aber nachhaltig an Dynamik. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn digitale Anwendungen sind nicht einfach nur ein Werkzeug, sondern verändern die Art und Weise, wie Prozesse ablaufen und wie man arbeitet.

**Welche Services/Dienstleistungen bietet Doka darüber hinaus an?**  
Das fängt oft schon in der Submissionsphase an. Schalung und Gerüst sind eine sehr spezielle Anwendung, da braucht es viel Fachwissen. Wir sind wie ein ausgelagertes Ingenieurbüro rund um unsere Produkte. Oft sind in dieser sehr frühen Phase auch schon unsere Projektmanager involviert, also erfahrenen Doka-Spezialisten für die fachliche Vor-Ort-Betreuung und Koordination rund um das jeweilige Projekt. Für die praktische Unterstützung auf der Baustelle kommen unsere Richtmeister zum Einsatz. Das sind speziell ausgebildete, erfahrene Fachkräfte, die genau wissen, wie unsere Systeme am besten und vor ­allem sicher montiert werden. Eine weitere Dienstleistung ist das Team der Schalungsvormontage, also speziell mit unseren Systemen erfahrene Montageteams, durch die zum Beispiel Schalwagen, Kletterschalungen oder Sonderschalungen direkt auf der Baustelle fachgerecht vormontiert und ­demontiert werden. Zum Thema Sonderschalung: hier können wir mit maßgeschneiderten, pragmatischen Lösungen punkten, die häufig zur Realisierung außergewöhnlicher Architekturentwürfe oder besonderer Ingenieurbauwerke zum Einsatz kommen.

**Welche Rolle spielen Services wie Engineering, Fertigservice (Sonderschalung), Richtmeister oder ­Schalungsvormontage?**  
Das macht tatsächlich sehr viel aus. Wie gesagt, Schalung und Gerüst ist ein sehr komplexes Feld. Und im Bauingenieurstudium oder der technischen Ausbildung spielt Schalung – leider – oft nur eine untergeordnete Rolle. Durch unsere langjährigen Mitarbeiter, ein ausgeklügeltes Trainingskonzept und konsequenten Know-how-Transfer sind wir die Experten und genau dafür da, den Kunden zu entlasten und mit unserer Expertise zu unterstützen. Wir »leben« Schalung und Gerüst jeden Tag. Das wissen unsere Kunden, und deshalb vertrauen sie uns, ob in der Anwendung­splanung oder der konkreten Unterstützung in der Arbeitsvorbereitung.

**Doka hat im Sommer 2022 »Product Carbon Footprint-KPIs« eingeführt. Wie ist der aktuelle Stand?**  
Mittlerweile können wir den CO₂-Fußabdruck für mehr als 9.000 Schalungs- und Gerüstprodukte ausweisen. Damit schaffen wir Transparenz und geben unseren Kunden belastbare Daten für Beschaffung, Ausschreibungen und eigene Nachhaltigkeitsbewertungen an die Hand. Diese Informationen integrieren wir direkt in Rec­h­nungen und auf Wunsch auch in Angeboten.

**Wie werden nachhaltige Produkte im Markt nachgefragt?**  
Wir beobachten, dass Bauunternehmen Nachhaltigkeit immer stärker in ihre Entscheidungen mit einbeziehen, da nachhaltige Lösungen zunehmend ein Wettbewerbsfaktor werden. Die Gründe dafür können regulatorische Anforderungen oder ESG-Berichtspflichten sein.  
Vor allem entwickelt sich Nachhaltigkeit aber zu einem Vergabekriterium, insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen. Nehmen Sie das Thema Holz: Hier in Deutschland wird sehr darauf geachtet, dass das Material nachweislich aus kontrolliert zertifiziertem Holz- bzw. Plantagenanbau ist und die Importregularien eingehalten werden. Doka produziert ihre Produkte aus FSC-, PEFC- oder gemäß ISO-Norm zertifiziertem Holz und unterstützt die entsprechenden Anforderungen.  
Entscheidend ist aber: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen kein Widerspruch sein. Genau deshalb setzen sich nachhaltige Produkte dann durch, wenn sie beides bieten. Unsere Xlife top Schalungsplatte ist dafür ein gutes Beispiel. Durch den Einsatz von recyceltem Kunststoff ist sie besonders langlebig, kann wiederverwendet werden und schont dadurch Ressourcen. Gleichzeitig bietet sie die Qualität beim Betonbild und Wirtschaftlichkeit, die unsere Kunden für den Einsatz auf der Baustelle erwarten. Das ist aus meiner Sicht der Punkt, an dem sich nachhaltige Lösungen dauerhaft im Markt durchsetzen werden.

**Welchen Stellenwert nimmt das ­Thema Nachhaltigkeit bei Doka und bei Ihren Kunden ein?**  
Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Unser Anspruch ist, das Thema ganzheitlich anzugehen. Darum fangen wir zuerst bei uns selbst an und haben uns schon 2022 dazu verpflichtet, bis 2040 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Im Zuge dessen haben wir als erstes Schalungs- und Gerüstunternehmen weltweit Ende 2024 das Commitment zur Science Based Target initiative (SBTi) abgegeben.  
Im März 2026 wurden wir von der Nachhaltigkeits-Ratingagentur EcoVadis mit der Silbermedaille ausgezeichnet und zählen damit zu den Top 15 % der weltweit bewerteten Unternehmen. So einen Aufwand betreibt man nicht aus Eitelkeit, sondern aus ökonomischer Überzeugung.  
Auch bei unseren Kunden ist Nachhaltigkeit längst kein Nischenthema mehr, sondern ein strategisches Handlungsfeld. Darum unterstützen wir sie dabei, die Dekarbonisierung auf der Baustelle voranzutreiben. Ob mit der Xlife top Schalungsplatte oder mit intelligenten Lösungen wie Concremote.

**Doka will als Hersteller bis 2040 »Netto-Null-Emissionen« erreichen. Wo befinden Sie sich aktuell auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen?**  
Wir sind auf einem sehr guten Weg. Seit dem Ausgangsjahr 2021 hat Doka weltweit die Emissionen im eigenen Betrieb um knapp ein Viertel reduziert. Bei Doka Deutschland konnten wir die Emissionen im selben Zeitraum sogar um 48 Prozent senken. ­Das zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen. Denn wenn man über Netto-Null spricht, geht es am Ende vor allem darum, die größten Hebel zu identifizieren und dann auch konsequent anzugehen. Das sind für uns erneuerbare Energien. Seit Anfang 2025 werden all unsere Standorte in Deutschland zu 100 % mit Ökostrom versorgt, wir stellen unsere Heizsysteme um und steigen bei unserer Fahrzeugflotte schrittweise auf E-Modelle um.  
Gleichzeitig wissen wir: Die anspruchsvollsten Etappen liegen noch vor uns. Denn ein großer Teil der Emissionen entsteht nicht bei uns selbst, sondern entlang der Wertschöpfungskette. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Lieferanten und Partnern zusammen, um auch in Zukunft bei Materialien und Transporten weitere Emissionen zu reduzieren und den Anteil von Recyclingmaterialien noch weiter zu erhöhen.