Denkmalgeschützte Kirche

Trägerrost mittels Stahlprofilträgern durch Glockenstuhl geführt

Komplexe Einrüstung für die Sanierung der Turmes der denkmalgeschützten Kirche.

Ascheberg (ABZ). – Die katholische Pfarrkirche St. Lambertus ist ein denkmalgeschütztes spätgotisches Kirchengebäude in Ascheberg im Kreis Coesfeld (NRW). Nachdem im Jahr 2015 ein Steinstück zuerst auf das Kirchendach und dann auf den Kirchplatz gefallen war, wurden umfangreiche bautechnische und restauratorische Voruntersuchungen vorgenommen, die dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen in verschiedenen Bereichen des Turmes ergaben. Die Restaurierungsarbeiten sind seither in vollem Gange und werden voraussichtlich im Herbst abgeschlossen. Für die Durchführung von Steinmetzarbeiten, die Erneuerung von Fenstern und der Schallluken am Turmschaft sowie für Dachdecker - und Zimmermannsarbeiten und der Restaurierung der Turmuhr am Turmhelm musste der Turm der St. Lambertus Kirche vollständig eingerüstet werden. Die Gerüstgründung des Turmes konnte nur an der Westseite des Geländes erfolgen. Hier ist der Haupteingang der Kirche, der während der gesamten Bauzeit zur Nutzung frei bleiben muss. Die Überbrückung des Haupteingangs wurde mittels Stahlprofilträgern HEB 300 umgesetzt. Die Montage erfolgte in ca. 8 m Höhe mit dem Ladekran eines Teupe Kran-Lkw auf Schwerlaststützen und einem Trägerrost. Die Kirchenbesucher erreichen das Kirchenportal über einen von Teupe errichteten Schutztunnel, der zusätzlich mit einer Rampe so ausgestattet wurde, dass auch Rollstuhlfahrer den Eingang barrierefrei nutzen können. Ferner wurde dort eine dauerhafte Beleuchtung installiert.

Auf allen anderen Seiten des Gebäudes mussten die Gerüste oberhalb des Hauptschiffes und der Seitenschiffe abgehangen werden. Zur Aufnahme des Gerüstes war bauseits in Höhe von 32 m ursprünglich ein Trägerrost mittels Stahlprofilträgern durch den Glockenstuhl und die Schotten geplant. Dies war aufgrund der massiven Konstruktion des Glockenstuhls und der erforderlichen Bauhöhe nicht realisierbar. Alternativ erarbeitete die Firma Teupe im hauseigenen technischen Büro eine objektbezogene Konsollösung, welche die enormen Lasten aus dem Hängegerüst ca. 10 m nach unten oberhalb der Dächer ableitet sowie das rund 50 m hohe Gerüst nach oben am weiteren Turmschaft und am Turmhelm trägt.

Das Turmgerüst hat eine Höhe von insgesamt 80 m. Die Ausführung der Konsolen erfolgte mit Stahlprofilen, welche in der Stahlbau-Werkstatt im Hause Teupe gefertigt und vor Ort zusammengebaut wurden. Der mit einem HEB240 Profil gefertigte Hauptträger der Konsole ist ca. 3,50 m lang und die gesamte Konsole hat ein Gewicht von ca. 300 kg. Die Montage aller Konsolen erfolgte innerhalb von zwei Tagen mit einem Kran und einer Hubarbeitsbühne. Zunächst wurden die Konsolen von innen gegen das ca. 1,20 m dicke Mauerwerk gelagert und nach Montage der ersten Gerüstlage auf einer umlaufenden Gitterträgerkonstruktion mittels Dywidagstäben durch den Glockenturm gegeneinander gespannt. Die vertikalen Lasten konnten direkt über ein Futterstück in die Mauer eingeleitet werden. Eine weitere Herausforderung war die Umbauung der Balustrade mittels einer Stahlkonstruktion in 44 m bis 78 m Höhe auf der Westseite. Da in diesem Bereich die gesamte Demontage der Balustrade inklusive einer Unterkonstruktion geplant ist, durften hier keine Lasten eingeleitet werden. Die Stahlkonstruktion wurde ebenfalls im Hause Teupe gefertigt und vor Ort in das Gerüst integriert. Oberhalb der Balustrade entstand eine als Holzkonstruktion ausgeführte massive Schutzlage, so dass in den unteren Bereichen bereits Restaurierungsarbeiten durch andere Gewerke ausgeführt werden können.

Die oberste Verankerung des Gerüstes am Bauwerk erfolgte auf einer Höhe von ca. 50 m im Bereich der Maßwerkfenster. Der Verankerungsgrund bestand hier überwiegend aus Fensterrahmen und Stürzen, die die hohen Ankerlasten nicht aufnehmen konnten. In diesem Bereich wurden die ohnehin zu bearbeitenden Fenster ausgebaut. Anschließend wurde im Bauwerk und von außen mittels einer Konstruktion aus Kanthölzern, Dywidagstäben und Stahlrohren eine horizontale und vertikale Lastverteilung eingebaut, so dass das Gerüst druck- und zugfest am Bauwerk angeschlossen ist.

Zusätzlich stellte Teupe einen Lastturm sowie eine Transportbühne mit 1000 kg Traglast und baute einen Treppenturm mit einer Höhe von 64 m an das Turmgerüst an. Um die Windangriffsfläche des Turmgerüstes möglichst gering zu halten, wurde das Gerüst als Stahlrohr-Kupplungs-Konstruktion ausgeführt, das wie eine zweite Haut an die Form des Turmhelmes angepasst wurde. Die horizontalen Lasten können über Druckanker im Abstand von 4 bis 6 m in die Querscheiben des Turmhelmes eingeleitet werden. Dieser wurde zunächst im Gebäude mit Spannstangen bis hinunter in den Glockenstuhl abgespannt. Das Gerüst ragt dann zum Schluss 6 m freistehend über die Turmspitze hinaus, um das Turmkreuz zu bearbeiten.

Für die Erstellung des Gerüstes wurden in einem Zeitraum von zehn Wochen insgesamt rund 300 t Gerüstmaterial verarbeitet. Die Restaurierung des Turmhelms soll voraussichtlich im Herbst 2016 abgeschlossen sein.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 40/2016.

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