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# „Wir sind in einer zukunftsfähigen Branche“
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/exklusiv-interview-mit-holger-schulz-von-zeppelin-baumaschinen-wir-sind-in-einer-zukunftsfaehigen-branche-65638/
- Published: 2026-06-12T05:00:00.000Z
- Updated: 2026-06-12T05:00:00.000Z
- Description: Holger Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen GmbH, spricht mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über die aktuellen Probleme in der deutschen Bauwirtschaft.
- Author: ABZ
- Tags: Unternehmensmeldungen, Unternehmen und Wirtschaft

Holger Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen GmbH, spricht mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über die aktuellen Probleme in der deutschen Bauwirtschaft und erläutert, wie Zeppelin Baumaschinen sich darauf einstellen wird.

**Herr Schulz, anlässlich der „ABZ-Bauaussichten 2026“ äußerten Sie zu Jahresbeginn, dass die Erwartungen von Zeppelin Baumaschinen an das Geschäftsjahr 2026 eher „durchwachsen“ waren. Hat sich daran etwas geändert?**

Die Beschreibung bezog sich auf alle Geschäftsfelder, in denen wir tätig sind. Große Hoffnungen hatten und haben wir weiterhin im Bereich Infrastruktur, wo es einen großen Nachholbedarf gibt. Daran hat sich nichts verändert. Wir beobachten, dass die Talsohle scheinbar erreicht ist, was sich aber bereits im letzten Quartal 2025 abgezeichnet hat. Ich gehe nun von einem leichten Aufwärtstrend aus.

Wir hatten gehofft, dass sich dieser deutlicher abzeichnet. Denn der Baubedarf ist deutlich höher als das, was aktuell umgesetzt wird. Der Ukraine-Krieg ist immer noch nicht beendet, was auch Auswirkungen auf staatliche Investitionsspielräume hat. Hinzu kommen mit der Iran-Krise neue geopolitische Unsicherheiten. Welche Auswirkungen Ölpreissteigerungen auf das Investitionsverhalten haben werden, ist noch nicht absehbar.

Trotzdem sind wir optimistisch. Wir sind in einer zukunftsfähigen Branche. Entscheidend ist die Frage, in welcher Geschwindigkeit und mit welcher Intensität die öffentliche Hand Bauinvestitionen auf den Weg bringt.

**Wie beurteilen Sie die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland?**

Diese würde ich mit einer vorsichtigen Zurückhaltung beschreiben. Wir beobachten einen guten Auftragseingang, allerdings verläuft die Entwicklung derzeit weniger dynamisch als erhofft. Das Tempo, in dem hierzulande Infrastrukturprojekte umgesetzt werden, bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Entscheidend ist, welche Auswirkungen diese Zurückhaltung und die schrittweise Umsetzung auf den Markt haben. Wir brauchen eine stabile, funktionierende Wirtschaft – und dazu gehört die Bauwirtschaft als Träger zentraler Investitionen.

Das geht weit über den Bau von Autobahnen und Schienen hinaus, die weiterhin zurückliegen. Auch der Ausbau der Energienetze muss vorangebracht werden. Die Signale aus der Industrie werden aus unserer Sicht bislang nicht ausreichend aufgegriffen. Mittel aus dem groß angekündigten 500-Milliarden-Sondervermögen kommen derzeit nur bedingt auf die Straße. Ein Teil wird offenbar auch zur Haushaltskonsolidierung verwendet – das ist aus unserer Sicht kritisch zu bewerten.

Insgesamt bleibt die Entwicklung damit hinter den Erwartungen der Branche zurück. Bislang ist es nicht gelungen, die wirtschaftliche Dynamik nachhaltig zu stabilisieren. Gleichzeitig zeigt sich im internationalen Vergleich, dass andere Volkswirtschaften teilweise besser durch die Krise kommen.

**Zeppelin bietet seit 2025 eine Kraftstoffgarantie bei Baumaschinen von Cat. Das heißt, ein fester Verbrauchswert wird garantiert. Hat sich die Nachfrage an solchen Lösungen seit dem drastischen Anstieg der Kraftstoffpreise in Deutschland seitdem verändert?**

Die Kraftstoffgarantie ist ein Versprechen, das wir Kunden im Zusammenhang mit einem Servicevertrag langfristig geben. Doch der tatsächliche Effekt kommt gar nicht zustande, weil Baumaschinen von Caterpillar seit vielen Jahren signifikant hocheffizient arbeiten.

Insofern ist die Garantie mehr ein Instrument, das wir bei Neukunden oder im Wettbewerb gerne mal als Argument einbringen. Wir garantieren einen bestimmten Kraftstoffwert, den unsere Maschinen in der Regel unterschreiten. Die Kraftstoffgarantie wird über einen Servicevertrag gewährleistet.

