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# »Im Gerüstbau ist einiges im Umbruch«
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/exklusiv-interview-im-geruestbau-ist-einiges-im-umbruch-65401/
- Published: 2026-04-24T05:00:00.000Z
- Updated: 2026-04-24T05:00:00.000Z
- Description: Im Vorfeld der Bundesfachtagung Gerüstbau 2026 gewährt Wolf Christian Behrbohm, Geschäftsführer von Layher, im Interview mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga weitreichende Einblicke in aktuelle Geschehen in der Gerüstbaubranche und zeigt Herausforderungen auf, die auf Kunden und Hersteller gleiche
- Author: ABZ
- Tags: Gerüstbau, Baupraxis

Im Vorfeld der Bundesfachtagung Gerüstbau 2026 gewährt Wolf Christian Behrbohm, Geschäftsführer von Layher, im Interview mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga weitreichende Einblicke in das aktuelle Geschehen in der Gerüstbaubranche und zeigt aktuelle Herausforderungen auf, die auf Kunden und Hersteller gleichermaßen zukommen werden.

**ABZ: Herr Behrbohm, die Bauwirtschaft spricht trotz bauma von einem verlorenen Baujahr 2025, Experten und Verbände meinen, 2026 sei die Talsohle durchschritten – viele wittern Morgenluft. Wie würden Sie die aktuelle Marktsituation im Gerüstbau beschreiben?**

Behrbohm: Layher-Gerüstsysteme kommen nicht nur rund um die Bau- stelle, sondern auch in der Industrie oder der Veranstaltungstechnik in vielfältiger Weise zum Einsatz – von temporären Treppentürmen bis hin zu Trag- und Bewehrungsgerüsten. Daher lässt sich die Frage nicht pau-schal beantworten. Grundsätzlich können wir sagen, dass unsere Kunden durch ihr breites Leistungsspektrum weiterhin eine gute Auftragslage haben. Vor allem, da sie sich mit dem flexibel einsetzbaren Layher-System schnell auf neue Anforderungen ein- stellen und Lösungen anbieten können. Ein aktuelles Beispiel sind Infra- strukturmaßnahmen wie Brückenbau und Brückensanierung.

**ABZ: Zur bauma hatte Layher das Motto »Für Euch das Mehr. Von uns das Möglich.« vorgestellt. Wie haben Kunden und Interessenten das aufgenommen?**

Behrbohm: Im Gerüstbau ist gerade einiges im Umbruch. Vor allem, da Hersteller vermehrt in die Kernbereiche von Gerüstbaufirmen vordringen, selbst Gerüstbaudienstleistungen anbieten und ihnen somit Konkurrenz machen. Für unsere Kunden ist es natürlich wichtig, wie sich Layher als der führende Hersteller von Gerüstsystemen positioniert. Deshalb haben wir mit dem Motto ganz bewusst unser bekanntes Kundenversprechen »Mehr möglich.« aufgegriffen. Unser Ziel ist der Erfolg unserer Kunden. Das hat oberste Priorität. Darauf richten wir all unsere Aktivitäten aus. Möglich ist dies, da wir als mittelständisches Familienunternehmen nicht nur auf Au-genhöhe mit unseren Kunden zusammenarbeiten, sondern im Gegensatz zu Konzernstrukturen auch deutlich flexibler auf Kundenwünsche reagieren können. Wir sind für unsere Kunden im Gerüstbau der verlässliche Partner. Das schätzen unsere Kunden.

**ABZ: Wie wirkt sich dies in der Praxis aus?**

Behrbohm: Damit unsere Kunden er- folgreich sein können, müssen sie sich wie gesagt auf Layher als den Partner im Gerüstbau verlassen können. Und eine klare Aufgabenteilung ist dabei ein maßgeblicher Faktor. Sowohl Layher als Gerüsthersteller als auch unsere Gerüstbaukunden konzentrieren sich auf das, was jeder am besten kann. Und das sind Aufgaben, die sich ergänzen und positiv verstärken. Das ist »echte« Partnerschaft. So gewinnen wir letztendlich gemeinsam.

