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# Österreichische Bauwirtschaft schrumpft zum fünften Mal in Folge
- URL: https://allgemeinebauzeitung.de/oesterreichischer-bauwirtschaftsabschwung-verlaengert-bis-2026/
- Published: 2026-10-27T13:58:05.000Z
- Updated: 2026-10-27T13:58:05.000Z
- Description: Die österreichische Bauwirtschaft schrumpft zum fünften Mal in Folge. Der Wohnbau verliert an Stärke, während der Tiefbau stabil wächst. Branchenradar fordert Deregulierung für den Wohnungsbau.
- Author: ABZ
- Tags: Marktanalysen, Unternehmen und Wirtschaft

Wien/Österreich (ABZ) | Die österreichische Bauwirtschaft wird 2026 voraussichtlich das fünfte Jahr in Folge real schrumpfen. Laut Branchenradar Marktanalyse sinkt die Bauproduktion preisbereinigt voraussichtlich um 3 Prozent auf Jahressicht. Während der Wohnbau weiterhin unter Druck steht, entwickelt sich der Tiefbau positiv. Für 2027 erwartet das Marktforschungsunternehmen im günstigsten Szenario eine Stabilisierung der Bauproduktion.

Zwischen 2020 und 2026 stieg der Bauproduktionswert im Hoch- und Tiefbau nominal um 22 Prozent auf prognostizierte 70,8 Milliarden Euro. Preisbereinigt liegt die Bauproduktion hingegen voraussichtlich gut 12 Prozent unter dem Niveau von 2020\. Ursache für die unterschiedliche Entwicklung sind laut Branchenradar die gestiegenen Baupreise. Zwischen 2020 und 2025 verteuerte sich das Bauen im Hoch- und Tiefbau insgesamt um rund ein Drittel. Im Hochbau betrug der Anstieg 38 Prozent, im Tiefbau 26 Prozent. Neben höheren Materialkosten trugen steigende Personalkosten infolge der kollektivvertraglichen Lohnanpassungen zur Teuerung bei.

Bis 2025 ging die reale Bauproduktion vor allem im Hochbau zurück, der insgesamt 16 Prozent einbüßte. Besonders betroffen war der Wohnbau: Der Wohnungsneubau sank real um 30 Prozent, die Renovierung im Wohnbau um 14 Prozent. Der Nicht-Wohnbau entwickelte sich dagegen weitgehend stabil. Im Tiefbau nahm die Produktion im selben Zeitraum real um 12 Prozent zu. Für 2026 prognostiziert Andreas Kreutzer von Branchenradar einen weiteren Rückgang im Hochbau, während der Tiefbau voraussichtlich um 2 Prozent wächst.

Ein wesentlicher Grund für den Rückgang im Wohnbau ist die sinkende Zahl der Baugenehmigungen. Zwischen 2020 und 2025 verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohneinheiten um mehr als die Hälfte. Die Baubeginne gingen im selben Zeitraum um 42 Prozent zurück, die Fertigstellungen um 34 Prozent. Für 2026 erwartet Branchenradar einen weiteren Rückgang der Wohnbaugenehmigungen um rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nach Einschätzung von Kreutzer war der Wohnungsbau in den Jahren vor 2020 teilweise durch eine über den Bedarf hinausgehende Bautätigkeit geprägt. Niedrige Zinsen, Investitionen in Immobilien sowie touristische Apartmentprojekte und Nebenwohnsitze hatten die Genehmigungszahlen erhöht. 2017 wurden je 1.000 Privathaushalte 18,5 Wohneinheiten genehmigt, 2025 waren es nur noch 7,6.

Zu den weiteren Ursachen zählen laut Branchenradar höhere Finanzierungskosten, gestiegene Baupreise, knapper werdendes Bauland und teurere Grundstücke. Zudem hätten komplexere Bauverfahren und zusätzliche Anforderungen aus Normen und technischen Vorschriften die Kosten erhöht. Kreutzer fordert deshalb eine Deregulierung, um den Wohnungsbau wieder zu erleichtern.

Für 2027 rechnet Branchenradar im Best-Case-Szenario mit steigenden Baugenehmigungen über alle Gebäudetypen hinweg. Die reale Bauproduktion könnte sich auf dem Vorjahresniveau stabilisieren. Für den Wohnbau und den Tiefbau wird jeweils ein Wachstum von 2 Prozent erwartet, während der Nicht-Wohnbau weiter zurückgehen könnte.

Für 2028 hält Kreutzer eine Trendwende in der Bauwirtschaft insgesamt für möglich. Bei den Wohnungsfertigstellungen dürfte sich die Erholung nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens allerdings erst ab 2029 bemerkbar machen.