Kommentar

Possenspiel

Rainer Oschütz

Ein neues Jahr, ein neues Glück … Der neue Hauptstadtflughafen (BER) wartet erneut auf einen Sonderpreis des Umweltbundesamtes, der der sogenannten "Kathedrale des 21. Jahrhunderts" bereits dreimal verliehen wurde: "Ruhigster Flughafen der Welt, mit geringstem CO2-Ausstoß" – die Büttenredner der Karneval-saison lassen grüßen.

Die groteske Situation nimmt langsam Formen an, die nur nochals Trauerspiel bezeichnet werden kann. So gibt jetzt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld die berühmte Parole "Einer für alle und alle für einen" aus dem Roman "Die drei Musketiere" heraus. Er hat die Unternehmen Imtech, Siemens, Caverion, Bosch und T-Systems zu einer besseren Zusammenarbeit auf der Baustelle des BER aufgerufen. Dieses gemeinsame Team – eigentlich Voraussetzung für Bauprojekte von Anfang an – hat es also bisher nicht gegeben. Auch der Regierende Berliner Bürgermeister, Michael Müller (SPD), bläst ins gleiche Horn. So läge die Verantwortung für die Probleme nicht primär bei der Flughafengesellschaft. Er und Mühlenfeld hätten noch nichtsgelesen über die am Bau beteiligten großen Baufirmen. Böse Zungen behaupten, die Schuldigen für die nächste mögliche Terminverschiebung seien damit bereits gefunden.

Tatsache bleibt jedoch, nach vier geplatzten Eröffnungsterminen seit 2011 soll der drittgrößte deutsche Flughafen nun im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen. Der Zeitplan enthielt ursprünglich einen Puffer von sechs Monaten, der nach Flughafenangaben nun zur Hälfte aufgebraucht ist.

Wie so oft an dieser Stelle gefordert, sollten in Zukunft Großprojekte wie der BER von denen umgesetzt werden, die es können: von der Bauindustrie. Andernfalls riskiert man nicht nur teures Scheitern, sondern auch Deutschlands Ruf als Land der exzellenten Ingenieure, der oft im Ausland mehr Beachtung findet als im eigenen Lande. Langfristig wäre das schlimmer als ein Flughafen, der vor lauter Skandalen nie fertig wird.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 03/2016.

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