Deutscher Auslandsbau-Verband

Infrastrukturprojekte südlich der Sahara

Düsseldorf (ABZ). – In dem zentralen Punkt stimmen die beiden Bauunternehmer Joachim Burger und Johannes Debusmann nach ihrer Markterkundungsreise nach Kenia überein: "So viele und fundierte Treffen und Gespräche mit möglichen Entscheidungsträgern und Partnern hätten wir auf uns alleine gestellt nie zustande gebracht." Sie gehörten zu der 17-köpfigen Delegation von Mittelständlern, die auf Einladung des Deutschen Auslandsbau-Verbandes e. V. (DABV) Kontakte geknüpft und ihre Chancen in dem ostafrikanischen Land ausgelotet haben.

Die fünftägige Tour war speziell für Baufirmen und Zulieferer konzipiert und vom Bund im Rahmen von dessen Markterschließungsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen gefördert worden. Auch Elias van Straaten, Mitarbeiter der Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Kenia, lobte anschließend: "Die Rückmeldungen seitens der kenianischen Partner und Unternehmen waren durchweg positiv und auch von der deutschen Delegation gibt es bereits erste intensive Kontakte zur hiesigen Privatwirtschaft."

Der DABV ist einer der Verbände unter dem Dach der Baugewerblichen Verbände in Düsseldorf. Er hat inhaltlich den Auslandsbereich des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe übernommen und bietet bundesweit Unterstützung für diejenigen Bauunternehmen an, die an Aufträgen im Ausland interessiert sind. Insbesondere Infrastrukturprojekte südlich der Sahara hat der Verband dabei seit mehreren Jahren im Blick. Die Aktivitäten in dieser Region haben inzwischen zu einem dichten Netz an Kontakten geführt.

"Diese Kontakte und unsere intensiven Erfahrungen haben wir für das Konzept der jetzigen Erkundungsreise genutzt", erklärt Heinz G. Rittmann, geschäfts-führendes Vorstandsmitglied des DABV. Die Tour deckte die Felder Straßen- und Tiefbau und Infrastrukturentwicklung ebenso ab wie den Hochbau. Dort ging es vordringlich um Wohnungen, Industriebauten, Hotels, Einkaufszentren oder Schulen. Unter anderem wurde in Kenias Hauptstadt Nairobi die Baustelle für die Garden City Mall besichtigt, demnächst Ostafrikas größtes Einkaufszentrum mit einer Fläche von 33 000 m und einem Investitionsvolumen von 250 Mio. US-Dollar. Hinzu kam eine Visite beim wichtigen Kisumu-Kakamega-Straßenprojekt, einer Verbindung der beiden Städte mit der Hauptverkehrsader von Nairobi nach Kampala sowie der Straße Richtung Süd-Sudan. Das deutsche Unternehmen H.P. Gauff Ingenieure – JBG – ist mit der Bauüberwachung beauftragt und erläuterte den Gästen aus Deutschland die Arbeiten. "Die Baustellen in Kenia sind eine Erfahrung für sich", blickt Joachim Burger aus Bornheim bei Bonn zurück. Die Visiten vor Ort und die Erläuterungen der Gauff-Mitarbeiter hätten ihn andererseits darin bestärkt, dass auch mittelständische deutsche Bauunternehmen in Afrika eine Chance haben – "insbesondere wenn es um Innovation und Flexibilität, um technisch differenzierte Lösungen für kleinere Projekte geht".

Das gelte namentlich für den Bereich der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung. "Bei den im Vergleich zu Deutschland überaus interessanten Margen, die uns auch von deutschen Unternehmen, die wir besucht haben, bestätigt wurden und bei einem vernünftigen rationalen Vorgehen können dort Aufträge erfolgreich realisiert werden." In diesen Segmenten habe man Chancen selbst gegen Großkonzerne und gegen die allerorts mit großem Nachdruck auf den Märkten agierenden Chinesen.

Als Herausforderung nannte Burger ebenso wie Debusmann die Identifikation von richtigen und vertrauenswürdigen lokalen Partnerunternehmen. In dieser Frage bieten jedoch der DABV und seine Projektpartner, darunter der Bauunternehmerverband Kenya Federation of Master Builders und das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Nairobi, ihre Hilfestellung an. Burger: "Die lokalen Bauunternehmen wollen eigentlich fast immer Joint Ventures eingehen. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sie erstens über keine oder über kaum qualifizierte Mitarbeiter verfügen, dass sie zweitens gravierende Probleme bei der Beschaffung der Bürgschaften haben und last but not least, dass sie nicht das richtige technische Equipment aufweisen. Diese Defizite sollen durch die internationalen Partner abgedeckt werden." Viele Kenianer dächten, dass alle Probleme gelöst sind, wenn ein deutscher Joint-Venture-Partner dazu kommt. Letzteres sei wohl eher Wunschdenken, wiewohl für ihn nach den Reiseerfahrungen auf der Hand liege, "dass wir natürlich mit unserem technischen und wirtschaftlichen Fachwissen die lokalen Firmen in der Tat stärken, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten. Nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Mitarbeiter werden durch den Know-how-Transfer qualifiziert, wovon dann in den nächsten Projekten profitiert wird".

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 09/2016.

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