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# Elektrische Baumaschinen: Zukunft oder Herausforderung auf Baustellen?
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/elektrische-baumaschinen-zukunft-herausforderung-baustellen/
- Published: 2026-10-12T07:25:42.000Z
- Updated: 2026-10-12T07:25:42.000Z
- Description: Die Einführung elektrischer Großmaschinen ist technisch möglich – aber praktikabel nur bei ausreichender Stromversorgung. Auf Autobahnen und Landstraßen fehlt die Infrastruktur, was den Einsatz stark behindert.
- Author: Cornelia Rachow
- Tags: Baumaschinen und Technik

**Seit rund anderthalb Jahren arbeiten Sie bei Dynapac. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt – und was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?**  
Mich hat neben der Arbeit mit Hightech-Maschinen vor Allem der Charme eines internationalen Unternehmens gereizt, in dem dennoch sehr viel Flexibilität möglich ist. »Think global - act local« wird hier wirklich gelebt.

Überrascht hat mich wie schnelllebig und dynamisch die von außen eher traditionell wahrgenommene Straßenbaubranche wirklich ist. Hier wird jeden Tag von allen Beteiligten Flexibilität und Kreativität erwartet um mit den vielfältigen Herausforderungen umgehen zu können. Das ist zwar sehr fordernd aber auch unglaublich motivierend.

**Viele Bauunternehmen sagen, elektrische Großmaschinen seien technisch spannend, aber auf der Baustelle kaum praktikabel. Läuft die Entwicklung hier schneller als die Realität auf den Baustellen?**Dies hängt stark von Anwendung und Region ab. Relativ stationäre Maschinen können auch heute schon wirtschaftlich eingesetzt werden, wenn sie in Reichweite einer ausreichenden Stromversorgung sind. Mobile Maschinen bringen dort größere Herausforderungen mit sich. Hier spielen vor Allem politische Rahmenbedingungen eine Rolle. In Ländern, in denen der Einsatz dieser Maschinen staatlich gefördert oder gefordert wird, besteht auch heute schon eine größere Nachfrage nach elektrischen Großmaschinen. Grundsätzlich zeigt die Entwicklung, dass elektrische Baumaschinen einen größeren Wirkungsgrad als konventionelle Maschinen erreichen und es ist davon auszugehen, dass sie sich mittelfristig durchsetzen werden, wenn sich die logistischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern.

**Bei Ihren Techniktagen wurde intensiv über fehlende Strominfrastruktur auf Baustellen diskutiert. Wie groß ist dieses Problem aus Ihrer Sicht tatsächlich?**In urbanen Räumen ist es heute schon relativ problemlos möglich elektrische Baumaschinen einzusetzen. Sie sind leiser, abgasarm und leistungsstark und eine Stromversorgung kann im städtischen Bereich gewährleistet werden. Unsere elektrischen City-Fertiger können an jeder Pkw-Ladesäule aufladen und halten damit einen ganzen Arbeitstag durch. Deutlich schwieriger ist die Lage auf Autobahn- oder Landstraßenbaustellen. Dort steht in der Regel keine ausreichende Stromversorgung zur Verfügung um einen mehrtägigen Betrieb von elektrischen Großmaschinen zu gewährleisten. Es gibt zwar mobile Speicher, die auf der Baustelle platziert werden können, allerdings sind diese noch sehr teuer und müssen natürlich auch irgendwo aufgeladen werden. Die Stromlogistik ist aus meiner Sicht tatsächlich aktuell der größte Hinderungsgrund für den Einsatz elektrischer Großmaschinen auf außerstädtischen Baustellen.

**Sie haben betont, die Daten gehörten dem Kunden. Warum ist dieser offene Umgang mit Maschinendaten aus Ihrer Sicht so wichtig?**  
In der heutigen Zeit wird die Vernetzung von Baumaschinen immer wichtiger. Sei es zu Dokumentationszwecken gegenüber dem Auftraggeber, zur Leistungsmessung der eigenen Arbeit oder zur Arbeitserleichterung der Bediener. Es gibt Unternehmen, die sich auf die Vernetzung und Nutzbarmachung dieser Daten spezialisieren und dabei herstellerübergreifend sehr erfolgreich sind. Unser Anspruch ist es, diese Vernetzung bestmöglich zu unterstützen um das maximale Potential unserer Maschinen abrufen zu können. Dies geht nur wenn wir als Hersteller Zugriff auf alle relevanten Daten gewähren. Auch finanziell ist dies für unsere Kunden ein großer Vorteil denn so können externe Programme die Daten unserer präzisen Sensorsysteme auslesen und eine Nachrüstung ist nicht erforderlich. Wir gehen sogar so weit, dass wir ab Werk Vorrüstungen für bestimmte Systeme anbieten (z.B. Völkel) und so eine nahtlose Integration in die Softwareumgebung des Kunden gewährleisten können.

**Der Straßenbau steht gleichzeitig unter Druck, produktiver und klimafreundlicher zu werden. Wo sehen Sie die größte Veränderung in den nächsten fünf bis zehn Jahren?**  
Es gibt viele Ansätze für Veränderungen im Straßenbau um diese Ziele zu erreichen. Niedrigtemperaturasphalt, Recyclingmaterial, Elektrifizierung und Dünnschichteinbau sind nur einige davon. Die größte Herausforderung wird es sein, die Qualität und Produktivität im Straßenbau dabei nicht zu gefährden. Die Baufirmen und auch wir als Maschinenhersteller bewegen uns dort im Spannungsfeld von hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Haltbarkeit, Dokumentationspflichten und Kosteneffizienz. Dies miteinander in Einklang zu bringen wird die Mammutaufgabe für die nächsten Jahre und es ist davon auszugehen, dass sich einige Ansätze als nicht dauerhaft tragfähig herausstellen werden und neue Anforderungen dazu kommen.