**ABZ: Können Sie darauf näher eingehen, was eine »klare Aufgabenteilung« bei Layher bedeutet?**

Behrbohm: Ja, gerne. Ganz konkret: Wir stellen her, aber nicht hin. Wir machen unseren Kunden auch in Zukunft keine Konkurrenz. Die Gerüst- baudienstleistung mit eigenem Material und Personal ist der Tätigkeitsbereich unserer Kunden. Gerade die Materialvermietung stellt eine wichtige Einnahmequelle für Gerüstbauunternehmen dar, denn die Gerüstbaudienstleistung besteht aus Materialbereitstellung, Logistik, Planung, Montage, Beratung. Wenn Hersteller das Material selber vermieten, fällt für Gerüstbauunternehmen nicht nur eine Umsatzquelle weg, sondern auch die Möglichkeit zum Substanzaufbau. Bei unserem Partnerschaftsverständnis bleibt die volle Wertschöpfung in der Gerüstbaudienstleistung bei unseren Kunden. Im aktuellen Marktumfeld gibt es aber noch einen weiteren As- pekt, etwa wenn Hersteller dabei in einen derzeit schwächeren Markt dringen. Sie nehmen Gerüstbaufirmen dann Marktanteile weg und verstärken darüber hinaus die Preisspirale. Das ist insgesamt nicht gut für die gesamte Branche. Nicht für Gerüstbaufirmen. Aber auch nicht für Bauunternehmen.

**ABZ: Was wären denn die Auswirkungen auf Bauunternehmen?**

Behrbohm: Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Layher-Gerüstsysteme während der kompletten Bauphase zum Einsatz kommen. Die Montageschnelligkeit jeder einzelnen Gerüstkonstruktion kann also die Baustelleffizienz insgesamt steigern. Allerdings hängt die Montageschnelligkeit neben dem eingesetzten Gerüstsystem auch von der Qualifikation und der Erfahrung der Monteure ab. Die Erfahrung zeigt, dass kompetente Gerüstbauer in der Regel deutlich schneller arbeiten als fachfremde Monteure. Das Gewerk Gerüstbau ist damit auch für die Baubranche ein wichtiger Faktor. Und wir als der Partner unserer Gerüstbaukunden tun deswegen alles dafür, dass sie erfolgreich und damit auch rentabel arbeiten können, zum Beispiel durch die Weiterentwicklung unserer Gerüstsysteme. Und durch ergänzende Service-Leistungen wie das Layher Seminarangebot. Für dieses umfassende Gesamtpaket steht »Mehr möglich.«.

**ABZ: Welchen Ansprüchen müssen Gerüstsysteme heute entsprechen, damit Gerüstbauunternehmer erfolgreich und damit auch rentabel arbeiten können?**

Behrbohm: Die Layher-Gerüstsysteme sind darauf ausgelegt, dass unsere Gerüstbaukunden schnell und sicher arbeiten – und ihr Leistungsangebot an neue Anforderungen anpassen können. Für uns heißt dies, dass wir zum einen unsere Systeme im Sinne der Layher-Lightweight-Technologie weiterentwickeln und damit noch effizienter im Einsatz machen. Mit dem neuen zerlegbaren Kompaktgeländer für das wirtschaftliche BlitzGerüst haben wir beispielsweise die nächste Generation des vorlaufenden systemintegrierten Seitenschutzes vorgestellt. Das Blitz-Kompaktgeländer überzeugt durch seine effiziente Montage, entspricht aktuellen Sicherheitsvorschriften und lässt sich mit drei kompakten Einzelteilen platzsparend lagern und transportieren. Zum anderen beobachten wir den Markt und erarbeiten praxisgerechte Lösungen für neue Aufgabenstellungen. Abgesehen von einem höheren Materialumschlag können unsere Gerüstbaukunden dadurch mit Serienteilen ein noch breiteres Leistungsspektrum für Bauunternehmen bieten. Stichwort: Brückensanierungen. Hierfür werden Arbeitsplattformen benötigt, die sich schnell errichten lassen, eine hohe Arbeitssicherheit gewährleisten und je nach Baustelle eine größtmögliche Durchfahrtshöhe bieten. Für alle diese Anforderungen gibt es jetzt die wirt- schaftliche Lösung: das modulare Plattformsystem FlexDeck.

