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# KI unterstützt Backoffice – aber nicht die Baustelle
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/ki-supportiert-backoffice-aber-nicht-baustelle/
- Published: 2026-10-13T10:00:31.000Z
- Updated: 2026-10-13T10:00:30.000Z
- Description: Künstliche Intelligenz kann administrative Aufgaben im Betonbohren-Handwerk effizient unterstützen. Sie entlastet das Backoffice, reduziert Rechenarbeit und spart Zeit – ohne Erfahrung oder Fachwissen zu ersetzten.
- Author: ABZ
- Tags: KI, Bau Digital

**Darmstadt** | Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie begegnet uns im Alltag, in Unternehmen und zunehmend auch im Handwerk. Damit stellt sich auch für uns im Fachverband Betonbohren und -sägen Deutschland e.V. die Frage, welche Rolle diese Technologie im Arbeitsalltag unserer Betriebe spielen kann. Für Fachbetriebe unserer Branche ist dabei klar: KI bohrt keine Löcher. 

Sie steht nicht auf der Baustelle und ersetzt weder Erfahrung noch Fachwissen. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick. Denn rund um unsere Baustellenleistungen entstehen viele administrative Aufgaben, die Zeit kosten – und genau dort kann KI unterstützen.

Ich selbst hätte mir noch vor einiger Zeit kaum vorstellen können, künstliche Intelligenz aktiv im beruflichen Alltag einzusetzen. ChatGPT war für mich zunächst kaum mehr als eine andere Form der Internetsuche. Das hat sich auch durch meine Weiterbildung zum AI Business Manager verändert. Dabei habe ich verstanden, dass man solche Systeme gezielt auf Aufgaben ausrichten und eigene digitale Assistenten aufbauen kann. Inzwischen nutze ich 15 solcher KI-Assistenten. Zwei davon möchte ich exemplarisch vorstellen: »Winfried« unterstützt mich bei der ersten Durchsicht von Bauverträgen, weist auf nachteilige oder prüfenswerte Passagen hin und liefert neutrale Formulierungsvorschläge. Natürlich ersetzt das keine anwaltliche Beratung. 

Es hilft mir aber, Verträge schneller zu strukturieren und kritische Punkte früh zu erkennen. »Ludwig« ist unser Kalkulationsassistent. Bei umfangreichen Leistungsverzeichnissen steckt viel Zeit in wiederkehrender Rechen- und Sucharbeit. Er hilft, Positionen nach festgelegten Vorgaben zu kalkulieren und Werte vorzubereiten. Prüfung und Freigabe bleiben bei mir – die Vorarbeit lässt sich aber deutlich reduzieren. KI nimmt mir heute einige Arbeit ab, aber sie entbindet ich nicht von meiner Verantwortung. Denn man darf die Grenzen nicht übersehen, KI-Systeme können falsche oder unvollständige Antworten liefern und trotzdem überzeugend klingen. Ergebnisse müssen daher geprüft werden – gerade bei wichtigen Themen.

Besonders im Backoffice sehe ich viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Wenn wiederkehrende Aufgaben schneller vorbereitet oder teilweise automatisiert werden, entsteht etwas sehr Wertvolles: Zeit. Zeit für Entscheidungen, die Baustelle und vor allem für unsere Kunden. Denn bei aller Begeisterung für neue Technologien sollten wir eines nicht vergessen: Unser Geschäft bleibt ein Geschäft zwischen Menschen. Persönliche Gespräche, Vertrauen und direkte Kommunikation lassen sich nicht automatisieren.

Für unsere Branche kann es deshalb spannend sein, sich mit KI zu beschäftigen. Nicht, weil jeder Betrieb dieselben Anwendungen braucht, sondern weil jeder herausfinden kann, wo solche Werkzeuge im Alltag wirklich entlasten. Auch hier zeigt sich der Wert unseres Fachverbands: Wenn wir Erfahrungen teilen, voneinander lernen und offen darüber sprechen, was funktioniert und was nicht, profitieren alle. Gemeinsam sind wir stärker – auch bei neuen Entwicklungen. Für mich gehört dazu, offen und neugierig auf neue Technologien zu schauen – dort, wo sie uns weiterbringen. So zeigen wir, dass unsere Branche für Präzision und Erfahrung steht und zugleich bereit ist, sich weiterzuentwickeln.

In diesem Sinne darf ich unsere Mitglieder sowie alle Interessierten unserer Branche zu den sechs Regionaltreffen des Fachverbandes einladen. Das Thema Künstliche Intelligenz ist eines der Schwerpunkte der Netzwerktreffen. Die Teilnahme ist kostenfrei, Termine und Informationen sind auf der Webseite des Fachverbandes abrufbar. Ein Fazit: KI wird unser Handwerk nicht ersetzen. Sie kann uns aber helfen, Zeit zu gewinnen – für unser Handwerk, unsere Betriebe und die Menschen, mit denen wir täglich arbeiten.

*Autor: Michael Findeis*