**Wie wurde das Angebot zuvor von Kunden angenommen?**

Kunden entscheiden sich nicht allein aufgrund der Kraftstoffgarantie für eine Baumaschine. Im Einzelfall kann sie ein zusätzliches Argument sein. Im Fokus steht dabei der Servicevertrag, der die Maschinen zuverlässig betriebsbereit hält und zum Werterhalt beiträgt.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Telematik-Plattform VisionLink. Darüber lassen sich die Daten von Cat- und Non-Cat-Maschinen auswerten – darunter Betriebsstunden, Kraftstoffverbräuche, Leerlaufzeiten oder Fehlercodes. Kunden erhalten so transparente Informationen, um ihre Maschinen wirtschaftlich zu betreiben.

**Führt der Anstieg der Kraftstoffpreise im Umkehrschluss zu einer gesteigerten Nachfrage an Baumaschinen mit elektrischen Antrieben?**

Das lässt sich derzeit noch nicht ablesen.

**Caterpillar will bis 2028 vollelektrische Baumaschinenflotten anbieten. Welche Entwicklung werden wir hier sehen?**

Hier ist eine differenzierte Betrachtung notwendig: Es gibt bereits autonom fahrende Flotten von Muldenkippern. Nicht alle sind vollelektrisch, doch Caterpillar hat dieselelektrisch angetriebene Muldenkipper entwickelt, die per Oberleitungsstrom – sogenannte Trolley-Systeme – längere Strecken ohne Einsatz eines konventionellen Dieselmotors zurücklegen können.

Grundsätzlich stellen das Management und die Übertragung von Energie eine zentrale Herausforderung beim Einsatz batterieelektrischer Maschinen dar. Caterpillar positioniert sich dabei entlang der Anforderungen des globalen Marktes – mit dem jeweils effizientesten Antriebssystem für den konkreten Einsatz. Dazu gehören sowohl dieselelektrische als auch batterieelektrische Konzepte.

Die Investitionsbereitschaft in entsprechende Technologien liegt derzeit noch hinter der mit konventionellen Antrieben. In Deutschland bleiben batterieelektrische Maschinen daher noch begrenzt. Entscheidend wird sein, inwieweit klare politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu zählt unter anderem auch die verlässliche Verfügbarkeit von Strom auf Baustellen.

**Ihre Muttergesellschaft, die Zeppelin Gruppe, hat 2025 die Pepp Group übernommen und die internationale Präsenz in Richtung Skandinavien deutlich erweitert. In welcher Form beeinflusst das bisher den Geschäftsbetrieb von Zeppelin Baumaschinen?**

Der Zusammenschluss ermöglicht es, Synergien zu nutzen und vorhandenes Know-how innerhalb der Pepp Group stärker auf den deutschen Markt zu übertragen. Ein Beispiel ist der Bereich batterieelektrischer Maschinen. In Skandinavien ist das Know-how in diesem Segment bereits weiter ausgeprägt. Dort gelten zudem andere politische Rahmenbedingungen – etwa durch Vorgaben zum Einsatz elektrischer Baumaschinen im Deichbau, während gleichzeitig die notwendige Stromversorgung vor Ort sichergestellt wird.

**Führende Verbände der Bauwirtschaft wie der VDMA und VDBUM haben für 2026 eine fortgesetzte Digitalisierung prognostiziert. Der Fokus liege in diesem Jahr in der Bauwirtschaft auf der praktischen Umsetzung digitaler Technologien wie Telematiksystemen, Sensortechnik oder Predictive Maintenance. Stimmen Sie dem zu?**

Große Bauunternehmen setzen Telematik-Systeme bereits seit vielen Jahren ein. Sie wissen um die Bedeutung der richtigen Nutzung von Maschinendaten ihrer Flotte, um Prozesse und Kosten effizient zu steuern. Dieser Ansatz wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen – nicht zuletzt mit Blick auf die zusätzlichen Möglichkeiten, die der neue Cat KI-Assistent und die Sprachfunktion bringen. Wenn ein Fahrer in Zukunft eine Arbeitsanweisung durchgibt, setzt der neue KI-Assistent den Sprachbefehl um. In der Kabine ermöglicht er per Sprachsteuerung das Einstellen von Funktionen.

Wenn Kunden den konkreten Mehrwert von solchen Tools oder eben auch von VisionLink erkennen, nutzen sie die Plattform. So wichtig Daten und Systeme auch sind – am Ende entscheidet immer der Mensch, wie konsequent diese Möglichkeiten im Arbeitsalltag einfließen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich Kunden aktiv damit auseinandersetzen. Der Nutzen entsteht nicht von selbst.