**ABZ: Was bedeutet dies für die Produktentwicklung bei Layher?**

Behrbohm: Dass wir auch weiterhin vom Integrierten Systemansatz über- zeugt sind. Das Integrierte Layher- System ist ein universell einsetzbares System, bei dem wenige Grundbauteile gezielt mit passenden Ergänzungs- bauteilen kombiniert werden können. Je nach Bedarf. Wenn es neue Anforderungen oder Vorschriften gibt, gehen wir also nicht den einfachen Weg und entwickeln jedes Mal ein neues System. Für unsere Kunden würde dies nicht nur eine erhebliche finanzielle, sondern unter Umständen sogar eine steuerliche Belastung bedeuten. Wir stellen vielmehr sicher, dass unsere Kunden ihren Materialbestand dauerhaft weiterverwenden können, indem neue Systemgenerationen oder neue Bauteile zum Materialbestand passen. Unsere Kunden haben Investitionssicherheit, können rentabel arbeiten und sind gleichzeitig auf dem neuesten Stand der Technik. Denn Layher-Innovationen geben in der Regel den Stand der Technik vor.

**ABZ: Sie hatten angesprochen, dass das Layher-Angebot weit über das Angebot eines reinen Herstellers hinausgeht. Wie passen die Themen Produkt und Service zusammen?**

Behrbohm: Gut. Weil sie darauf abzielen, unsere Kunden erfolgreich zu machen. Und das hängt eben sowohl vom eingesetzten Produkt als auch von einer guten digitalen Planung und dem Knowhow der Mitarbeiter ab. Wir unterstützen unsere Kunden daher in jedem ihrer Kernprozesse. Mit Anwendungstechnik während der Pla- nungsphase. Mit einer schnellen Materialverfügbarkeit in der Ausführungsphase. Mit Schulungen und Seminaren. Mit Branchenimpulsen wie den Layher-Gerüstbauer-Stammtischen. Und mit der Erarbeitung von Branchestandards wie dem Digitalisierungsprozess Layher-SIM. Themen, für die unsere Kunden im geschäftigen Arbeitsalltag meist gar keine Zeit haben.

**ABZ: Gibt es im Bereich Service ebenfalls Neuheiten?**

Behrbohm: Klar. Im Bereich Digitalisierung mischt unsere neue SIM- 2Field-XR-App gerade den Markt auf. Mit der SIM2Field-XR-App lässt sich das 3D-Gerüstmodell aus der Planung für die digitale Montageunterstützung und die anschließende Kontrolle nutzen. Damit ist künftig nicht mehr »Montieren nach Plan« der Standard im Gerüstbau, sondern »Montieren nach Modell«. Ein deutlicher Effizienz- booster. Neu ist zudem, dass unsere Seminare als Ergänzung zu unserem Schulungszentrum am Stammsitz in Eibensbach inzwischen bundesweit stattfinden. In Erkrath haben wir be- reits unser Schulungszentrum West eröffnet, in Hamburg bauen wir aktuell das Schulungszentrum Nord.

**ABZ: Sie sprachen auch die Stammtische an. Welche waren dort die wichtigsten Themen der letzten Monate?**

Behrbohm: Die Layher-Stammtische sollen Impulse für aktuelle und zu- künftige Branchenthemen bieten und eine Plattform für den Erfahrungsaustausch schaffen. In diesem Jahr stand der Erfolgsfaktor Digitalisie- rung im Mittelpunkt. Unsere Kunden konnten die neue SIM2Field- XR-App und deren Vorteile kennenlernen. Darüber hinaus gab es mit »Geschäftsprozesse digital denken: Vom Ist-Zustand zur KI-gestützten Zukunft im Gerüstbau« einen spannenden Impulsvortrag. Ein Spezialist für Prozessoptimierung in Handwerksunternehmen zeigte Schritt für Schritt auf, wie Unternehmen aus Gerüstbau und Handwerk digital arbeiten können – auch ohne Vorwissen. Leicht erklärt und direkt aus der Praxis. Immer mit dem Ziel, Arbeitsabläufe wirt- schaftlicher zu gestalten.

