Infrastruktur-Ertüchtigung

Hannover Airport erneuert Vorfeld und Entwässerung im Flughafenbetrieb

Sämtliche der teils mehr als 60 Jahre alten Beton- und Asphaltflächen des Vorfeldes sowie die Entwässerung werden erneuert – im laufenden Flughafenbetrieb.

Hannover (ABZ). – Die Arbeiten, die bereits seit dem Frühjahr 2016 laufen, markieren den ersten Bauabschnitt einer großangelegten, projektierten Maßnahme zum Erhalt und Ausbau der betrieblich notwendigen Infrastruktur. Ziele sind die Ertüchtigung der Infrastruktur für die kommenden Jahrzehnte, die Erhöhung der Tragfähigkeit der Betriebsflächen sowie eine Verbesserung des Gewässerschutzes.

Die Arbeiten an der Oberfläche werden planerisch von der Airport Consulting GmbH, Beratende Ingenieure, Stuttgart, betreut. Die IDN Ingenieur-Dienst Nord, Oyten, wurde mit der Planung der Entwässerung betraut. Im Rahmen der Entwässerungs-Erneuerung verbaut die mit der Durchführung der Arbeiten beauftragte Strabag AG, Verkehrswegebau, Direktion Großprojekte Nord-West Bereich Großprojekte Inland, Köln, rund 2270 m Stahlbetonrohr in den Nennweiten DN 300 bis DN 1400. Es kommen fast 100 Übergangskupplungen der Mücher Dichtungen GmbH & Co. KG zum Einsatz, um die Rohre in den Dimensionen wasserdicht zu verbinden. Insbesondere der Umstand, dass sämtliche Arbeiten bei laufendem Flugverkehr durchgeführt werden, stellt hohe Ansprüche – sowohl an die ausführenden Unternehmen als auch an die Verlässlichkeit der eingesetzten Produkte. Die Arbeiten des ersten Bauabschnittes sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.

In den kommenden zehn Jahren will der Airport Hannover-Langenhagen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Erhalt und Ausbau seiner betrieblichen Infrastruktur investieren. Der Fokus der ausschließlich aus eigenen Mitteln bestrittenen Arbeiten liegt vor allem auf der Erneuerung der teils bis zu 60 Jahre alten Beton- und Asphaltflächen des Vorfeldes. Insgesamt werden rund 150 000 m² Fläche ausgetauscht – ein Areal, das in etwa der Größe von 21 Fußballfeldern entspricht. Die Modernisierung der Entwässerung sei dabei insofern von besonderer Bedeutung, als man mit der Baumaßnahme spürbar zur Entlastung des Oberflächenwassers beitragen wolle, betont Tilman Starck, Abt. Tiefbau, Bau + Instandhaltung, Airport Hannover-Langenhagen. Künftig wird das Oberflächenwasser noch vor der Einleitung in einen Graben analytisch untersucht und bei Belastung entsorgt. Zu diesem Zweck werden eigens ein unterirdisches Entwässerungsnetz mit 2000 m Stahlbetonleitungen sowie ein Pumpwerk errichtet. Das Wasser wird mit einer Förderleistung von 50 l/s über eine 1,4 km lange Strecke direkt zu den entsprechenden Entsorgungseinrichtungen transportiert.

Das Vorhaben ist anspruchsvoll: Allein schon deshalb, weil die Planung vorsah, dass sämtliche Arbeiten bei laufendem Flugverkehr vorgenommen werden. Nicht nur der beauftragte Bauunternehmer musste daher höchste Ansprüche in puncto Sicherheit erfüllen, auch die eingesetzten Baumaterialien mussten den Besonderheiten vor Ort gerecht werden. Peter Schörling, Gebietsleiter Nord bei der Mücher Dichtungen GmbH, erläutert die speziellen Herausforderungen des Projekts: "Zum Einen mussten unterschiedlich dimensionierte Stahlbetonrohre wasserdicht miteinander verbunden werden. Auf der anderen Seite hatten die vorgesehenen Betonfertigteilschächte in der Fläche einen genauen Fixpunkt. Deshalb war es nicht möglich, die gelieferten Stahlbetonrohre – in der Regel hatten sie Baulängen von 2 bzw. 2,5 m – in vollen Längen von Schacht zu Schacht zu verlegen. Es musste geschnitten werden." Strabag habe auf Übergangskupplungen des Frechener Dichtungsspezialisten Mücher gesetzt, um die auf Länge geschnittenen Rohre miteinander zu verbinden. Zum Einsatz kamen 52 Übergangskupplungen "Canada Plus 2B" nach DIN EN 16397 in den Nennweiten 300 bis 1000. Außerdem wurden 44 Übergangskupplungen "Canada Titan XL" nach DIN EN 16397 passend zum Außendurchmesser von 1490 mm verbaut. Bei allen Kupplungen handelte es sich um Sonderanfertigungen, die im Werk in Frechen auf Maß gefertigt wurden.