Insgesamt sehe ich einen klaren Trend in der Digitalisierung von Baumaschinen, mit dem Ziel, deren Einsatz effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. Dazu zählen neben Telematik-Lösungen wie VisionLink auch Systeme zur 3D-Maschinensteuerung, die auf der Baustelle zunehmend zum Standard werden, wenn es um präzises und effizientes Arbeiten geht. Wie Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern oder Kosten senken können, vermitteln wir unseren Kunden schon seit vielen Jahren. Inzwischen werden wir zunehmend proaktiv darauf angesprochen und um Unterstützung gebeten.

Das hat auch mit der Entwicklung der Dieselpreise zu tun. Sie führt dazu, dass sich Unternehmen intensiver mit Themen wie Leerlaufanteilen befassen. Das zeigt auch: Trotz aller Daten und Analysen bleibt der persönliche Austausch mit dem Kunden und die Beratung durch unseren Vertrieb entscheidend.

**Verschiedene Verbände setzen sich seit Jahren für die Umsetzung von standardisierten Schnittstellen in Baumaschinen ein, beispielsweise für die Umsetzung von „MiC 4.0“. Wie stehen Zeppelin Baumaschinen und Cat dieser Thematik gegenüber?**

Caterpillar beobachtet diese Entwicklung aufmerksam, greift jedoch nicht von sich aus aktiv in die Maschinensteuerung ein. Das ist ein sensibles Thema, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss – nicht zuletzt, weil die Maschinensteuerung sicherheitsrelevante Aspekte umfasst.

Wir können MiC 4.0 bereits in Verbindung mit Cat Anbaugeräten abbilden. Uns ist bewusst, dass dies eine klare Anforderung aus dem Markt ist. Gleichzeitig lässt sich die Steuerung einer Baumaschine nicht eins zu eins mit der einer Landmaschine vergleichen. Auch in Bezug auf die geplante Datendrehscheibe „Site Router“ stehen wir im Austausch mit dem VDBUM, um gemeinsam zu bewerten, welche konkreten Anforderungen und Implikationen sich daraus ergeben.

**Wenn die Digitalisierung in der Bauwirtschaft und in Baumaschinen Fahrt aufnimmt, wie sieht dann der Service der Zukunft bei Zeppelin aus?**

Wir sind schon mittendrin, unsere Serviceangebote in Bezug auf Predictive Maintenance zu erweitern. Wenn eine Baumaschine einen Eventcode für einen Fehler generiert, für den eine Handlungsempfehlung vorliegt, wird kostenlos für den Kunden ein priorisiertes Service Event angelegt. Der Kunde erhält automatisch eine E-Mail mit dem Hinweis, dass seine Maschine einen Fehlercode gesendet hat. Über einen Link in der E-Mail kann sich der Kunde in VisionLink einloggen und dort die Details zum Fehlercode sowie konkrete Handlungsempfehlungen einsehen.

Auf diese Weise werden potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und der Kunde erhält unmittelbar Zugriff auf relevante Informationen, um gezielt reagieren zu können. Eine Schnittstelle sind dabei unsere Serviceberater, die proaktiv auf den Kunden zugehen und sich dann mit ihm abstimmen. Auch hier gilt: Die beste Technologie entfaltet ihren Nutzen erst im Zusammenspiel mit erfahrenen Serviceberatern und Technikern.

Die zweite Erweiterung betrifft den Ausbau unserer Remote-Service-Techniker, also jene Mitarbeiter, die den Kunden per Ferndiagnose vom Büro aus unterstützen. Wenn Kunden unseren Service wegen Problemen an der Maschine anrufen, schaltet sich der Remote-Service-Techniker auf die Maschine. Er versucht Schritt für Schritt zusammen mit dem Kunden das Problem zu beheben. Gelingt das nicht auf Anhieb beziehungsweise sind Ersatzteile nötig, werden diese bestellt. Fährt ein Servicetechniker raus zur Maschine, hat er diese gleich dabei. So wird die erste Anfahrt, die sonst für eine Diagnose notwendig ist, hinfällig. Auch regelmäßige Updates können remote aufgespielt werden. Solche Dienstleistungen werden relevanter und werden wir weiter ausbauen.

Das ganze Thema Interaktion – Caterpillar nennt das Cat Interact – werden wir auch in Kürze Kunden zur Verfügung stellen. Damit kann die Kommunikation deutlich schneller und effizienter stattfinden, bis hin zum Ersatzteileinkauf in unserem Onlineshop.