**ABZ: Die Bundesfachtagung Gerüstbau steht vor der Tür. Welche Themen sind für Layher die wichtigsten der Tagung? Wie positioniert sich Ihre Firma?**

Behrbohm: Die diesjährige Bundes- fachtagung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Ein richtiger Schritt, da der Gerüstbau eine Dienstleistung ist, bei der der Faktor Mensch einen großen Einfluss auf die Effizienz hat. Sozusagen ein People Business. Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, hat auch bei Layher Tradition, und zwar schon seit mehr als 80 Jahren. Wie äußert sich dies in der Praxis? Nehmen Sie die Technologie Layher Lightweight, die mit leichten und zugleich hochtragfähigen Bauteilen sowie optimierter Bauteilform sowohl die Montageschnelligkeit im Gerüstbau steigert als auch die Ergonomie und damit die Le- bensarbeitszeit für Monteure. Ein weiterer Aspekt ist das Thema Arbeitssicherheit. Hier stellen wir sicher, dass unsere Systeme sicher und gleichzeitig wirtschaftlich im Einsatz sind. Bei Layher kein Widerspruch. Trotz guter technischer Lösungen darf der Mensch nicht vergessen werden, der das Thema Sicherheit in der täglichen Arbeit umsetzen soll. Oftmals verbunden mit einer Änderung der Arbeitsweise. Daher ist es wichtig, Mitarbeiter regelmäßig zu schulen und bei Bedarf auch zu kontrollieren. Hier ist aus unserer Sicht auch die BG BAU gefragt. Nur so ist ein faires Wettbe- werbsumfeld sichergestellt.

**ABZ: Dass Digitalisierung eine Herausforderung für jedes Unternehmen der Bauwirtschaft ist, ist nichts Neues. Allerdings nimmt das Thema nun in verschiedenen Berei- chen Fahrt auf. Was kommt auf Gerüstbauunternehmen zu?**

Behrbohm: Die Digitalisierung hat sich auch im Gerüstbau zum Erfolgsfaktor entwickelt, wir sprachen ja schon darüber. Erstens eröffnet die Digitalisierung von Arbeitsschritten – wo sinnvoll – erhebliche Effizienzvorteile wie Transparenz, Kostenkontrolle sowie Planungs- und Terminsichereit. Außerdem können Gerüstbaufirmen durch eine digitale Planung gegenüber Kunden während der Auf-tragsakquise hochprofessionell auftreten. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wir hatten das Thema Digitalisierung bereits frühzeitig für unsere Kunden durchgedacht und mit SIM – kurz für Scaffolding Information Modeling – einen Prozess entwickelt. Layher-SIM zeigt einfach umzusetzende Möglichkeiten zur Digitalisierung von Arbeitsschritten auf. So kann gemeinsam ermittelt werden, an welcher Stelle dies für Kunden einen echten Vorteil verschafft – individuell für jede Gerüstbaufirma. Unsere Gebietsverkaufsleiter und unser Digitalisierungsteam stehen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite.

**ABZ: Woher kommt bei Ihnen dieser ganzheitliche Ansatz bei Layher?**

Behrbohm: Wie gesagt, unser Ziel ist der Erfolg unserer Kunden. Und Erfolg im Gerüstbau hängt nie von einzelnen Aspekten ab. Die Summe aller Vorteile macht den Unterschied. Dass unabhängige Gerüstunternehmen mit Lay- her als Partner dauerhaft im Markt erfolgreich sind, hat sich bereits gezeigt. Die immer wieder neuen Branchenhe- rausforderungen packen wir gemeinsam mit unseren Kunden an. Mit Layher als Partner ist auch in Zukunft mehr möglich.