Planer Stefan Rust, Teamleitung Siedlungswasserwirtschaft beim IDN Ingenieur-Dienst Nord, zählt wesentliche Gründe auf, die bei der Entscheidung zugunsten der Produkte von Mücher eine Rolle gespielt haben: "Zum Einen wird die Ausführungsqualität der Bauteile den hohen Sicherheitsanforderungen gerecht, die bei dem Projekt in Hannover im Vordergrund stehen. Zum Anderen legt der Auftraggeber großen Wert auf Langlebigkeit." So bietet etwa das vom Hersteller eingesetzte "TOX"-Verfahren Vorteile gegenüber vergleichbaren Produkten. "Beim herkömmlichen Schweißen von Verbindungen kann es infolge der Wärmebehandlung zu interkristalliner Korrosion kommen, da das Gefüge des Edelstahls angegriffen wird", erklärt Schörling. Die Spanneinheiten und Scherbänder der Mücher-Kupplungen hingegen werden mithilfe des "TOX"-Verfahrens miteinander verbunden – ohne Einsatz von Wärme und ohne Beschädigung der Oberfläche, sondern lediglich durch mechanisches Verbinden. "Das Material wird an der Verbindungsstelle verdichtet. Der Stahl wird fester, eine mechanische Kerbwirkung tritt nicht auf", betont Schörling. Das Ergebnis: Das dynamische Verhalten der Verbindung bleibt erhalten und der Verzicht auf Wärmebehandlung erhöht die Korrosionsresistenz des Bauteils.

Auch die schnelle Montage der Mücher-Kupplungen erwies sich mit Blick auf die während des laufenden Flughafenbetriebs vorgenommenen Arbeiten als Pluspunkt: Dank des speziellen Spann-Verschlusssystems aus rostfreiem V4A-Edelstahl lassen sich in Minutenschnelle dauerhaft dichte Verbindungen herstellen – mit durchschnittlich fünf Minuten pro Verbindung liegt die erforderliche Montagezeit bei etwa der Hälfte der Zeit, welche für die Montage vieler vergleichbarer Produkte anzusetzen ist. Überzeugt hat aber nicht nur die schnelle Montage der Bauteile, sondern auch der Service von Mücher. "Bei einer Maßnahme wie der in Hannover kommt es generell auf kurze, schnelle Wege an", sagt Strabag-Straßenbaumeister Stefan Bräunlich. Der enge Kontakt zu Mücher-Vertriebsmann Schörling – sowohl telefonisch als auch persönlich vor Ort – habe auch zum schnellen Baufortschritt beigetragen. Lob für die reibungslose Abwicklung gibt es auch seitens der Bauleitung: "Wenn man von den Beteiligten vor Ort nichts hört, ist das immer ein positives Signal – dann läuft's auf der Baustelle", fasst Ingolf Kairies von der Autarc Bauüberwachung in Leipzig seine Eindrücke zusammen. Die Arbeiten bei laufendem Betrieb vorzunehmen, ohne dass spürbare Auswirkungen für den Flugverkehr und die Passagiere entstehen – dieses Ziel scheint man in Hannover-Langenhagen weitgehend erreicht zu haben. Derzeit spricht alles dafür, dass die Arbeiten des ersten Bauabschnitts wie geplant abgeschlossen werden und auch das bis dahin vorübergehend aus dem Betrieb genommene Vorfeld wieder öffnen kann.

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